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Erstes TV-Triell im deutschen Wahlkampf – eine Analyse
Aus HeuteMorgen vom 30.08.2021.
abspielen. Laufzeit 09:14 Minuten.
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Kampf ums Kanzleramt Ein Sieg ohne Bedeutung

Im ersten Triell im deutschen Wahlkampf konnte Annalena Baerbock am meisten überzeugen. Das ändert jedoch nur wenig.

Zum ersten Mal in diesem Bundestagswahlkampf traten Armin Laschet (CDU), Finanzminister Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) im Kampf um das Kanzleramt im deutschen Fernsehen gegeneinander an.

Viel hat sich dabei nicht verändert. Niemand konnte einen wirklichen Treffer landen. Armin Laschet musste attackieren, weil seine Beliebtheitswerte im Keller sind und die Union in Umfragen erstmals hinter der SPD liegt. Das tat er auch, aber nur anfänglich überzeugend.

Baerbock hatte nichts mehr zu verlieren

Annalena Baerbock dagegen hatte nichts mehr verlieren, denn sie hat das Rennen um das Kanzleramt wohl bereits verloren. Doch je länger der Abend dauerte, desto mehr wurde jene Baerbock sichtbar, welche die Kanzlerkandidatur ihrer Partei in nur zwei Jahren im Sturm erobert hatte: die detailsichere Baerbock.

Die drei Kontrahenten verloren sich in dieser Debatte meist in Kleingedrucktem. Eine grosse Überschrift über ihrer Kandidatur wurde nicht sichtbar. Das half Baerbock. Sie kannte ihre Zahlen, zeigte etwas vom früheren Kampfesmut, und ihre grüne Logik war in sich stringent. Also war sie die eigentliche Siegerin nach Punkten. Nur ist es ein Sieg ohne Bedeutung.

Bloss keine Fehler machen

Olaf Scholz war im Grunde in der bequemsten Position. Die SPD führt in einigen Umfragen völlig überraschend. Seine persönlichen Beliebtheitswerte liegen zudem weit vor denen der Konkurrenz.

Scholz musste also bloss keinen Fehler machen. Das gelang ihm auch, und dennoch war das ein Fehler. Er blieb seinem Renommee als «Scholzomat» treu und rasselte ungerührt wie ein Automat Positionen und Zahlen herunter. Er war wie immer, aber die anderen waren eben anders. Und deswegen fiel Scholz ab.  

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Am grossen Bild ändert das alles jedoch wenig, und dieses Bild ist paradox. Die SPD liegt nämlich in den Umfragen in Führung, obwohl es keinen sachlichen Grund für ihren überraschenden Aufschwung gibt.

Allerdings war es bislang ein Erfahrungswert, dass sich das Bild wenige Wochen vor der Wahl eintrübt und die Parteien in Umfragen näher aneinanderrücken. Diese Phase ist in der Regel der entscheidende Moment der Meinungsbildung. Die Wählerinnen und Wähler testen Meinungen und verwerfen diese wieder. Oft wurden dann aber am Wahltag die alten Relationen und Abstände bestätigt.

Wenn das auch 2021 noch gilt, wäre die SPD im Moment zu hoch bewertet. Ob dieser Erfahrungswert aus früheren Wahlen noch gilt, ist jedoch nicht sicher. Auch in Deutschland neigt sich die Ära der Volksparteien dem Ende zu. Wie in vielen westeuropäischen Ländern weist der Trend hier ebenfalls in die Richtung von Mehrparteienkoalitionen mehrerer ungefähr gleich starker Parteien.

Peter Voegeli

Peter Voegeli

Deutschland-Korrespondent, SRF

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Peter Voegeli ist seit Sommer 2015 SRF-Korrespondent in Deutschland. Er arbeitet seit 2005 für Radio SRF, zunächst als USA-Korrespondent, danach als Moderator beim «Echo der Zeit».

SRF 1, Tagesschau Spätausgabe, 29.08.2021; 22:25 Uhr

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95 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Schneider  (Alex Schneider)
    Deutscher Wahlkampf: Die AfD wird zulegen.

    Niemand unterstützt Parteien, von denen er sich sozial im Stich gelassen und kulturell verachtet fühlt. Deshalb hat die linksliberale Linke ihren Rückhalt und ihre Wählerinnen und Wähler in den nicht-akademischen Schichten weitgehend verloren. Viele Geringverdienende haben sich aus Enttäuschung ganz von der Politik abgewandt, andere wählen aus Wut und mangels Alternative heute rechts.
  • Kommentar von Janus Patrick  (Hello_world)
    Die Grünen... Habeck "tritt ab" da die Grünen die Frauenrechte in ihrem Programm haben. Dies obwohl seine Umfragewerte besser waren (eben auch besser für die Partei). Die Grüne Baerbock hat den Lebenslauf geschönt und Plagiate genutzt, etwas wofür die Grünen zu Guttenberg "gesteinigt" haben. Das zeigt die Partei sehr gut, nur ein "Fähnlein im Winde. In der TV Debatte alle 5 Minuten verweise auf die Fehler der Regierung, die die Grünen nie machten, weil nicht fähig dazu?! Grüne wären unwählbar
    1. Antwort von Christoph Heierli  (help)
      Die Grünen konnten diese Fehler gar nicht machen, weil Schwarz und Rot regieren. Es tönt so schön das Wort "geschönt", vor allem kann man dem vermeintlichen Gegner wieder eins auswischen. Haben Sie Herr Janus noch nie etwas geschönt, wenn Sie etwas wollten? Macht doch nicht immer Elefanten aus Mücken.
  • Kommentar von Peter Mueller  (Elbrus)
    Die Kandidatin der Grünen hat mit Ihren CV Fehlern sich komplett disqualifiziert. Sie hat von ein paar wenigen Jahren Journalismus nie etwas organisiert. Führung von Personal - es gibt da Ministerien mit mehreren 10000 Mitarbeitern. Wie wird so jemand Kandidat in einer der Top 5 Nationen. Man kann über Scholz lästern. Nur hat der einen Track Rekord da sind die andern B-liga. Rechtsanwalt abgeschlossen. Eigene Anwaltskanzlei. Retter der SP Hamburg etc. Finanzminister, seit 1998 im Bundestag
    1. Antwort von Christoph Heierli  (help)
      Wie wird so einer Kandidat? Trump wurde sogar Präsident.