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Leere Strassen in Moskau – Hilfe für die KMU bleibt aus
Aus HeuteMorgen vom 06.04.2020.
abspielen. Laufzeit 03:00 Minuten.
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Keine Hilfe in Russland Kleine Unternehmen gehen leer aus

Bars, Restaurants und kleine Läden erhalten kaum Hilfe vom Kreml. Dieser scheint nur an den grossen Staatsunternehmen interessiert zu sein.

An der Moskauer Ausgehmeile, der Pokrovkastrasse im Herzen der Stadt, war schon in den Tagen vor der Verhängung der Quarantäne durch die Regierung wenig los: In den Boutiquen stehen gelangweilte Verkäuferinnen herum, viele Restaurants sind geschlossen oder halbleer.

In seiner leeren Kellerbar sitzt Aleksej Klejmenow. Er habe noch bis Mitternacht geöffnet, sagt er. «Dann schicken wir die Mitarbeiter nach Hause und versiegeln die Bar.»

Niemand bringt Geld zur Bank

Klejmenows Bierlokal «Kwak» ist eine feste Grösse im Moskauer Nachtleben. Die Aussichten seien allerdings nicht erfreulich, sagt er. «Wir haben nur ein kleines finanzielles Polster.» Vielleicht könne man sich betreffend der Löhne mit dem Personal einigen. «Aber selbst dann halten wir bloss einen oder eineinhalb Monate durch.»

Der Barchef bringt ein Problem vieler russischer kleiner und mittelgrosser Geschäfte auf den Punkt: Sie haben kaum Reserven. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer investieren ihren Gewinn sofort wieder. Geld auf die Bank zu bringen gilt als zu unsicher. Es gab zu viele Währungs- und sonstige Krisen in den vergangenen Jahrzehnten.

Nur sehr bescheidene Massnahmen

Wo bleibt der Staat, der anderswo – wie in der Schweiz – den KMU unter die Arme greift? Klejmenow winkt ab. «Was der Staat bisher beschlossen hat, um die Wirtschaft zu stützen, nützt uns nichts.» Tatsächlich sind die Massnahmen für KMU im weltweiten Vergleich bisher bescheiden.

Das Thema kam auch bei einem Treffen von Präsident Wladimir Putin mit Geschäftsleuten zur Sprache. «Ich versuche jetzt, Sie ohne Tränen um Hilfe zu bitten», sagte dabei Anastasia Tatulowa, Besitzerin einer Restaurantkette, zu Putin. Die Gastronomie sowie die Vergnügungsbranche stehe vor einer Tragödie. «Ich verstehe das», antwortete Putin. Deswegen treffe man sich ja. Doch neue, handfeste Massnahmen stellte er nicht in Aussicht.

Kein Interesse beim Kreml

Das Problem: Gesamtwirtschaftlich sind KMU für den Kreml nicht so wichtig. Die russische Wirtschaft wird von grossen Staatskonzernen dominiert. Doch immerhin haben Restaurants und kleine Boutiquen Moskau und andere grosse russische Städte in den letzten Jahren zu lebenswerten, ja lebensfrohen Orten gemacht. Doch viele dieser Geschäfte drohen jetzt zu verschwinden.

SRF 4 News aktuell, 10.26 Uhr

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29 Kommentare

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  • Kommentar von Jean-Claude Weber  (WeberJC)
    Die in von der Reg. in Aussicht gestellten Betr reichen bei langem nicht.
    Dazu muss man noch bedenken, dass die Korr. das meiste Geld verschlingen wird sofern überhaupt Gelder gesprochen werden.
    Wenn was für die KMU rausschauen wird, dann werden das nur ein paar kümmerliche Tropfen sein.
    Ich vergleiche die RF mit den Anf. der Industrialisierung in WEuro Anfangs des 20 JH.
    Die RF ist erst seit kurzem eine Pseudo-Marktwirtsch. des 21. JH.
    Da kann man leider nicht mit westl. Massst. rechnen.
  • Kommentar von Reto Blatter  (against mainstream)
    Die selben Menschen welche die USA bei jeder Gelegenheit kritisieren und schlecht machen, verteidigen und loben Russland oder China genauso eifrig bei jeder sich bietender Möglichkeit. Wer oder was dahinter steckt kann sich jeder Leser selber überlegen.
  • Kommentar von Sebastian Demlgruber  (SeDem)
    Dass Putin und seine Höflinge wirtschaftspolitisch eine Gurkentruppe sind, ist schon lange klar. Ausser Erdölproduktion und Waffenherstellung funktioniert in Russland unter Putins Herrschaft nur ausnahmsweise mal was - und die Zeit für diese kleinen, bunten Mauerblümchen ist jetzt sehr schlecht. Doch ein Sektor läuft gerade zur Hochform auf: Putins Propaganda, die das Versagen ihres Chefs in Wirtschaft und Pandemiebekömpfung mit falschem Jubel maskieren sollen.