Die japanische Regierungschefin Sanae Takaichi zu Gast bei US-Präsident Donald Trump in Washington: Eigentlich ein Besuch bei einem engen Verbündeten. Doch das Treffen kommt in einem heiklen Moment. Der Iran-Krieg sorgt geopolitisch und wirtschaftlich für grosse Verwerfungen. Einschätzungen der beiden SRF-Korrespondenten aus Asien und den USA.
Wie ist das Treffen abgelaufen?
Japan müsse in der Strasse von Hormus einen Teil leisten, erklärte US-Präsident Trump. Aber er konfrontierte die Premierministerin nicht direkt. Viel mehr hat er sie für ihren Wahlsieg dieses Jahr gelobt – dieser sei historisch gewesen, hier hätten sie etwas gemeinsam. Auch er habe einen überragenden Sieg errungen. Er schien auch anzudeuten, dass er zu ihrem Sieg beitragen habe, indem er sie unterstützt habe. Die Beziehung scheint inakt. Es war, wie immer, eine merkwürdige Mischung aus Medienkonferenz und bilateralem Treffen, bei dem die japanische Premierministerin über weite Strecken nur Statistin war. Das dürfte der japanischen Seite recht sein – wenn man bedenkt, wie solche Treffen in der Vergangenheit auch schon eskaliert sind.
Welche Forderungen hat Trump formuliert?
Trump selbst blieb sehr generell. Finanzminister Scott Bessent ist in einem Fernsehinterview konkreter geworden: Die japanische Marine verfüge über einige der besten Minensuch- und Minenräumschiffe. Über den Einsatz dieser Schiffe im Golf von Hormus werde man mit den Japanern reden. Japan verfüge über eine sehr grosse strategische Erdölreserve, er erwarte, dass auch diese in den Markt eingespiesen werde. Die Japaner müssten nicht mitkämpfen – aber sie würden 90 bis 95 Prozent des Öls aus dem Persischen Golf beziehen, deshalb erwarte man ein Engagement.
Ist es denkbar, dass Japan diese Forderungen erfüllt?
Es gibt sicher Möglichkeiten, die für Tokio denkbar sind – etwa Einsätze, die sich mit dem Pazifismus-Artikel der japanischen Verfassung vereinbaren lassen. Ausschlaggebend wird für Japan sein, dass man in dieser militärischen Auseinandersetzung nicht zur Kriegspartei wird. In der Vergangenheit stellte Japan etwa Friedens- oder Beobachtermissionen. Mit den Minenräumungen scheint man in Washington nun bereits sehr konkrete Vorstellungen zu haben, wie Japan aushelfen soll. Das dürfte nicht von ungefähr kommen, denn genau ein solches Szenario wurde in Japan in den letzten Tagen diskutiert, nachdem Donald Trump unter anderem Japan aufgefordert hatte, Kriegsschiffe in die Strasse von Hormus zu schicken. Für einen Einsatz von japanischen Streitkräften dürfte jedoch zentral sein, dass die Kampfhandlungen zunächst eingestellt werden, bevor man aktiv wird. Für Regierungschefin Takaichi war es wichtig, Trump zu zeigen, dass man Unterstützung leisten will.
Wie wichtig sind die USA als Partner für Japan?
Die USA sind der einzige militärische Bündnispartner Japans. Über 40'000 US-Soldaten sind in Japan stationiert, damit sind die USA gewissermassen die Schutzmacht. Takaichi geht es bei ihrem Besuch deshalb auch darum, dieses Engagement abzusichern. Zum einen scheint sich der Fokus der USA stärker vom Indo-Pazifik in den Nahen Osten zu verlagern. Auf der anderen Seite hat sich seit November das Verhältnis zwischen Japan und China deutlich verschlechtert. Takaichi hofft nun auf Rückendeckung aus Washington – die es bisher kaum gab. Takaichi kann an diesem Donnerstag einen kleinen Zwischenerfolg verbuchen: Trump sagte, er werde in einigen Wochen nach Peking reisen und dort sehr positiv über Japan sprechen.