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Kalkül und Religion Perfect Storm: Trump, Netanjahu und die Mullahs

In Jerusalem, unweit der amerikanischen Botschaft, befindet sich die International Christian Embassy Jerusalem (ICEJ). Diese vertritt im Gegensatz zu anderen Botschaften keinen Staat, sondern «ein biblisches Mandat». Die ICEJ ist seit 1980 in Jerusalem: Damals verabschiedete das israelische Parlament ein Gesetz, das Jerusalem zur ungeteilten Hauptstadt Israels erklärte.

Die Völkergemeinschaft betrachtete diesen Schritt als faktische Annexion des palästinensischen Ost-Teils der Stadt. Staaten, die ihre Vertretungen in Jerusalem hatten, verlegten diese aus Protest nach Tel Aviv. In die Lücke, welche die staatlichen Botschaften hinterliessen, sprang die Organisation ICEJ mit ihrer «Botschaft»: «Um die Millionen von Christinnen und Christen zu vertreten, für deren Weltsicht Jerusalem als Hauptstadt des von Gott auserwählten jüdischen Volkes zentral ist,» sagt David Parsons.

Der evangelikale amerikanische Prediger David Parsons ist der Vizepräsident und Sprecher der International Christian Embassy.

Iran-Krieg als Endzeit-Schlacht

Vor allem Evangelikale und christliche Zionisten sind auf Jerusalem und das jüdische Volk fixiert. Sie glauben, sie bräuchten das jüdische Volk, damit Jesus zurückkomme. Ihre extremsten Prediger glauben, dass der Iran-Krieg der Beginn einer Endzeit-Schlacht ist, in die Jesus Christus schliesslich höchst persönlich eingreifen und Nicht-Christen ein blutiges Ende bereiten werde. So stehe es in der Bibel, behaupten sie.

Nur eine Minderheit evangelikaler Christen glaube «zu 100 Prozent» an solche Endzeit-Szenarien, sagt Parsons zu Radio SRF Ende Januar in Jerusalem. Einen allfälligen US-Angriff auf Iran hielt er damals für gerechtfertigt, weil das Mullah-Regime seine eigenen Leute «abschlachte».

Aus der US-Botschaft unweit der ICEJ tönt es weniger diplomatisch: US-Botschafter Mike Huckabee, ein evangelikaler Prediger, sagte kürzlich in einem Interview, er hätte nichts dagegen, wenn Israel die Kontrolle über mehr Land im Nahen Osten übernähme. Für ihn gibt es keine Palästinenser, der Begriff sei eine Erfindung, «um Israel noch mehr Land wegzunehmen.» Präsident Trump bezeichnet er als «von Gott auserwählt», um den Krieg gegen Iran zu führen. Huckabee vertritt den inzwischen grössten Wählerblock Trumps: die Evangelikalen. Premier Benjamin Netanjahu bezeichnete diese einst als «Rückgrat der Unterstützung Israels in Amerika».

Iran als Israels biblischer Erzfeind

Ähnlich wie sie benützt er biblische Sprache, um Kriege zu rechtfertigen: auch den Irankrieg. Die iranische Regierung bezeichnet er als Israels «Amalekiter», Israels biblische Erzfeinde, die man auslöschen müsse.

Weder Netanjahu noch Trump gelten als besonders religiös. Dennoch sehen religiöse Fundamentalisten in Israel und den USA die beiden als göttlich gewollte Konstellation, um ihre Visionen biblischer Verheissungen umzusetzen. Das nutzen beide politisch aus. In seiner ersten Amtszeit belohnte Trump seine evangelikale Wählerbasis mit der Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem. In seiner zweiten belohnt er sie mit einer Unterstützung Israels, welches ihre religiösen Endzeit-Fantasien befeuert. Dazu gehört auch der Iran-Krieg, den Netanjahu seit Jahrzehnten beschwört, weil die iranischen Mullahs Israels Vernichtung propagieren.

Susanne Brunner

Leiterin Auslandsredaktion von Radio SRF

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Susanne Brunner leitet die Auslandsredaktion von Radio SRF. Das zirka 20-köpfige Team setzt Radiobeiträge aus allen Weltregionen um – und sie hält die Fäden zusammen.

Echo der Zeit, 05.03.2026, 18 Uhr

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