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«In den Zellen gibt es kein sauberes Trinkwasser»
Aus Tagesschau vom 13.08.2020.
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Gewalt und fehlende Hygiene Erschreckende Schilderungen aus weissrussischen Gefängnissen

Seit Sonntag spielen sich hinter Gefängnismauern und in Kastenwägen in Weissrussland schockierende Szenen ab.

Die weissrussischen Behörden bestätigten am Mittwoch offiziell ein erstes Todesopfer unter den mehreren tausend Festgenommenen im Land. Der 25-jährige Alexander Wichor war auf dem Weg zu seiner Freundin, als er vergangenen Sonntag in Gomel, der zweitgrössten Stadt Weissrusslands, von Sondereinheiten festgenommen wurde. Er konnte seiner Mutter noch eine kurze Nachricht schicken, dass er soeben festgenommen worden sei.

Danach versuchte seine Mutter während Tagen vergeblich an Informationen zu gelangen. Sie erfuhr erst am Mittwoch von den Behörden, dass ihr Sohn im Leichenschauhaus sei. Sie durfte die Leiche ihres Sohnes bisher nicht sehen, die Mutter sagte gegenüber Radio Swoboda, dass sie vermute, man habe ihn stark geschlagen, und dass sie deswegen den Leichnam nicht sehen dürfe. Er hatte vergeblich im Kastenwagen der Polizei um ärztliche Hilfe gebeten, die Polizei brachte ihn in eine Psychiatrie. Dort rief ein behandelnder Arzt einen Krankenwagen, doch für Alexander Wichor kam jede Hilfe zu spät.

Scharfe Munition gegen Unbewaffnete

In der Nacht auf diesen Donnerstag schossen Sicherheitskräfte und Einheiten des Militärs laut eigenen Angaben erstmals mit scharfer Munition. Dabei wurde eine Person getötet. Laut Angaben des Innenministeriums wurden 1000 weitere Personen in der Nacht auf Donnerstag festgenommen.

Es gibt keine abschliessend überprüfbare Zahl, wie viele Personen insgesamt festgenommen wurden, da die Behörden weiterhin nicht systematisch Haftprotokolle erfassen. Auch vor dem Untersuchungsgefängnis, in welchem zurzeit der 21-jährige Schweizer Tanguy Darbellay in Haft sitzt, stehen Angehörige von Weissrussen seit Tagen auf der Strasse, um an Informationen zu gelangen.

Festgenommener Schweizer körperlich unversehrt

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Die Schweizer Behörden haben laut Informationen von SRF bis zum Donnerstagmittag keinen direkten Kontakt zum inhaftierten Schweizer aufnehmen können. Deshalb verzichtet SRF auf die Veröffentlichung von Details, welche den Schweizer Staatsbürger direkt betreffen. Mit einer Ausnahme: Laut Informationen von SRF ist Tanguy Darbellay körperlich unversehrt, er wurde von den weissrussischen Sicherheitskräften offenbar weder bei der Festnahme noch im Untersuchungsgefängnis geschlagen.

Es gibt im Untersuchungsgefängnis in Minsk in den Zellen keine richtigen Toiletten. SRF hat von einem in der Zwischenzeit freigekommenen italienischen Journalisten erfahren, dass auch am Mittwoch kein Essen an die Insassen verteilt wurde.

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Videonachricht von Claudio Locatelli aus Weissrussland
Aus SRF News vom 13.08.2020.
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Claudio Locatelli gelang es laut seinen eigenen Schilderungen in letzter Minute noch, die italienische Botschaft anzurufen und über seine Festnahme in der Nacht von Sonntag auf Montag zu informieren.

Irgendwann habe ich nur noch eine Art von Würgegeräuschen gehört.
Autor: Claudio LocatelliJournalist

Die sanitären Bedingungen sind auch in der Gefängniszelle, in welcher die ausländischen Festgenommenen untergebracht sind, laut seinen Aussagen katastrophal. «Wasser gibt es in der Zelle durch einen Hahn an der Wand. Dieser Wasserhahn ist so verschmutzt, dass ich schwere Magenprobleme bekommen habe und mich übergeben musste.»

Die ärztliche Hilfe, die er nach Auslösen des Feueralarms erhalten hätte, habe darin bestanden, dass man ihm durch die kleine Luke in der Türe den Puls gemessen hat. «Als ob dies etwas mit meinen Magenproblemen zu tun hätte», schildert er.

Misshandlungen durch Sicherheitsorgane

Der italienische Journalist bestätigt die Schilderungen russischer Journalisten, dass die weissrussischen Festgenommenen brutal geschlagen würden. Die ganze Nacht seien Schreie von Insassen zu hören gewesen.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch sei es besonders schlimm gewesen. «Während 20 Minuten hat jemand ununterbrochen geschrien. Irgendwann habe ich nur noch eine Art von Würgegeräuschen gehört», beschreibt Locatelli, der am Donnerstagvormittag das Land in Richtung Italien sicher verlassen konnte. Die italienische Botschaft in Minsk hat gegenüber SRF die sichere Ausreise des Journalisten bestätigen können.

Tagesschau, 13.8.2020, 12:45 Uhr

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30 Kommentare

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  • Kommentar von Christian Szabo  (C. Szabo)
    Keine Angst. Die EU wird rasch Sanktionen gegen die Regierung von Weissrussland beschliessen. US-Aussenminister Pompeo war in Europa zu Besuch. Dort wurde Europa mitgeteilt, was die USA von ihnen erwartet. Und bestimmt nicht als Bitte. Es geht gegen Russland, gegen China in ganz grossem Stil. Der gute Westen gegen den bösen Osten. So einfach ist Geschichte....geschrieben vom guten Westen...eine wahre Freude.
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  • Kommentar von Mario Rapelli  (CO2 ist Klimaneutral)
    Und wieder das selbe Spiel wie damals vor 6 Jahren in der Ukraine mit den Maidan Protesten. Und sagen Sie jetzt bitte nicht das dass die Schuld von Russland gewesen sei. Den mittlerweile ist es bewiesen, wer die eigentlichen Drahtzieher hinter der ganzen Aktion und dem damaligen Putsch am ehemaligen Präsidnten Janukovich waren. Die Spur führt direkt in den Westen. Oder die Proteste in Venezuela, mittlerweile gibt die US amerikanische Regierung offen zu, dass es mit dem RegimeChange nicht gutging
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    1. Antwort von David Neuhaus  (Um Neutralität bemüht)
      @ Mario Rapelli, «Wie in der Ukraine»; über 10'000 Todesopfer, eine gespaltene Gesellschaft die komplet verarmt, Verlust der Souveränität durch die riesige Überschuldung des Landes. Vorläufiger Höhepunkt: Der IWF und die anderen Gläubiger verlangen das der einzige noch verbleibende Aktivposten, der Grund und Boden, an ausländische Investoren verscherbelt wird! Machen wir uns nicht mitschuldig indem solche Fakten ignorieren, solche "Spiele" nicht durchschauen, sie sogar noch aktiv unterstützen?
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  • Kommentar von Markus Häberli  (YBKüsu)
    Das es so was noch im 21. Jahrhundert gibt, erschüttert mich immer wieder aufs Neue....
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    1. Antwort von Adriano Granello  (adgr)
      Das wird es auch 2525 noch geben, Mensch bleibt Mensch...
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    2. Antwort von Eva Wädensweiler  (E. W.)
      Nur weil es im 21. Jahrhundert viele neue technische Errungenschaften gibt, bedeutet nicht, dass Menschen sich verändert haben. Im Gegenteil: Die Digitalisierung führt auch zu einer Verrohung in der Gesellschaft.
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