Zum Inhalt springen

Header

Video
Merkel-Ansprache in Harvard (unkomm.)
Aus News-Clip vom 31.05.2019.
abspielen
Inhalt

Harvard-Uni ehrt Kanzlerin Merkel rechnet mit Trump ab

  • Die US-Universität Harvard verlieh der deutschen Bundeskanzlerin am Donnerstag die Ehrendoktorwürde.
  • Begründung: Merkels Amtszeit sei geprägt gewesen «von Pragmatismus und kluger Entschlossenheit».
  • In ihrer Rede rechnet die deutsche Regierungschefin mit dem US-Präsidenten ab.

Rund 20'000 Absolventen und Angehörige, Professoren und Ehemalige feiern die unprätentiös auftretende Kanzlerin am Donnerstag wie einen Popstar. Geschlagene 31 Mal brandet bei Merkels 35-minütiger Ansprache Beifall auf, mehrfach erhebt sich das Publikum, um Merkel stehend Respekt zu zollen.

Begründung für Ehrendoktorwürde an Merkel

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen
  • «Mit ihrem Slogan 'Wir schaffen das' wurden Merkels vier Amtszeiten geprägt von geschickter Entschlossenheit und Pragmatismus», schreibt das Blatt in seiner Sonderausgabe zur Abschlussfeier über die «Kanzlerin der freien Welt».
  • Die Aufnahme von Flüchtlingen und der Umgang mit der Finanzkrise hätten Merkels Bereitschaft dazu gezeigt, «das zu tun, was sie für richtig hält» – auch wenn das unpopulär sei.

Besonders viel Beifall gibt es an jenen Stellen, in denen Merkel mit US-Präsident Donald Trump abrechnet. Merkel gelingt dabei das Kunststück, den Namen des US-Präsidenten kein einziges Mal zu erwähnen.

«Mehr multilateral statt unilateral handeln»

Jeder weiss, auf wen Merkel anspielt, wenn sie sagt: «Mehr denn je müssen wir multilateral statt unilateral handeln. Global statt national.» Der bekennende Nationalist Trump scheint dagegen mit seiner «America First»-Politik seit zweieinhalb Jahren daran zu arbeiten, die Nachkriegsordnung auf den Kopf und jahrzehntealte Bündnisse in Frage zu stellen.

Harvard-Absolventen über Merkel

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen
  • Während sich junge Wähler in Deutschland bei der Europawahl massenhaft von der CDU abgewandt haben, wirken manche Harvard-Absolventen wie regelrechte Merkel-Fans.
  • Er sei «begeistert» darüber, dass Merkel bei seiner Abschlussfeier spreche, sagt der 26-jährige Ethan Hughes, der gerade seinen Master-Abschluss gemacht hat. «Viele Amerikaner blicken auf sie, wegen des Mangels an politischer Führung hier.»
  • Die deutsche Harvard-Absolventin Marcella Vutto aus Düsseldorf sagt: «Frau Merkel hat international einen ausgezeichneten Ruf. Innenpolitisch wird das gar nicht so wahrgenommen.»
  • Und ihre Kommilitonin Sonja Krein aus Köln sagt: «Ich glaube, Merkel hat ein sehr gutes Image – gerade in Zeiten von Trump.»

«Protektionismus und Handelskonflikte gefährden den freien Welthandel und die Grundlagen unseres Wohlstandes», sagt Merkel – Trump hat zahlreiche Handelskonflikte vom Zaun gebrochen und droht mit Strafzöllen auf Autos aus der EU.

«Innehalten, schweigen, nachdenken, Pause machen»

Merkel fordert auch, alles Menschenmögliche zu unternehmen, um den Klimawandel in den Griff zu bekommen, und räumt dabei eigene Versäumnisse ein. Trump hat die USA aus dem internationalen Pariser Klimaschutzabkommen zurückgezogen. Merkel sagt, Klimawandel sei vom Menschen verursacht. Trump zweifelt das an (auch wenn er Klimawandel – anders als früher – nicht mehr für einen «Scherz« hält).

Mit Beifall und zustimmendem Gelächter wird Merkels Aussage quittiert, dass schwierige Fragen gelöst werden könnten, «wenn wir bei allem Entscheidungsdruck nicht immer unseren ersten Impulsen folgen, sondern zwischendurch einen Moment innehalten, schweigen, nachdenken, Pause machen». Kaum ein Politiker ist impulsiver als Trump, der seinen Emotionen ungefiltert auf Twitter freien Lauf lässt.

Lügen nicht Wahrheiten nennen und Wahrheiten nicht Lügen.
Autor: Angela MerkelDeutsche Bundeskanzlerin

Die Kanzlerin wirbt für «Wahrhaftigkeit gegenüber anderen und gegenüber uns selbst», und sie sagt: «Dazu gehört, dass wir Lügen nicht Wahrheiten nennen und Wahrheiten nicht Lügen.»

Trump lässt Merkel links liegen

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen
  • US-Präsident Donald Trump hat bei Merkels Kurzbesuch in den USA keine Zeit für die Kanzlerin.
  • Während Merkel in Harvard ist, spricht Trump ebenfalls zu Absolventen – rund 2850 Kilometer entfernt an der US Air Force Academy in Colorado.
  • Es ist eine sehr amerikanische Rede, es geht um Stolz und Patriotismus und militärische Stärke. Trump sagt dort Sätze wie: «Ihr macht Amerika stolz.»

Jubel bricht aus

Kaum etwas ist deutlicher auf Trump gemünzt, der Berichterstattung kritischer Medien «Fake News» nennt und dessen Beraterin Kellyanne Conway den abstrusen Begriff «alternative Fakten» geprägt hat. An dieser Stelle bekommt Merkel besonders grossen Applaus, Jubel bricht aus.

Merkel ist mit ihrer Flüchtlingspolitik auch zur Zielscheibe von Trump geworden, der sie – noch vor seinem Wahlsieg 2016 – als die Person bezeichnete, «die Deutschland ruiniert». Merkel wählt bei ihrer Rede am Nachmittag leisere Worte – und kommt damit in Harvard an.

Harvard nicht repräsentativ

Bei allem Beifall: Harvard ist eine liberale Hochburg in den USA, repräsentativ für die Meinung im Land ist die Hochschule keineswegs. Die Begeisterung für Merkel ist auch darauf zurückzuführen, dass ihre Politik einen Gegenpol zu Trump darstellt.

Dennoch ist bemerkenswert, wie ungemein positiv die Kanzlerin in Harvard aufgenommen wird – während sich in Deutschland auch etliche in ihrer eigenen Partei wünschen, dass sie lieber heute als morgen das Kanzleramt räumt.

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

85 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Marcel Chauvet  (xyzz)
    Sehr viele negative Einstellungen hier was Deutschland speziell Merkel betrifft. Mag wohl seinen Grund auch darin haben, dass es zwischen der ausländischen deutschsprachigen Schweiz und Deutschland bis auf die ausschließlich den Dialekt beherrschenden Leute so gut wie keine Sprachbarriere gibt, was ich persönlich sehr bedauere. In französisch-sprachigen Medien treten die Foristen hier äußerst selten auf, geschweige denn abwertend kritisch, der Sprachbarriere gedankt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Claire McQueen  (freedom)
      @Chauvet: Was hat Ihr Kommentar mit dem Artikel zu tun?
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von David Neuhaus  (Um Neutralität bemüht)
    Angela Merkel, ist das nicht die Dame die zur damaligen Zeit mehrfach den Irakkrieg befürwortet hatte und jetzt im Nachhinein diese Befürwortung leugnet?
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Marcel Chauvet  (xyzz)
      Bitte sehr, was soll das Nachtarokken Jahrzehnte später, bringt nichts, zumal Merkel zu dieser Zeit keinerlei Regierungsverantwortung trug.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Sebastian Mallmann  (mallmann)
      @xyzz: Laut ihren schönen Worten vor der akademischen Elite soll man Lügen nicht Wahrheiten nennen. Wie glaubwürdig ist sie, wenn sie bei einem derart wichtigen Thema wie einem verbrecherischen Krieg ihre damaligen Ansichten leugnet? Was für ein Amt sie innehatte, tut dabei überhaupt nichts zur Sache.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    3. Antwort von Marcel Chauvet  (xyzz)
      @Mallmann: Jedenfalls tritt Merkel nicht kriecherisch auf wie Ihre eidgenössischen Regierungsvertreter im Ausland! Außerdem was sagte bereits Adenauer: "Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern". Wenn man ansonsten nichts vorbringen haben, kann man das nur als armselig apostrophieren.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von M. Kaiser  (Klarsicht)
    Ich vergesse nie das Gespräch,dass Fr. Merkel 2014 noch vor dem Ansturm 2015 -das Schaffen wir - zu einer jungen Asylantin die schon 5 Jahre in Deutschland lebte un d sehr gut Deutsch sprach und integriert war sagte, als diese Merkel bat, in Deutschland bleiben zu dürfen, wörtlich- wir können leider nicht alle hier behalten, das Mädchen weinte und Merkel ging einfach weiter . Von da an wusste ich, wie diese Frau eiskalt sein konnte. Nein Danke, solche Charakteren sind mir befremdend .
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Marcel Chauvet  (xyzz)
      .........logisch, wir können in Deutschland wirklich nicht jeden aufnehmen, wer kein Asyl- bzw. Aufenthaltsrecht hat, muss nach geltender Rechtslage abgeschoben werden, auch Jahre später infolge vorangegangenem taktischen Hinauszögerns durch juristische Winkelzüge.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Sebastian Mallmann  (mallmann)
      Und nochmals an Sie, Herr Chauvet (2. Versuch): Bei der Flüchtlingskrise hatte Merkel dann aber keine Probleme, über die geltende Rechtslage hinweg Zehntausende von Menschen ins Land zu lassen, was einfach nur unverantwortlich war angesichts der Tatsache, dass unter diesen Menschen bestimmt auch IS-Sympathisanten waren. Die Frau handelt nicht aus humanitären Motiven und auch nicht aus persönlicher Überzeugung.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen