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Der Wirtschaft hat der schwedische Weg weniger geschadet
Aus Rendez-vous vom 30.07.2020.
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Kein Lockdown wegen Corona Schwedens Weg scheint der Wirtschaft weniger zu schaden

In der Coronakrise wählte das nordische Land einen Mittelweg zwischen Lockdown und Nichtstun. Das begünstigt die Wirtschaft, sagen britische Ökonomen.

Die schwedische Hauptstadt Stockholm ist diesen Sommer kaum wiederzuerkennen. Von den Millionen Touristinnen und Touristen, die in den vergangenen Jahren jeweils das «Venedig des Nordens» besuchten, sind nur ganz wenige zu sehen. Keines der ursprünglich geplanten über 300 Kreuzfahrtschiffe wird in diesem Jahr anlegen.

Nur wenige Touristen

Trotz dieses Einbruches bei den Besucherzahlen und allen anderen schwerwiegenden Konsequenzen der Pandemie ist die gegenwärtige Stimmungslage überraschend zuversichtlich. Dazu tragen die Berichte der Gesundheitsbehörden bei.

Praktisch menschenleerer Platz in Stockholm, zwei Personen machen ein Selfie.
Legende: Leeres Stockholm in der Sommerferienzeit: Touristen aus dem Ausland bleiben fast vollständig aus. Reuters

Es gebe nur noch ganz wenige neue ernsthafte Krankheitsfälle, kann Anders Tegnell, der oberste Pandemiebekämpfer des Landes, vermelden. Hinzu kommen die jüngsten Quartalsberichte der grossen schwedischen Unternehmen wie Ericsson, Volvo und der Grossbanken: Sie alle ziehen nach dem Einbruch im Frühjahr eine bessere Bilanz als erwartet.

Tegnell steht an einem Mikrofon.
Legende: Anders Tegnell, der «Daniel Koch Schwedens», kann Fortschritte vermelden: Es gibt nur noch wenige schwere Corona-Fälle im Land. Reuters

Das spiegelt sich in der starken Wertsteigerung der Landeswährung wider: Die schwedische Krone hat seit Mitte März gegenüber dem US-Dollar um 16 Prozent zugelegt, gegenüber dem Euro beträgt die Wertsteigerung acht Prozent.

Unternehmen sehen Silberstreifen

Und auch bei den kleineren und mittleren Unternehmen zeichnet sich laut dem Verband der schwedischen KMU nach einem ersten Schock im Frühjahr eine Erholung ab. Sie konnten sich den auf eine längere Zeit ausgelegten Corona-Massnahmen der Behörden offensichtlich anpassen.

Was steckt hinter dieser schnellen Erholung der Wirtschaftszahlen? Laut einer Umfrage des schwedischen Konjunkturinstitutes bei Unternehmerinnen und Unternehmern werden nun die Vorteile des lange vor allem international sehr umstrittenen schwedischen Corona-Kurses deutlich.

Touristen und zwei Ritter auf Pferden zwischen den historsichen Riegelhäusern in Visby/Gotland.
Legende: Die Schweden nehmen's locker: Auf Gotland patrouillieren zwei Ritter auf Pferden, um die Touristen auf die Abstands- und Händewaschregeln aufmerksam zu machen. Reuters

In erster Linie habe das Offenhalten der Kindergärten und Schulen durch die ganze Krise hindurch eine positive psychologische Wirkung erzeugt, heisst es in dem Bericht. Dank dieser und anderer im Vergleich zum Ausland weniger radikaler Massnahmen habe sich die Wirtschaft nicht so stark verlangsamt wie befürchtet. Das zeigt sich auch an den überraschend guten Autoverkäufen oder im Anstieg der Häuserpreise.

Nur kleiner BIP-Rückgang erwartet

Laut einer Prognose des Londoner Analyse-Instituts «Capital Economics» muss Schweden in diesem Jahr mit einem Rückgang des Volkseinkommens von 1.5 Prozent rechnen, während für die nordischen Nachbarländer Norwegen und Dänemark – die beide einen Lockdown hatten – gut drei Prozent vorausgesagt werden.

Dabei ist es für eine Schlussbilanz der Folgen der Coronakrise natürlich noch viel zu früh. Die Pandemie hält weltweit in unverminderter Stärke an. Das bekommt Schweden als stark exportorientierte Wirtschaft zu spüren.

Trotzdem: Arbeitslosigkeit könnte steigen

Vor allem Arbeitsplätze in der Maschinen- und Rohstoffbranche sind akut gefährdet. Es wird damit gerechnet, dass bis zu zehn Prozent der Schwedinnen und Schweden Ende des Jahres ohne Job sein könnten – eine Verdoppelung gegenüber Anfang Jahr.

Von einer wirklich positiven Entwicklung ist deshalb auch Schweden noch weit entfernt. Vielleicht trifft das Urteil der «Capital Economics»-Prognostiker den Nagel am treffendsten auf den Kopf: Schweden sei «der Beste unter den Schlechten in Europa», heisst es in ihrem Bericht.

SRF 4 News, Rendez-vous vom 30.7.2020, 12.30 Uhr

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108 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Meier  (h.m.)
    Auch wenn die schwedische Wirtschaft wie alle anderen Ländern ebenfalls stark am Export leiden werden, können die schwedischen Unternehmen wenigstens langsam wieder den inländischen Markt kalkulieren, was bei uns noch lange nicht der Fall sein wird.
    Lieber einen berechenbaren inländischen Markt als gar keinen berechenbaren Markt mehr.
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  • Kommentar von Lieb René  (René Lieb)
    Der Vergleich mit Schweden ist untauglich, weil die Bevölkerungsdichte sehr unterschiedlich ist. Schweiz: 207 Menschen pro km2 - in Schweden 23.
    Schweden hat aber 4x mehr Tote auf 100'000 Einwohner als die Schweiz.
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    1. Antwort von Richard Limahcer  (Limi)
      In städtischen Regionen, da wo die Mehrheit wohnt, ist die Bevölkerungsdichte beider Länder vergleichbar.
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    2. Antwort von Dietrich Michael Weidmann  (Dietrich Michael Weidmann)
      Lieber René, Schweden lässt sich sehr gut mit der Schweiz vergleichen. 80% des schwedischen Staatsgebiet liegen im arktischen Norden, dieses Gebiet kann man praktisch vernachlässigen. In den Ballungsgebieten, wo über 80% der Bevölkerung leben, ist die Einwohnerdichte Schwedens ziemlich genau gleich wie in der Schweiz. Die Länder sind sich sehr ähnlich (und müssten eigentlich auch enger zusammenarbeiten)! Fakt ist: Schweden hat einen hohen Preis bezahlt, steht jetzt aber besser da!
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  • Kommentar von Eva Werle  (Wishbone Ash)
    Übrigens: Tegnell mit Daniel Koch zu vergleichen ist eine Beleidigung für Tegnell.
    Koch ist m.E. wie ein Arzt der "alten Schule" aufgetretenen, der glaubt seine "Patienten" seien unaufgeklärt und man könne sie daher uninformiert lassen und ihnen selbstherrlich die eigenen Entscheidungen in patriarchaler Grossmut vorschreiben, selbst wenn sie falsch sind. Die Konzepte sind in der Schweiz und in Schweden nicht so unterschiedlich, aber die Kommunikation ist hier verheerend bis nicht vorhanden.
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    1. Antwort von Pascal Weissmann  (Pascal Weismann)
      D. Koch hatte immerhin eine gewisse «gewinnende Gelassenheit» bei dem ganzen. Nicht dieser pseudo-Aktivismus von jetzt. Ausserdem brachte er etwas wahnsinnig seltenes ins Spiel bei dieser Pandemie: Humor!
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    2. Antwort von Georg Fischer  (SGF)
      @Werle:Tegnell hat eine Menge Tote zu verantworten,D.Koch nicht.Wenn alles falsch gewesen wäre was D.Koch bzw. der BR entschieden hat hätten wir ganz andere, allerdings sehr negative Zahlen erlebt.Zu Zeiten von Koch gab es 2-3 Point de Presse pro Woche,live am TV,plus BR Presse Konferenzen ebenfalls live am TV etc.Also keine Spur von verheerend bis nicht vorhanden.Hätte Tegnell besser kommuniziert hätte SW weniger Tote in Altersheimen etc.zu beklagen gehabt.Die hat er schlicht vergessen.
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    3. Antwort von Eva Werle  (Wishbone Ash)
      Herr Fischer, da haben Sie vollkommen Recht.
      Aber dass unser Krisenmanagement seine Glaubwürdigkeit verloren hat und ein grosser Teil der Bevölkerung sich nicht an die Schutzmassnahmen hält, das haben wird den widersprüchlichen und falschen Behauptungen von Herr Koch zu verdanken. Ob die Toten in Schweden auf Tegnells Kommunikation zurückzuführen sind oder wohl doch auf die Unvorsichtigkeit der Bevölkerung, kann ich nicht beurteilen. Ich kritisiere nicht unseren Weg, aber die Kommunikation,
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    4. Antwort von Marc Schlatter  (Marc Rafael)
      @Fischer, es ist sehr ungerecht, in dieser Krise irgendjemandem anzulasten, er habe Tote zu verantworten. Oder würden Sie auf diese Weise den italienischen oder chinesischen Behörden anlasten, ihre Spitäler zu Beginn in Ansteckungsherde verwandelt zu haben? Und weshalb bei Corona, bei der Influenza nicht? Die kann immerhin auch in einer Saison 650'000 Leben fordern. Auch wenn der Vergleich hinkt, ist doch mit diesem absoluten Sonderstatus niemandem geholfen!
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    5. Antwort von Georg Fischer  (SGF)
      @Schlatter:Frau Wehrle hat von verheerender bis nicht vorhandener Kommunikation gesprochen.Koch hat,und damit auch der BR,auf einer Eindämmungsstrategie gesetzt,entsprechend Empfehlungen/Massnahmen,auch für Altersheime etc. ausgesprochen und darüber regelmässig berichtet.Resultat:Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen.T.hat bei seinen Empfehlungen an die Regierung die Altersheime komplet vergessen oder stark unterschätzt.Resultat ist bekannt.Also trägt die Reg.die Verantwortung.
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    6. Antwort von Georg Fischer  (SGF)
      @Wehrle:Was für wiedersprüchliche und falsche Aussagen lasten Sie den Koch und/oder dem BR an?Der einzige Streitpunkt unter Kochs Leitung ist die Maskengeschichte und zwar a)wegen zuwenig vorhandenen Masken und b)wegen der bei den Maskengegner umstrittenen Wirksamkeit.Alle anderen Massnahmen,von der besonderen bis zur ausserordentliche Lage,haben sich als richtig erwiesen denn sonst hätten wir ganz andere,negative Auswirkungen erlebt.Und das wurde auch immer kommuniziert,öffentlich etc.
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