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Historisch: Ostern im leeren Petersdom
Aus Echo der Zeit vom 11.04.2020.
abspielen. Laufzeit 04:13 Minuten.
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Historische Premiere Vatikan geschlossen – auch am Ostersonntag

Keine öffentlichen Messen, keine Pilger, ein menschenleerer Petersplatz. Erstmals in der jahrhundertealten Geschichte Roms bleibt die wohl bedeutendste Kirche der Christenheit, der Petersdom, über Wochen und selbst über Ostern verschlossen. «Wenn man zurückgeht in die Geschichte und sich die ganzen Urkunden aber auch die Berichte anschaut, findet man eigentlich nichts was dem entsprechen würde, was wir heute erleben», sagt der Historiker Ulrich Nersinger.

Aktivität wurde bisher eher verstärkt

Rom, die Ewige Stadt, hat so einiges erlebt und überlebt: Vandalen, Seuchen, Kriege, Plünderungen. Doch während das Coronavirus heute die Schliessung von Kirchen erzwingt, führten die Katastrophen und Tragödien der früheren Jahrhunderte stets zum exakten Gegenteil.

«Man hat die Kirchen geöffnet», so Nersinger. «Man hat Prozessionen abgehalten, Andachten vor dem Allerheiligsten gehalten, Rosenkranzgebete – also es ist eher verstärkt worden.»

Messen feiern, um Unheil abzuwenden

Die Gläubigen versammelten sich scharenweise in den Kirchen. Heute wo fast alle Regierungen strikte Distanz verordnen, mag das als gefährlich, ja fahrlässig erscheinen. Das habe man damals anders gesehen, so Nersinger.

«Das hat man dann einfach, ich will nicht sagen ignoriert, aber man hat dann doch gedacht, dass der Glaube so stark ist, dass man das einfach tun muss.» Man musste Messen feiern und Prozessionen abhalten, denn nur so, glaubte man, sei das Unheil abzuwenden.

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Rom: Karfreitag unter Corona-Vorzeichen
Aus News-Clip vom 11.04.2020.
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Das aber, betont der Historiker, sei nur eine von vielen Strategien gewesen. Es habe schon früher andere, wissenschaftliche Mittel und Methoden gegeben. Der Papst, der damals Rom und ganze Teile Mittelitaliens regierte, habe sie verordnet: In Pfannen kochte man Chlor auf, das dann stark reizende, dafür aber reinigende Dämpfe verbreitete. Mit Chlor habe man ganze Gotteshäuser zu desinfizieren versucht. Sankt Peter blieb immer offen – eben: bis heute.

Gesundheit der Gläubigen geht vor

Dass er nun geschlossen ist, erregte Widerstand. Matteo Salvini, der Chef der rechten Lega, forderte dazu auf, die Kirchen zu öffnen und Ostermessen trotz der Pandemie öffentlich abzuhalten. Doch Kardinal Gualtiero Bassetti, der Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz, wies dieses Ansinnen zurück. An erster Stelle stehe die Gesundheit der Gläubigen. Andere meinten: schliesslich könne man auch zu Hause in der Küche beten.

Und so ist die ewige Geschichte Roms um ein Kapitel reicher. Ostern ohne Pilger, ohne Chlor-Dampf, mit wenig Weihrauch. Dafür gibt es neu virtuelle Messen virenfrei auf Computer und Handys der Gläubigen gestreamt.

Tagesschau, 12:45 Uhr; 11.04.2020;

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18 Kommentare

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  • Kommentar von Margrit Holzhammer  (Margrit Holzhammer)
    Ich merkte bei ihm (1984 - 1997) sofort, dass soeben ein ganz spezielles Kind das Licht der Welt erblickte, obwohl er nur 1300 Gramm wog. Wir holten ihn in einem Zürcherspital ab und verlegten ihn auf die Intensivstation des Universitätskinderspital Zürich. Als wir den Knaben im Transportinkubator in die Ambulanz einluden, zeigte sich nach einem Gewitter wieder die Sonne und ein Regenbogen spannte sich über die Stadt Zürich. Mehr darf ich nicht erzählen, dem Pflegepersonal sind Grenzen gesetzt!
  • Kommentar von Margrit Holzhammer  (Margrit Holzhammer)
    Hat der Vatikan ausgedient??? Ich möchte in Erinnerung rufen, dass unmittelbar nach dem angekündigten Rücktritt von Papst Benedikt XVI, am 11. Februar 2013, ein Blitz in den Petersdom einschlug.
    1. Antwort von Haller Hans  (H.Haller)
      War das nicht mal schon einmal so bei Borghia? - Ich glaube mich da an einen Spielfilm zu erinnern. (smile) - Na ja, das bedient mal wieder jene, die an Vorsehung und so weiter glauben.
    2. Antwort von Eva Wädensweiler  (E. W.)
      Und das war der allmächtige Gott, welcher damit gegen diesen Rücktritt seines Stellvertreter auf Erden protestierte?

      Mein Grossvater für viele ein "Polterer" war, (ich liebte ihn sehr), es bei seiner Beerdigung, kaum war der Sarg ins Grab gelassen, bei strahlend blauem Himmel plötzlich einmal heftig & sehr laut donnerte, schauten wir alle nach oben & waren alle derselben Meinung:" Ja erst ist definitiv da Oben angekommen.":-)
    3. Antwort von Margrit Holzhammer  (Margrit Holzhammer)
      @Eva Wädensweiler: Mir sind "Polterer" auch lieber, als die Heuchler welche vordergründig lieb und nett sind!
  • Kommentar von Ringo Noki  (Rinok)
    Zum ersten Mal in der Geschichte Roms stehen die Tore des Petersdoms nicht offen. Historisch... In den letzten Tagen wiederholt so gehört. Immerhin steht es nicht so in diesem Artikel (danke). Historisch ist, dass Rom bereits vor der Eröffnung des heute noch nicht einmal 400 Jahre jungen Petersdoms 2379 Jahre bestand, und auch bis zur Errichtung der ersten Petersbasilika lebte man in Rom bereits fast 1000 Jahre. Einfach als Ergänzung und Relativierung.