Die direkten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran unter Vermittlung Pakistans sind am frühen Sonntagmorgen ohne greifbares Ergebnis zu Ende gegangen. Nach den Worten von US-Vizepräsident JD Vance wurde bei den Gesprächen in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad keine Einigung erzielt. Fredy Gsteiger, diplomatischer Korrespondent von SRF, sagt, was das bedeutet.
Was bedeutet das Ende der Verhandlungen nun?
Die Gespräche haben mit 21 Stunden – zwar mit Pausen dazwischen – lange gedauert. Das heisst, die Amerikaner und die Iraner dürften nun die Positionen der Gegenseite besser kennen. Und sie dürften auch besser wissen, wo allenfalls Spielraum besteht und wo nicht. Bemerkenswert ist, dass die Verhandlungen zum ersten Mal seit Jahrzehnten direkt stattfanden und nicht nur indirekt über einen Vermittler. Aber zu einer Einigung, nicht mal in den Grundsätzen, ist man offenkundig nicht gelangt. Die Positionen liegen, wie man schon vor Beginn der Gespräche sah, enorm weit auseinander. Die Bereitschaft, einzulenken, scheint auf beiden Seiten gering. Es fehlt an Vertrauen in den guten Willen der Gegenseite. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass es eine weitere Verhandlungsrunde gibt. US-Vizepräsident JD Vance sagte vor seiner Abreise aus Islamabad: Wir lassen einen Vorschlag zurück. Es sei aber das letzte Angebot der USA.
Woran sind die Verhandlungen gescheitert?
Die Differenzen betreffen sehr viele Punkte. Bei einzelnen Punkten scheint man sich angenähert zu haben. Am grössten waren die Differenzen aber offenbar bei der Frage der Strasse von Hormus und beim iranischen Atomprogramm. Der Iran scheint nicht bereit, die Meerenge von Hormus wieder freizugeben, obschon das keineswegs nur die Amerikaner fordern, sondern obwohl Teheran das auch gemäss Völkerrecht zwingend tun müsste. Die Amerikaner ihrerseits verlangen, dass der Iran glaubwürdig darauf verzichtet, jemals Atombomben herzustellen und auch auf die Mittel dazu, solche Waffen zu erlangen. Konkret: dass er künftig auf jede Urananreicherung verzichtet. Und dass er sein bereits hoch angereichertes Uran abgibt. Diese Forderungen bezeichnet die iranische Führung als unverhältnismässig und unzulässig.
Werden die Kriegshandlungen nun wieder aufgenommen?
Das ist derzeit offen und dürfte davon abhängen, ob die Beteiligten davon ausgehen oder zumindest darauf hoffen, doch noch zu einer Einigung zu gelangen. Pakistan als Vermittler bei den Verhandlungen hat bereits betont, die Waffenruhe müsse unbedingt weiter gelten. Klar ist auch, dass – zumindest bei nüchterner Betrachtung – keine Seite bei einer Wiederaufnahme des Krieges viel zu gewinnen hätte.