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Jemen-Gespräche in Schweden «Es gibt Kräfte, die auf Eskalation setzen»

Legende: Audio Jemen-Gespräche: Silberstreif am Horizont abspielen. Laufzeit 03:10 Minuten.
03:10 min, aus Info 3 vom 06.12.2018.

In Jemen spielt sich laut den Vereinten Nationen die grösste menschliche Katastrophe unserer Zeit ab. Die Hälfte der Bevölkerung ist am Rand einer Hungersnot, zwei Millionen wurden vertrieben, Tausende sind tot. Nun meldet die UNO, der Start der Friedensverhandlungen in Schweden sei hoffnungsvoll verlaufen. Dies sei internationalem Druck zu verdanken, sagt SRF-Auslandredaktor Philipp Scholkmann. Der Krieg ist aber noch nicht vorbei.

Philipp Scholkmann

Philipp Scholkmann

Auslandredaktor

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Auslandredaktor Scholkmann war langjähriger Nahost-Korrespondent von Radio SRF. Vor seiner Tätigkeit im Nahen Osten war er Korrespondent in Paris und Moderator beim «Echo der Zeit».

SRF News: Was ist zum Auftakt dieser Friedensgespräche genau passiert?

Philipp Scholkmann: Die beiden Seiten haben einen Gefangenenaustausch beschlossen. Das ist eine der vertrauensbildenden Massnahmen, über die bisher immer nur diskutiert wurde. Auch beim letzten, gescheiterten Gesprächsversuch in Genf im vergangenen September wäre das ein Thema gewesen – und jetzt ist es plötzlich passiert.

Angesichts der Katastrophe in Jemen scheint das ein kleiner Schritt zu sein. Warum bezeichnet ihn die UNO trotzdem als Meilenstein?

Martin Griffiths, der UNO-Sondergesandte für Jemen, hofft natürlich, dass daraus mehr wird, dass da etwas ins Rutschen kommt, dass die beiden Seiten ernsthaft verhandeln wollen, und sei es auch erst einmal nur über weitere sogenannte vertrauensbildende Massnahmen.

Der UNO-Gesandte für Jemen, Martin Griffiths, begrüsst die jemenitischen Delegierten zu den Friedensgesprächen im Schloss Johannesberg in Schweden.
Legende: Der UNO-Gesandte für Jemen, Martin Griffiths, begrüsst die jemenitischen Delegierten. Keystone

Neben dem Gefangenenaustausch könnten das zum Beispiel Korridore für humanitäre Hilfe oder die Öffnung des Flughafens der Hauptstadt Sanaa sein. Solche Vorschläge liegen auf dem Tisch. Das ist natürlich noch weit weg von jedem politischen Prozess, aber es wäre für die Millionen von notleidenden Menschen natürlich ein gewaltiger Schritt.

Im September sind ähnliche Gespräche gescheitert. Warum scheint es jetzt besser zu laufen?

Was anders ist, ist der internationale Druck. Man schaut jetzt plötzlich hin. Diese Bilder von Kindern, die nur noch Haut und Knochen sind, haben aufgeschreckt. Diese Bilder sind plötzlich überall in den Medien.

Dieses neue Klima hat diese Gespräche in Schweden erst möglich gemacht.

Das hat auch mit einem veränderten diplomatischen Klima nach der Ermordung des saudischen Regimekritikers Jamal Khashoggi zu tun. Das saudische Königshaus ist seither grundsätzlich in der Defensive. Es kommen auch jene unter Druck, welche die Saudis im Jemen-Krieg unterstützen – zum Beispiel mit Waffen; allen voran die USA und Grossbritannien. Dieses neue Klima hat diese Gespräche in Schweden erst möglich gemacht.

Besteht die Chance, dass dies der Anfang vom Ende des Konfliktes ist?

Es wäre zu optimistisch, schon davon zu sprechen. Es gibt
in Jemen selbst und in der Region immer noch Kräfte, die auf Eskalation setzen, und die glauben, es nütze ihnen mehr, wenn dieser Krieg weitergeht. Solche Leute gibt es bei den Huthis, den Rebellen, die von Iran unterstützt werden, aber auch bei der saudisch-geführten Seite. Die Strategen der Kriegsgewinnler sagen, man solle den Rebellen die Versorgungswege einfach abschneiden. Das bringe viel mehr als alle Gespräche, egal zu welchem Preis für die Zivilbevölkerung.

Schloss in Schweden
Legende: Die Friedensgespräche finden im Schloss Johannesberg im schwedischen Rimbo statt. Keystone

Wie tief das Misstrauen sitzt, sieht man auch jetzt in Schweden. Die Delegationen befinden sich zum Auftakt nicht einmal im gleichen Raum, sondern an unterschiedlichen Tischen in unterschiedlichen Räumen. Aber sie sind erstmals seit zwei Jahren wieder am gleichen Ort, immerhin.

Das Gespräch führte Isabelle Maissen.

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