Seitensprung-Beichte von Bill Gates: In einer Audioaufnahme einer Mitarbeiterversammlung der Gates Foundation vom Dienstag, welche dem «Wall Street Journal» (WSJ) vorliegt, erklärt der Microsoft-Gründer Gates, dass seine Verbindungen zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein ein «grosser Fehler» gewesen seien, und gab vor den Mitarbeitern seiner Stiftung zu, aussereheliche Beziehungen zu zwei russischen Frauen gehabt zu haben. Er bestritt jedoch jegliche Verwicklung in die Verbrechen des amerikanischen Finanziers und entschuldigte sich. Die Beziehung zu dem Sexualstraftäter hätten einen Schatten auf die Stiftung und ihren Ruf geworfen. Epstein habe von diesen Affären erfahren, berichtet WSJ weiter. Die Zeitung verwies auf eine frühere eigene Recherche, wonach Epstein dieses Wissen genutzt haben könnte, um Gates zu erpressen.
Legende:
Bill Gates in einem Foto aus den Epstein-Files mit einer von den US-Behörden unkenntlich gemachten jungen Frau in einem Hotel.
imago images/Capital Pictures
Sexualstraftäter Epstein und Gates: Ende Januar hatte das US-Justizministerium weitere Akten im Fall des verstorbenen Sexualstraftäters Jeffrey Epstein veröffentlicht. Die Dokumente aus den Epstein-Files ziehen rund um den Globus Konsequenzen nach sich. Belastende Daten setzen viele Mitglieder der High Society unter Druck. In den veröffentlichten Akten findet sich auch ein E-Mail-Entwurf aus dem Jahr 2013, der im Konto Epsteins gespeichert war und sich offenbar an Gates richtet. Der Entwurf thematisiert Spannungen zwischen Gates und seiner damaligen Ehefrau sowie gescheiterte Geschäftsbeziehungen. Zudem enthält er unbelegte Vorwürfe persönlicher Natur – darunter den Hinweis, Gates habe Epstein gebeten, E-Mails zu löschen, die sich auf eine mögliche Geschlechtskrankheit sowie intime Details bezogen hätten.
Stiftung bestätigt keine konkreten Aussagen
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Die Stiftung Gates Foundation bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass Gates bei einer Mitarbeiterversammlung Fragen der Beschäftigten zu verschiedenen Themen beantwortet habe und dass es dabei auch um die vom US-Justizministerium veröffentlichten Epstein-Akten gegangen sei.
Er habe offen gesprochen, sei detailliert auf die Fragen eingegangen und habe «Verantwortung für sein Handeln übernommen». Konkrete Aussagen bestätigte die Stiftung nicht. Den Angaben nach handelte es sich um eine reguläre Mitarbeiterversammlung, die Gates zweimal jährlich abhalte.
Unschuldsbeteuerung von Gates: Die beiden russischen Frauen, mit denen er Affären gehabt habe, hätten keinen Bezug zu Epsteins Opfern gehabt, sagte der Microsoft-Mitgründer am Dienstag laut WSJ. Er habe «nichts Unrechtmässiges getan» und «nichts Unrechtmässiges gesehen», wurde Gates von der Zeitung zitiert. «Um es klar zu sagen: Ich habe nie Zeit mit den Opfern, den Frauen in seinem Umfeld, verbracht.»
Kontakt trotz Bedenken der Ehefrau fortgesetzt: Dem Bericht zufolge führte Bill Gates aus, dass er Epstein ab 2011 mehrfach getroffen habe – Jahre nach dessen Verurteilung 2008 wegen der Anwerbung einer Minderjährigen zur Prostitution. Er habe die Kontakte auch trotz der Bedenken seiner damaligen Ehefrau Melinda French Gates fortgesetzt; 2014 habe es das letzte persönliche Treffen gegeben. Gates habe zudem eingeräumt, mit Epstein Zeit in Deutschland, Frankreich, New York und Washington verbracht zu haben – allerdings nie über Nacht und er sei auch nie auf Epsteins Insel gewesen.
Der Fall Epstein
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Jahrelang hatte der Multimillionär Jeffrey Epstein einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen und Minderjährige zum Opfer fielen. Über Jahre hinweg soll er Minderjährige etwa in New York und Florida auch selbst missbraucht haben. 2019 starb Epstein mit 66 Jahren im Gefängnis, bevor es zu einer möglichen weiteren Verurteilung hätte kommen können.
Der Financier hatte beste Kontakte in die High Society – das führte zu zahlreichen Spekulationen über die Tragweite des Skandals. Immer wieder kam die Frage auf, welche prominenten Persönlichkeiten in Epsteins Machenschaften verwickelt gewesen sein könnten. Auch Donald Trump kannte Epstein gut, das zeigen frühere Fotos der beiden. Allerdings gibt es keine belastbaren Hinweise auf eine Verwicklung des aktuellen US-Präsidenten in den Skandal.
Für Spekulationen und Kritik sorgte jedoch, dass er noch im Präsidentschaftswahlkampf die Freigabe der Akten gefordert hatte, sich nach Amtsantritt dann allerdings dagegen sträubte. Das kam auch im eigenen Lager nicht bei allen gut an. Der Druck wuchs, bis Trump im November schliesslich ein vom US-Parlament vorangetriebenes Gesetz zur Veröffentlichung der Akten unterschrieb.
Gates sagte laut «Wall Street Journal», seine damalige Ehefrau Melinda French Gates sei den Kontakten gegenüber stets skeptisch gewesen. Sie selbst bezeichnete die Zeit ihrer Ehe im Zusammenhang mit den Epstein-Veröffentlichungen in einem Interview des US-Senders NPR als «sehr, sehr schmerzhaft» und zeigte sich erleichtert, «weg von all dem Dreck zu sein».
Nach dem Bekanntwerden seiner Verbindungen zu Sexualverbrecher Jeffrey Epstein zieht sich der einstige Harvard-Präsident Larry Summers aus der Lehre an der Elite-Universität zurück. «Ich habe die schwierige Entscheidung getroffen, meine Professur an der Harvard-Universität zum Ende dieses akademischen Jahres aufzugeben», teilt der ehemalige US-Finanzminister in einer Erklärung mit.
Ein Harvard-Sprecher bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, der Rückzug stehe in Zusammenhang mit der laufenden internen Überprüfung von Dokumenten zu Epstein. Aus der Universität hiess es, Summers werde bis zu seinem offiziellen Ausscheiden weder unterrichten noch neue Studierende betreuen.
Veröffentlichte E-Mails und Textnachrichten legten einen engen persönlichen Austausch zwischen Summers und dem 2019 gestorbenen Epstein offen. Darin äusserte Summers sich Berichten zufolge auch abfällig über Frauen. Der bekannte US-Ökonom hatte sich zuvor schon weitgehend aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen.
Summers war unter dem damaligen US-Präsidenten Bill Clinton von 1999 bis 2001 Finanzminister und später Berater des damaligen Präsidenten Barack Obama. Zu Beginn der 2000er war er Havard-Präsident. Zuletzt hatte der Ex-Minister neben einer Professur an der Uni auch andere Posten inne, unter anderem im Vorstand von ChatGPT-Betreiber OpenAI und als Kolumnist für Bloomberg News.