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Gehässiger Bürger-Dialog Ministerpräsident stellt sich dem Zorn der Chemnitzer

Nach der Gewalteskalation sucht Sachsens Michael Kretschmer von der CDU den Bürgerkontakt. Die Reportage von Korrespondent Peter Voegeli.

Legende: Audio Im Kreuzfeuer der Bürgerkritik: Ministerpräsident Kretschmer abspielen. Laufzeit 02:03 Minuten.
02:03 min, aus HeuteMorgen vom 31.08.2018.

Ich hatte etwas ganz anderes erwartet. Nämlich, dass draussen vor dem Fussballstadion die rechtspopulistische Bewegung «ProChemnitz» an ihrer Demonstration hässliche Parolen ruft und drinnen in einem grossen Saal – nach den Ausschreitungen und all den heftigen Emotionen der letzten Tage – nun die ruhige und besonnene Mehrheit der Stadt zu Wort käme und das Gespräch mit dem CDU-Ministerpräsidenten sucht.

«Der Grossteil waren friedliche Demonstranten»

Doch offenbar auch die ganz normalen Bürger von Chemnitz sind ausser sich. Sie sehen sich zu Unrecht in einen Topf mit Rechtsextremen geworfen. Es seien nicht bloss Nazis auf der Strasse gewesen, sagte eine Frau: «Und ich fand es schade, dass nicht einer die Lanze gebrochen hat und gesagt hat – Leute, der Grossteil der Menschen waren friedliche Demonstranten.»

Sobald man irgendetwas Negatives gegen irgendwelche Migranten sagt, wird man in die rechte Ecke gedrängt.
Autor: Chemnitzerin am Bürgerdialog

Die Integration der Flüchtlinge sei gescheitert und die Bürger würden damit alleingelassen, fügte eine zweite hinzu. Aber: «Sobald man irgendetwas Negatives gegen irgendwelche Migranten sagt, wird man in die rechte Ecke gedrängt und als Nazi abgestempelt.»

EDA passt Reisehinweise für Deutschland an

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Nach den Krawallen in Chemnitz hat das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) die Reisehinweise für Deutschland, Link öffnet in einem neuen Fenster angepasst. Das EDA mahnt Schweizer Touristen in der Umgebung von Demonstrationen zur Vorsicht, da Ausschreitungen möglich seien.

Ministerpräsident in der Defensive

Auslöser aller Ausschreitungen sei der Tod eines deutschen Festbesuchers am letzten Wochenende gewesen, betonte ein Mann und ergänzt: «Die Wahrheit ist, es ist jemand gestorben und zwei wurden abgestochen. Und das Schlimmste, so kommt es mir rüber was am Wochenende anscheinend passiert ist, war ein Hitlergruss.»

Legende: Video Ministerpräsident Kretschmer: «Hier leben anständige Menschen» abspielen. Laufzeit 00:25 Minuten.
Aus Tagesschau Nacht vom 30.08.2018.

Ministerpräsident Michael Kretschmer liess zwar den Hitlergruss nicht einfach durchgehen. Aber er war spürbar in der Defensive: «Diese Stadt ist nicht rechts, sie ist nicht braun. Dass es da aber zu diesem Punkt gekommen ist, mit dem Hitlergruss, das muss ich genau so erwähnen, weil es auch da gewesen ist.»

«Mit der Flüchtlingspolitik nicht einverstanden»

Kretschmer war offensichtlich bemüht, nicht noch mehr CDU-Wähler in Sachsen an die AfD zu verlieren. Ohne Erfolg, wenn man dem Eindruck nach zwei Stunden traut und nicht nur bei der CDU, wie eine kleine Umfrage ergab: «Wenn jetzt am Sonntag Landtagswahl wäre, was würden sie wählen?» Eine Frau antwortet: «AfD. Wir waren jahrelang Linkswähler. Wir sind aber mit der Flüchtlingspolitik nicht einverstanden. Ich kann nicht jeden herholen.»

Die Flüchtlingskrise erschüttert Deutschland auch noch nach drei Jahren.

Legende: Video Besuch in einer Stadt im Ausnahmezustand abspielen. Laufzeit 01:13 Minuten.
Aus Tagesschau Nacht vom 30.08.2018.

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119 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Volkart (Lex18)
    Die AFD wurde vor allem im deutschen Osten nur so stark weil man in der deutschen Politik die Belangen der ehemaligen DDR-Länder viel zu wenig ernst genommen hat. Auch unter der ehemaligen DDR-Bürgerin Frau Merkel scheint sich wenig zu ändern. Dem deutschen Osten geht es generell schlechter als dem deutschen Westen also hat man dort auch schneller Angst wenn Flüchtlinge kommen. Darum ist es falsch alle Protestierenden in den gleichen Topf zu stecken wie Rechtsradikale, Neonazi & Co.
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    1. Antwort von Hanspeter Müller (HPMüller)
      Den Menschen in den neuen Bundesländern geht es massiv besser als in den 90-ern. Der Unterschied west-ost ist viel, viel kleiner als in den 90-ern. Und wer mit Rechtsextremen und Neonazi mitmarschiert ist zumindest ein Mitläufer. Da gibt es nichts zu beschönigen.
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  • Kommentar von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
    So ideologisch und einfach lässt sich das Aufkommen der neuen Partei AfD nicht erklären, Herr Planta! Wenn sich immer mehr BürgerInnen für ihre eigene Kultur und Werte im Land wehren und keine unkontrollierte Masseneinwanderung wünschen, geht es ihnen nicht ums "anfeuern von Fremdenhass" oder für ein völkisches Deutschland! Es ist ein Protest gegen die "alten" etablierten Stammparteien (CDU/CSU/SP/Freisinnige/Grüne), die eine völlige Globalisierung vertreten und nicht die Sorgen ihrer Wähler!
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Erich Kästner hat gesagt, dass die Nazizeit spätestens 1928 hätte bekämpft werden müssen, zu einer Zeit, als alles noch stabil wirkte. Es gab damals wohl Eruptionen des Hasses, wie jetzt in Chemnitz, aber es schien nicht so tragisch, man verniedlichte es. "Man darf nicht warten, bis aus dem Schneeball eine Lawine geworden." Keinesfall darf man die BRD wieder reaktionären Kräften überlassen.
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    2. Antwort von Rolf Bolliger (rolf.bolliger@quickline.ch)
      Nach Ihrer Wahrnehmung besteht also in Sachsen (vorallem in Chemnitz) die demonstrierende Bevölkerung aus reinen "Nazis"! Lesen Sie doch, geehrter Herr Planta, nochmals ganz ruhig, emotionslos und sachlich mein obiger Beitrag (von heute 16:32 h) durch! Uebrigens: die (laut Bericht) wenigen, "echten" Rechtsextremen, die Migranten hasserfüllt nachrennen, müssen (unbedingt) polizeilich verhaftet werden, um dem Richter zuführen zu können! So, wie es auch bei Steine werfenden Chaoten passiert?
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    3. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Herr Planta was damals geschah kann man absolut nicht mit heute und Chemnitz vergleichen. Kästner lebte in Dresden. Es war die Weltwirtschaftskrise mit ihrer Arbeitslosigkeit und damit der Perspektivlosigkeit der Bevölkerung. Aber nicht nur in Sachsen sondern in ganz Deutschland.
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    4. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Die Situation in Sachsen kann mit damals verglichen werden. Heute gibt es wieder zu wenig Arbeit in den neuen Bundesländer und viele Junge haben keine Perspektive. Die Bevölkerung Sachsens hat seit der Wende abgenommen.
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  • Kommentar von Albert Planta (Plal)
    Organisationen wie AfD und Pegida geht es um das Anfeuern des Fremdenhasses und damit den Weg zu ebnen für ein völkisches Deutschland:-(
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