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Kommunalwahlen in Frankreich Das verraten die Lokalwahlen über die Präsidentschaftswahl 2027

Die Lokalwahlen in Frankreich gelten als Stimmungstest für die kommende Präsidentschaftswahl. Nach der zweiten Runde am Sonntag steht fest: Die grossen Verschiebungen bleiben aus. Jedoch können die Polparteien zulegen, auch wenn sie in den Grossstädten scheitern. SRF-Frankreich-Korrespondentin Zoe Geissler ordnet die Wahlresultate ein.

Zoe Geissler

SRF-Frankreich-Korrespondentin

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Zoe Geissler berichtet für Radio SRF aus Paris über das Geschehen in Frankreich. Zuvor war sie Auslandredaktorin und Produzentin bei Radio SRF 4 News. Zoe Geissler hat Internationale Beziehungen, Politikwissenschaften und Gender Studies an den Universitäten Zürich und St. Gallen (HSG) studiert.

Wie hat Paris auf den Wahlausgang reagiert?

Der Sozialist Emmanuel Grégoire hat sich gegen die rechtsbürgerliche Rachida Dati durchgesetzt. Mit einem so klaren Sieg hat man in Paris nicht gerechnet. Die Ausgangslage deutete auf ein knappes Rennen hin. Grégoire erreichte rund 51 Prozent und lag damit fast zehn Prozentpunkte vor Dati.

Wie war die Ausgangslage vor der Wahl?

Rechnerisch lag Dati im Vorteil. Sie konnte eine Listenverbindung mit dem zentristischen Lager eingehen. Zudem zog sich die rechtsradikale Kandidatin zurück. Gleichzeitig blieb die Linksaussen-Partei La France Insoumise (LFI) im Rennen. Grégoire trat für ein linkes Bündnis aus Sozialisten, Grünen und Kommunisten an. Die Pariserinnen und Pariser hatten also die Wahl zwischen zwei linken und einer rechten Liste.

Redner hebt Hände, jubelnde Menge im Hintergrund.
Legende: Emmanuel Grégoire wird Bürgermeister von Paris. Rein rechnerisch war Grégoires Gegnerin Rashida Dati im Vorteil. Dennoch hat es dem Sozialisten zum Sieg gereicht. (22.3.2026) imago images/Raphael Lafargue/ABACAPRESS.COM

Warum hat sich Grégoire durchgesetzt?

Mehrere Faktoren spielten eine Rolle. Einige Wählende von LFI dürften taktisch für Grégoire gestimmt haben, damit Paris in linker Hand bleibt. Gleichzeitig dürften sich Teile der zentristischen Wählerschaft von Dati abgewendet haben, weil sie sich nicht mit ihr identifizieren konnten. Einigen war etwa ihr Kommunikationsstil zu polemisch. Dazu könnten Vorbehalte wegen Korruptionsvorwürfen gegen sie eine Rolle gespielt haben; sie muss sich dafür im September vor Gericht verantworten. Für Dati ist das Resultat eine deutliche Niederlage. Die ehemalige Kulturministerin hatte über Jahre auf dieses Amt hingearbeitet.

Person am Rednerpult mit Plakat von Paris 2026.
Legende: Rachida Dati hat seit Jahren darauf hingearbeitet, Paris zu regieren, und war als ehemalige Kulturministerin auch die bekanntere Kandidatin im Rennen. (22.3.2026) EPA/MOHAMMED BADRA

Wie sieht das Gesamtbild in Frankreich aus?

Auch die zweit- und die drittgrösste Stadt – Marseille und Lyon – bleiben links regiert. Nach den Kommunalwahlen kann man nicht von historischen Verschiebungen sprechen. Traditionell bleiben die Kandidaten und Kandidatinnen von «Divers gauche» und «Divers droite» – linke und rechte Kandidaten ohne spezifische Parteizugehörigkeit – lokal stark verankert.

Wie haben die Parteien abgeschnitten?

Die Rechtsaussenpartei Rassemblement National (RN) konnte vor allem in kleineren und mittleren Gemeinden im Norden und im Süden des Landes Erfolge verbuchen. Sie scheiterte aber vor den Toren von Grossstädten wie Toulon oder Marseille. Trotz Zugewinnen stösst RN also in Grossstädten weiterhin an eine gläserne Decke. Auf der linken Seite konnte La France Insoumise – lokal schwach verankert – einige Gewinne verbuchen, etwa in Saint-Denis oder in Roubaix. Ansonsten war der Abend für die Partei eher durchwachsen. Die Grünen hingegen verlieren mehrere Städte, die sie vor sechs Jahren gewonnen hatten, etwa Bordeaux oder Besançon.

Personen bei einem Tisch während einer Wahlsituation.
Legende: Das Rassemblement National ist national stark, bisher aber lokal sehr schwach verankert. Die Partei konnte nur in einigen kleineren und mittleren Gemeinden Erfolge verbuchen. Im Bild gibt Parteipräsident Jordan Bardella seine Stimme ab. (22.3.2026) imago images/Christian Liewig/Bestimage

Was lässt sich für die Präsidentschaftswahl 2027 ableiten?

Die Kommunalwahlen können erste Anhaltspunkte für Allianzen zwischen den Parteien liefern. Die Wahlen zeigen, dass die Sozialisten auch ohne Bündnis mit La France Insoumise gewinnen können, etwa in Paris. Eine Zusammenarbeit zwischen den beiden scheint derzeit wegen grosser Differenzen eher unwahrscheinlich. Auf der rechten Seite muss sich nun zeigen, welche Parteien künftig zusammenarbeiten wollen. Der Wahlkampf für die Präsidentschaftswahl hat begonnen – und zwar damit, dass sich jedes politische Lager am Sonntag als erfolgreich dargestellt hat.

Person wählt in einem Wahllokal in Marseille.
Legende: Die Kommunalwahlen markieren den inoffiziellen Auftakt des Präsidentschaftswahlkampfs und liefern erste Anhaltspunkte für Allianzen auf nationaler Ebene. (22.3.2026) imago images/William Cannarella

HeuteMorgen, 23.3.2026, 6 Uhr ; 

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