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Legende: Video Die Zeichen stehen auf Eskalation abspielen. Laufzeit 00:54 Minuten.
Aus Tagesschau vom 23.02.2019.
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Machtkampf in Caracas Showdown an Venezuelas Grenze

  • Zehntausende feiern beim Benefizkonzert «Venezuela Aid Live» den jungen Oppositionsführer Juan Guaidó.
  • Beobachter schliessen nicht mehr aus, dass der Machtkampf in Caracas mit der Frage um die Hilfslieferungen aus dem Ausland entschieden wird.
  • Sowohl die UNO als auch die USA warnen vor einer weiteren Eskalation der Lage.

An diesem Wochenende droht an Venezuelas Grenze der Showdown im Machtkampf von Caracas.

Der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó will die humanitäre Hilfe persönlich abholen: Überraschend hat sich der junge Oppositionsführer denn auch beim Benefizkonzert «Venezuela Aid Live» in der kolumbianischen Grenzstadt Cúcuta gezeigt.

Auf Messers Schneide

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  • An den Hilfslieferungen könnte sich der seit Wochen tobende Machtkampf zwischen Maduro und seinem Gegenspieler Guaidó entscheiden, glauben Beobachter.
  • Gelingt es dem selbst ernannten Interimspräsident tatsächlich, Lebensmittel, Medikamente und Hygieneartikel nach Venezuela zu schaffen und an die notleidende Bevölkerung zu verteilen, wäre das ein Coup.
  • Gehen die Soldaten allerdings mit Gewalt gegen die Freiwilligen vor, könnte es Blutvergiessen geben.

Offene Provokation

Guaidós Besuch im Nachbarland war eine offene Provokation gegen seinen Kontrahenten, Staatschef Nicolás Maduro: Denn wegen eines laufenden Ermittlungsverfahrens darf Guaidó das Land eigentlich gar nicht verlassen.

Guaidó reckt Faust in die Luft
Legende: Bad in der Menge mit hochgestreckter Faust: Guaido erschien trotz Ausreiseverbot beim Konzert in Kolumbien. Reuters

Doch der gab sich vor einer Lagerhalle mit Hilfsgütern selbstsicher: «Die Frage ist: Wie sind wir hier nach Kolumbien gekommen, wenn der Luftraum gesperrt und der Schiffsverkehr verboten ist und die Strassen blockiert sind? Wir sind hier, weil die Soldaten uns geholfen haben. Das ist die Wahrheit», sagte Guaidó an der Seite von Kolumbiens Präsident Ivan Duque, dem chilenischen Staatschef Sebastián Piñera und Paraguays Präsident Mario Abdó.

«Diese Brücke gehört mir»

Der kolumbianische Fernsehsender Caracol veröffentlichte ein Video, auf dem Guaidó mit Anhängern im Laufschritt über eine Grenzbrücke zwischen Venezuela und Kolumbien rennt. «Diese Brücke gehört mir», ruft er und streckt eine Faust in die Luft. «Natürlich schaffen wir es.»

Lage spitzt sich zu

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  • Staatschef Maduro hat die Grenze schliessen lassen. Medienberichten zufolge verlegten die venezolanischen Streitkräfte Truppen und Panzer in die Region.
  • Bei Zusammenstössen zwischen Soldaten und Angehörigen des indigenen Volkes der Pemón kamen am Freitag zwei Menschen ums Leben, rund ein Dutzend weitere wurden verletzt.
  • Trotz zunehmender Spannungen will Brasilien der notleidenden Bevölkerung in Venezuela mit fast 200 Tonnen an Grundnahrungsmitteln helfen.
  • Die Güter stünden auf einem Militärstützpunkt in Boa Vista in dem an Venezuela grenzenden Bundesstaat Roraima bereit, müssten aber von venezolanischen Lastwagen abgeholt werden, sagte Präsidentensprecher Otávio Rêgo Barros in Brasília nach einer Krisensitzung der Regierung.
  • Geplant sei, dass die brasilianische Bundespolizei die Lastwagen bis zum brasilianischen Grenzort Pacaraima begleite. «Danach werden sie unter Verantwortung von Guaidó fahren», betonte er.

Heute Samstag könnte es an der Grenze zum Showdown kommen: Tausende freiwillige Helfer wollen die bereits in Cúcuta bereitstehenden Hilfsgüter nach Venezuela schaffen, wo viele Menschen hungern, Infektionskrankheiten wie Malaria sich wieder ausbreiten - über drei Millionen Venezolaner haben ihre Heimat bereits verlassen.

«Hoffentlich erleuchtet Gott das Militär»

Staatschef Maduro sieht in der humanitären Hilfe allerdings einen Vorwand für eine militärische Intervention in dem südamerikanischen Land und hat die Streitkräfte angewiesen, die Lieferungen nicht passieren zu lassen.

Drei Männer, zwei davon begrüssen sich per Handschlag.
Legende: Spitzentreffen am Rande des Konzerts: Guaidó (Mitte) begrüsst Chiles Präsident Sebastian Piñera (links). Reuters

Dass die Soldaten Guaidó nach eigener Darstellung passieren liessen, sorgte bei Maduros Gegnern für Optimismus. «Hoffentlich erleuchtet Gott die Streitkräfte», sagte der chilenische Präsident Piñera.

Appell des UNO-Chefs

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  • UNO-Generalsekretär Antonio Guterres hat nach Angaben seines Sprechers alle Beteiligten zu Gewaltverzicht in Venezuela aufgerufen. Guterres sei nach dem Ausbruch von Unruhen im Zuge eines Streits über Hilfslieferungen
    äusserst besorgt, sagte ein UNO-Sprecher.
  • Die Vereinten Nationen würden weiterhin mit den venezolanischen Behörden zur humanitären Versorgung der Bevölkerung zusammenarbeiten.
  • Kolumbiens Staatschef appellierte an das Militär Venezuelas: «Soldaten, stellt euch auf die richtige Seite der Geschichte.»

Spenden-Ziel: 100 Millionen Dollar

Hunderttausende Menschen hatten bei «Venezuela Aid Live» bekannten lateinamerikanischen Künstlern wie Luis Fonsi, Juanes, Maluma und Paulina Rubio zugejubelt.

Mit dem Konzert wollten der britische Milliardär Richard Branson und die venezolanische Opposition den Startschuss zu einer Spendenkampagne geben, um innerhalb von 60 Tagen bis zu 100 Millionen Dollar für die humanitäre Hilfe einzusammeln.

Warnung aus Washington

Auf der venezolanischen Seite forderten regierungstreue Musiker «Hände weg von Venezuela». Der Regierungsfunktionär Freddy Bernal war sich sicher: «Alle Künstler auf der Bühne werden der Welt sagen, dass Venezuela frei und unabhängig ist.» Etwa 2500 regierungstreue Musikfans zählten Beobachter vor Ort.

Washington warnte Maduro und das venezolanische Militär unterdessen vor Gewaltanwendung. In einer Erklärung forderte das Weisse Haus die venezolanischen Soldaten auf, Hilfsgüter für das Volk ungehindert passieren zu lassen. «Die Welt sieht zu», warnten die USA.

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51 Kommentare

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  • Kommentar von Marc Bühler  (Capten Demokratie)
    Brandon ruft zu Spenden auf, 100 Millionen sollen es sein. Er selbst ist mehrfacher Milliardär und 100 Millionen macht er Wahrscheinlich pro Jahr nur durch Zinsgewinne. Soll er doch das Geld selber Spenden. So kommt wenigsten blockiertes Geld in Umlauf statt das Geld von Menschen die es so oder so Ausgeben würden.
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  • Kommentar von Sebastian Mallmann  (mallmann)
    Wenn die USA doch so humanitäre Motive haben, warum kümmern sie sich eigentlich nicht um die 50-60 Mio. Armutsbetroffenen im eigenen Land? Die Masche stinkt zum Himmel und SRF leitet sie noch unreflektiert weiter. Es ist ein Trauerspiel!
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  • Kommentar von Paul Schoenenberger  (Beaumont)
    Was die Presse uns heute erleutert tut sie nach dem Wissensstand an der Oberflaeche. Was hinter den Kulissen geschieht werden wir in einem oder vielleicht in zwei Jahren oder vielleicht gar nie wissen. Und so funktioniert die Welt
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