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Legende: Audio Afghanistan - viele zivile Kriegsopfer abspielen. Laufzeit 02:26 Minuten.
Aus Rendez-vous vom 30.07.2019.
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Krieg in Afghanistan Washington will ein Abkommen um jeden Preis

In Afghanistan wird vom baldigen Frieden gesprochen, doch die Taten sehen anders aus: Knapp 4000 Zivilisten wurden in Afghanistan im letzten halben Jahr durch Kampfhandlungen entweder verletzt oder getötet.

Die Zahl der Opfer durch Einsätze regierungsfreundlicher Truppen stieg im Vergleich zu 2018 um etwa einen Drittel. Vor allem Luftangriffe, die seit einem Jahr stark zugenommen haben, verursachten viele zivile Opfer. Zählt man nur die getöteten Zivilisten, sind die Regierungstruppen sogar für mehr Opfer verantwortlich als die Taliban.

Trump will rasches Verhandlungsergebnis

Das zeigt vor allem eines: Die grosse Nervosität aufseiten der afghanischen Regierung und der Amerikaner. Denn die Regierung von US-Präsident Donald Trump hat auf die US-Wahlen hin einen baldigen Friedensplan versprochen. Vielleicht schon auf Anfang September.

Doch Zeitdruck ist eine schwierige Ausgangslage für die Gespräche zwischen den USA und den Taliban. Bereits siebenmal haben sich die Vertreter beider Seiten in Doha getroffen.

Dabei wird nicht unbedingt über Frieden geredet, sondern über Konditionen für einen Abzug der internationalen Truppen. Dafür wollen die Amerikaner den Taliban das Versprechen abringen, dass Afghanistan nicht wieder zu einem Hort des internationalen Terrorismus wird.

Taliban auf dem Vormarsch

Dass die USA überhaupt mit den Taliban reden und sich womöglich auf einen so schwachen Deal einlassen, ist Ausdruck der schlechten Verhandlungsposition der USA. Und diese wird auf dem Feld definiert. Wer mehr Gebiete kontrolliert, kann in den Gesprächen mehr Druck aufsetzen.

Zurzeit sind es die Taliban, die den Ton angeben. Denn sie kontrollieren oder haben zumindest eine Präsenz in etwa der Hälfte des Landes, mehr als je zuvor seit Beginn der Intervention der internationalen Truppen Ende 2001.

Mehr Luftangriffe auf Druck der Amerikaner

Um bei den Gesprächen in Doha mehr Verhandlungsmasse zu haben, sind die Amerikaner darauf angewiesen, dass die afghanischen Truppen mit amerikanischer Unterstützung mehr Gebiete von den Taliban zurückerobern können.

Deswegen kommt es vermehrt zu Luftangriffen und damit zu einer grösseren Zahl an zivilen Todesopfern, die auf das Konto der Regierungstruppen gehen. Es scheint, als würden die Amerikaner die Opfer in Kauf nehmen für die sogenannten Friedensgespräche.

Thomas Gutersohn

Thomas Gutersohn

Indien- und Südasien-Korrespondent, SRF

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Thomas Gutersohn lebt seit 2016 im indischen Mumbai und berichtet für SRF aus Indien und Südasien. Gutersohn hat in Genf Internationale Beziehungen studiert.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Wieser  (Walt)
    Ein weiterer Verbleib der US Truppen in Afghanistan ist voellig sinnlos. Die Taliban sind nicht wirklich Feinde der USA, aber ein Problem fuer Afghanistan selbst. Die Afghanen muessen dieses Problem selbst loesen. Entweder politisch oder militaerisch. In diesem Sinne hat Trump recht das er aus Afghanistan raus will. Ein Feind zu bekaempfen der gar nicht unser Feind ist ist wohl ziemlich sinnlos. Die USA haetten schon nach der fast vollstaendigen Zerschlagung der Al Kaida abziehen sollen.
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  • Kommentar von Sebastian Mallmann  (mallmann)
    Ich wär ja mal für einen kritischen und gut recherchierten Bericht darüber, was die USA abgesehen von der Friedenssicherung sonst noch so für Absichten in Afghanistan haben könnten. Den Friedensbringer nehm ich einem Land, das so durchmilitarisiert ist, hunderte Militärbasen über die ganze Welt errichtet hat und einen Militär- und Geheimdienstetat von rund einer Billion $ / Jahr aufweist, einfach nicht so recht ab.
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    1. Antwort von Alex Kramer  (Kaspar)
      Dafür wäre ich auch. Am Besten als Mehrteilige Serie, welche genügend in die Tiefe geht, um mit dem Material Anklage erheben zu können.
      Ich bezweifle jedoch, dass das System gegen sich selber vorgehen wird.
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  • Kommentar von Alex Kramer  (Kaspar)
    "Dafür wollen die Amerikaner den Taliban das Versprechen abringen, dass Afghanistan nicht wieder zu einem Hort des internationalen Terrorismus wird."
    Ein GEO-Bericht aus den 80ern, nach dem Abzug der Sowjets, erklärte die Sachlage mit der Gründung und Förderung der Taliban (Koranschüler) durch die USA / CIA und den damaligen Präsidentenberater Zbigniew Brzezinski ("let them have their Vietnam").
    Nach 40 Jahren Terror "bittet" man nun die selbst erzogenen Terroristen, anständige Jungs zu sein?
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