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«Die Wut der Bevölkerung ist in Gesprächen gut spürbar»
Aus SRF 4 News aktuell vom 03.07.2019.
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Konflikt USA-Iran «Der Iran wird finanziell ausgeblutet»

Iran hat angekündigt, sich nicht mehr an das Atomabkommen halten zu wollen. Die Bevölkerung leidet im Konflikt enorm.

Das Säbelrasseln zwischen den USA und Iran ist unüberhörbar. Das Atomabkommen scheint endgültig am Ende, denn auch Iran hat angekündigt, sich nicht mehr an das Abkommen halten zu wollen. Die Situation droht zu eskalieren und die Leidtragenden sind die Menschen vor Ort, so Iran-Expertin Natalie Amiri.

Natalie Amiri

Natalie Amiri

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Die deutsch-iranische Journalistin Natalie Amiri ist für die ARD im Nahen Osten tätig.

SRF News: Wie geht es den Iranerinnen und Iranern im Alltag?

Natalie Amiri: Bei dem ganzen Säbelrasseln vergisst man die täglichen Ängste und Sorgen sehr oft. Die Sanktionen der Amerikaner gegen den Iran treffen hauptsächlich die Bevölkerung. Die wirtschaftlich desolate Lage stellt einen gravierenden Einschnitte in ihr alltägliches Leben dar. Der Währungszerfall von 70 Prozent hat ihre Guthaben aufgefressen. Sie haben eine Inflation von 35 Prozent, mit der sie kämpfen müssen, die Preise im Iran haben sich verdoppelt bis verdreifacht.

Markt im iran.
Legende: Irans Bevölkerung leidet enorm unter den US-Sanktionen. Keystone

Es ist unglaublich schwer für die Menschen, das alltägliche Leben überhaupt noch meistern zu können. Zusätzlich kommt der Druck der iranischen Hardliner. Seit US-Präsident Trump an der Macht ist, haben diese im Iran mehr und mehr das Sagen übernommen. Man hätte den Amerikanern niemals trauen dürfen, heisst es bei ihnen. Reformen sind sowieso ad acta gelegt und Freiheiten für die Menschen gibt es auch nicht mehr. Durch den aussenpolitischen Druck wird auch der Druck auf die Bevölkerung erhöht.

Kommen die USA ihrem Ziel näher, die iranische Wirtschaft zu schwächen?

Ja, enorm. Da hat Trump einen, wie immer man das definieren mag, Erfolg verbucht. Die Politik des maximalen Drucks hat gewirkt und die Sanktionen haben gegriffen. Die iranische Wirtschaft hat enorme Verluste hinnehmen müssen und ist in einem desolaten Zustand. Im Grunde genommen hat der Iran in dieser Verfassung nichts mehr zu verlieren. Die Ölexporte, die vor den Sanktionen bei 2–3 Millionen Barrel pro Tag lagen, sind gemäss inoffiziellen Zahlen bei 300’000 angekommen. Der Iran wird finanziell ausgeblutet.

Nahaufnahme Mann.
Legende: US-Präsident Donald Trump hofft, durch die Sanktionen einen Regimewechsel im Iran erreichen zu können. Keystone

Aus US-amerikanischer Sicht hofft man, dass es durch die Sanktionen zu einem Aufstand gegen das Regime kommen wird. Gibt es Anzeichen von aktuellen Protesten?

Nein. Während es vor ein paar Monaten immer wieder kleinere Proteste gegeben hatte, haben nun die Hardliner auch auf der Strasse das Sagen und jeglicher Protest wird im Keim erstickt.

Es wird sich zeigen, was die Bevölkerung für diese möglichen neuen Proteste in Kauf nehmen wird.

Die Menschen sind sowohl von ihrer Regierung als auch vom System enttäuscht. Sie appellieren an die Regierung, eine Lösung zu finden und mit den Leuten zu sprechen. Gleichzeitig aber wird ihnen die Luft zum Leben genommen.

Glauben Sie, dass sich die Bevölkerung noch auf die Strasse wagen wird oder hat man insgeheim schon resigniert?

Es kann sein, dass es den Menschen ab einem bestimmten Grad egal ist, ob sie auf der Strasse niedergeknüppelt werden. Diese Wut ist in Gespräche gut spürbar, in jedem Taxi in Teheran bekomme ich das zu spüren. Bis jetzt aber haben sich die Menschen noch nicht getraut, in grossen Mengen auf die Strasse zu gehen. Der Geheimdienst steht auf der Strasse und unterbindet jegliche kleinste Versammlungen.

Menschen in Markt.
Legende: Es wird sich zeigen, was die Bevölkerung für mögliche neue Proteste in Kauf nehmen wird, so Iran-Kennerin Amiri. Keystone

Ein Taxifahrer sagte mir, dass man bei den Grünen Protesten 2009 für mehr Freiheit demonstriert habe. Beim nächsten Mal werde man aufgrund von Hunger auf die Strasse gehen müssen und da werde man sich nichts mehr sagen lassen. Schliesslich gehe es ab diesem Zeitpunkt um das Essen für die Kinder. Es wird sich zeigen, was die Bevölkerung für diese möglichen neuen Proteste in Kauf nehmen wird.

Das Gespräch führte Roger Aebli.

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61 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Haller  (panasawan)
    Wohin wollen den die Iraner ausreisen, so selbige ausreisen könnten und dürften? Ich gehe mal davon aus, dass Nordkorea sicherlich keine Wunschdestination ist. Ich glaube auch, dass da alle "Fürsprecher" des iranischen Regimes sicherlich nicht in den Iran ziehen möchten, selbst wenn sie müssten. Es ist schon peinlich, wie sich einzelne hier für dieses Regime da im Iran einsetzen. Noch peinlicher ist, die merken es nicht mal.
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    1. Antwort von Konrad Schläpfer  (Koni)
      Ich setze mich nicht für das Regime in Teheran ein, sondern für das iranische Volk dessen Sache es ist etwas zu ändern, und nicht die der Kriegsgurgeln aus den USA.
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    2. Antwort von Florian Kleffel  (Hell Flodo)
      Niemand hat dieses iranische Regime gelobt. Fakt ist, dass es durch Trumps Politik noch gestärkt wird. Genau wie alle vernünftigen Stimmen schon von Anfang an gewarnt hatten.
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  • Kommentar von Paul Soltermann  (ps)
    Ein kurzer Seitenblick auf Libyen laesst auch die Zukunft des Iran erkennen:
    Ein Chaos in einem einst bluehenden Land
    Das Erdoel wird wieder in $ abgerechnet
    Die Fluechtlinge sind elendiglich ueber Europa verteilt
    Ist man mit dem Ergebnis zufrieden, ich meine auch Alle ausser USA und Israel? Oder war dieses Ergebnis sogar das heimliche Ziel des ganzen Treibens?
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  • Kommentar von Cyrill Pürro  (Cyrill.P.Kerry)
    @Konrad Schläpfer: Der Iran unterstützt die Hizbullah im Libanon und gleichzeitig in Syrien. Zudem untersützt die Regierung den syrischen Dikatior Baschal al Assad. Der Iran ist also (noch) nicht mit einem anderen Staat im Kriegszustand, dennoch erhöhen sich aber die Waffenexporte in die umliegenden Gebiete.
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