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Iran-Krieg Experte: «Trump hat sich in eine missliche Lage manövriert»

Das Muster wiederholt sich: US-Präsident Trump macht im Iran-Krieg Ankündigungen und spricht Drohungen aus. Kurz darauf drückt der US-Präsident wieder die Pausentaste.

Nun kursieren unüberprüfbare Meldungen, die USA und der Iran stünden kurz vor einer Vereinbarung für ein Ende des Krieges. Nahostexperte Andreas Böhm sagt, wie er diese Entwicklung interpretiert.

Andreas Böhm

Nahostexperte und Dozent der Universität St. Gallen

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Dr. Andreas Böhm ist Dozent an der Universität St. Gallen (HSG). Seine Forschungsgebiete sind Philanthropie, Politische Theorie und der Mittlere Osten sowie die Geopolitik.

SRF News: Wie sehen Sie die jüngste Entwicklung im Iran-Krieg?

Andreas Böhm: Donald Trump hat sich in eine missliche Lage manövriert. Er muss schauen, dass er irgendwie sein Gesicht wahren kann und aus diesem Schlamassel herauskommt. Es gibt für ihn nur drei schlechte Lösungen: erstens einen Deal, der weit weg von den Maximalforderungen der USA ist, zweitens eine Fortführung der gegenwärtigen Situation, die katastrophal für die Weltwirtschaft wäre, oder drittens einen Wiederbeginn der Kriegshandlungen. Er hat sich wahrscheinlich für die Lösung entschieden, die für ihn am wenigsten problematisch ist.

Sie haben kurz nach den ersten Angriffen der USA und Israels auf den Iran gewarnt, dass der Iran versuchen werde, den Konflikt in die Länge zu ziehen. Warum?

Der Iran ist militärisch-taktisch asymmetrisch unterlegen. Wenn das Land den Krieg militärisch nicht beenden kann, dann muss es darauf abzielen, dass der Leidensdruck auf der anderen Seite zum Einlenken führt.

Es ist die strategische Idiotie von Donald Trump und seinen Leuten, dass sie das Kalkül des Iran nicht ernst genommen haben.

Deswegen war klar: Man greift die Emirate an, man legt die Strasse von Hormus lahm und nimmt damit die Weltwirtschaft als Geisel. Es ist die strategische Idiotie von Donald Trump und seinen Leuten, dass sie dieses Kalkül nicht ernst genommen haben. 

Ist das iranische Regime am längeren Hebel?

Wir sollten nicht den Eindruck verbreiten, der Iran hätte diesen Konflikt gewonnen. Auch der Iran hat in diesem Konflikt massiv einstecken müssen. Aber tatsächlich hat der Iran strategische Vorteile in diesem Kampf: die geografische Lage und die Grösse des Landes. Letztlich ist das eine strategische Tiefe, die man gegen die USA ausspielen konnte. 

Ein Schiff in der Strasse von Hormuz.
Legende: Dass US-Präsident Donald Trump das Kalkül des Iran nicht ernst genommen habe, war für Nahostexperte Böhm ein strategischer Fehler. Reuters/Amr Alfiky

Welche Lösungsmöglichkeiten sehen Sie noch, die es beiden Seiten ermöglichen, einigermassen das Gesicht zu wahren?

Wenn es ein neues Übereinkommen gibt, dann wird dies nicht nur den Iran und die USA betreffen, sondern auch eine Neuordnung in der Region zur Folge haben. Grundsätzlich: Das Atomabkommen, das Barack Obama damals verhandelt hat, wäre der logische Anknüpfungspunkt. Es wäre auch ein Ausgangspunkt für Verhandlungen, die die regionalen Milizen wie die Hisbollah im Libanon mitbeinhalten. Es bräuchte dafür diplomatisches Geschick und einen langen Atem. Aber im Team von Donald Trump ist leider niemand, der die Region kennt, der diplomatisch versiert ist und der das Geschick hätte, eine solche Verhandlung zu führen – von der Ungeduld Donald Trumps ganz zu schweigen.

Es bräuchte externe Mächte, die als Garanten einer solchen Neuordnung auftreten könnten, zum Beispiel China.

Wie soll bei diesem Vertrauensverlust eine Neuordnung oder eine Verhandlungslösung gefunden werden?

Da bräuchte es externe Mächte, die als Garanten einer solchen Neuordnung auftreten könnten, zum Beispiel China. Man muss davon ausgehen, dass Xi Jinping das Thema anspricht, wenn Trump ihn in ein paar Tagen besucht. Letztlich wäre China in der Position, aufseiten des Iran zu garantieren, dass es für diese Verhandlungslösung dann auch gegenüber den USA eintritt. Nebenbei würde das zeigen, dass die Stellung der USA als die führende Macht in der Region nicht mehr unwidersprochen ist.

Das Gespräch führte Matthias Kündig.

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Echo der Zeit, 06.05.2026, 18:00 Uhr ; 

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