Zum Inhalt springen

Header

Audio
Der Kampf gegen den IS wird noch lange dauern.
Aus SRF 4 News aktuell vom 26.08.2020.
abspielen. Laufzeit 08:07 Minuten.
Inhalt

Islamischer Staat Journalistin: «Gefängnisse sind Brutstätten für Extremisten»

Die Terrormiliz IS sei in Syrien und in Irak wieder am Erstarken, warnt der Antiterrorchef der UNO in einem Bericht an den Sicherheitsrat. Mehr als 10’000 Kämpfer des IS seien in dieser Region aktiv, und die Zahl der Anschläge sei im Vergleich zum Vorjahr 2020 bedeutend gestiegen. Eine Expertin erklärt, wie es so weit kommen konnte.

Inga Rogg

Inga Rogg

Journalistin

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen

Inga Rogg ist NZZ-Journalistin. Sie berichtete von 2003 bis 2012 aus Bagdad. Von 2012 bis 2019 lebte sie in Istanbul und berichtete von dort aus der Region. Seit Sommer 2019 ist sie NZZ-Korrespondentin in Jerusalem.

SRF News: Woran erkennt man, dass der IS wieder erstarkt?

Inga Rogg: Man kann es an der Zunahme der Anschläge festmachen, die man seit Herbst letzten Jahres in Syrien und im Irak beobachtet. Das ist eines der Kriterien. Ein anderes Kriterium ist, dass der IS sich in bestimmten Gegenden ungehindert bewegen und operieren kann.

Der IS ist in Gebieten in Syrien erstarkt, die das Assad-Regime im letzten Jahr unter seine Kontrolle gebracht hat.

Wie lässt sich dieses Wiedererstarken erklären?

Zum einen sind es alte Voraussetzungen, die schon früher zum Erstarken des IS beigetragen haben. Im Nord- und im Nordostirak ist es der Konflikt zwischen Kurden und Arabern und zwischen Schiiten und Sunniten. Aber zusätzlich ist der IS vor allem in Gebieten in Syrien erstarkt, die das Assad-Regime im letzten Jahr unter seine Kontrolle gebracht hat. Es sind Gebiete westlich des Euphrat, und sie reichen zum Teil nach Nordsyrien.

Das syrische Regime dürfte verhindern wollen, dass der IS stärker wird. Was macht es dagegen?

Ja, das ist sicher so. Die Sache ist nur die, dass das Regime in den letzten Jahren vor allem den Krieg gegen die Aufständischen und gegen die Zivilbevölkerung geführt hat und nicht gegen den IS. Das hat das Regime anderen überlassen. Diesen Krieg muss man mit ganz anderen Mitteln führen.

Da braucht es besonders ausgebildete Einheiten. Das syrische Regime ist dazu übergegangen, die Lücken in der Armee mit Freiwilligen auszugleichen. Das sind zum Teil blutjunge Männer, die eine kurze Waffenausbildung bekommen und an die Front geschickt werden. Sie werden dort regelrecht verheizt.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Teilabzug der US-Truppen aus Syrien und Irak und dem Erstarken des IS?

Das ist im Moment schwer zu sagen. Im Irak ist dieser Abzug im Gange, die Amerikaner und ihre Verbündeten haben zum Teil Basen geschlossen. Dort, wo die Kooperation zwischen den Kurden und den Amerikanern gut ist, in Ostsyrien und in bestimmten Gebieten im Irak, wurde der IS dadurch geschwächt.

Zusammengefasst: Wie viel Einfluss haben die Dschihadisten in Syrien und Irak?

Man kann den IS von heute nicht mit dem IS von 2014 bis 2018 vergleichen. Aber wir haben eine ähnliche Lage in Irak wie vor zehn Jahren, als die Vorgängerorganisation des IS in ländlichen Gebieten den Untergrundkampf geführt hat. In Syrien ist es die Situation, dass der IS in Gebieten des Regimes erstarken kann.

Ein wichtiger Punkt ist auch die Zukunft der vielen IS-Gefangenen, die es in beiden Ländern gibt

Der Antiterrorchef der UNO fordert von den Mitgliedsstaaten Massnahmen bei der humanitären Hilfe, den Menschenrechten und der Sicherheit in der Region. Reicht das?

Das ist sicher richtig. Syrien und der Irak kämpfen mit mehreren Krisen gleichzeitig, mit einer schweren Wirtschaftskrise, mit politischen Konflikten und mit den Folgen des Coronavirus.

Ein wichtiger Punkt ist auch die Zukunft der vielen IS-Gefangenen, die es in beiden Ländern gibt. In Syrien gibt es zudem dieses grosse, von Kurden kontrollierte, bewachte Camp, in dem die Frauen des IS mit ihren Kindern untergebracht sind. Man weiss, Gefängnisse sind eine Brutstätte für Dschihadisten und Extremisten.

Darüber hinaus sind es lokale, regionale, aber auch internationale Konflikte, die im Kampf gegen den IS hineinspielen. Dieser wird noch sehr lange dauern.

Das Gespräch führte Salvador Attasoy.

SRF 4 News, 26.08.2020; 07:15 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.
Schliessen

Jederzeit top informiert!

Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

16 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Urs Ernst Romer  (uro)
    Was war zuerst? Das Huhn oder das Ei? Gefängnisinsassen sind keine unbescholtene Lämmchen. Bevor man dort landet hat man ja schon einiges auf dem Kerbholz. Die Brutstätten sind nicht die Gefängnisse sondern die eigenen Familien, wo Tradition und Neuzeit aufeinander prallen.
  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Ich habe gemeint, in den Gefangenencamps der Kurden sitzen die IS'ler fest. Daher werden diese kaum zu Brutstätten des Terrors, dann da sind die Terroristen ja genau.
    Brutstätten werden eher die verlorenen und perspektivelosen Gebiete.
  • Kommentar von Beatus Gubler  (Tabeas)
    Wir können mit Satelitten jeden Zentimeter abfilmen, mit Drohnen jede Ecke erreichen. Wir haben eine automatische Gesichtserkennung, Hochleistungsrechner, künstliche Intelligenz. Wir haben Drohnen welche Satelittengestützt auf der ganzen Welt zu unrecht bewaffnete gewalttätige Gruppierungen eliminieren könnten. Werden wir hier für dumm verkauft? Wer nicht auf jede Form von Gewalt verzichtet, welche sich jenseits von Notwehr befindet, gehört in Verwahrung oder im mindesten Entwaffnet.
    1. Antwort von Charles Grossrieder  (View)
      Bekehren, würde Hochwürden sagen; nach alt christlicher Art, wenn Dir einer eins auf die Linke... Oder ähnlich. Aber wieso nicht Ärger züchten und Frieden sähen.