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Mit Todesstrafe gegen Betrug China richtet erneut Bosse von Fabriken hin – darum geht es

Erneut hat Peking vier Menschen exekutiert, die mit Myanmars Online-Betrugsfabriken gross abkassierten. Ein Überblick.

Darum geht es: China hat erneut vier Mitglieder eines Mafia-Clans hingerichtet. Diese sollen aus Myanmar heraus Online-Betrug und andere Verbrechen begangen haben. Erst vergangene Woche hatte China elf Mitglieder eines anderen Clans exekutiert. Betrugszentren in Myanmar und anderen südostasiatischen Ländern haben sich in den letzten Jahren zu einer Milliardenindustrie entwickelt. Männer und Frauen aus China und anderen Ländern werden unter falschen Versprechungen nach Myanmar verschleppt und müssen Menschen auf der ganzen Welt etwa mit vorgespielten Romanzen und Investitionsbetrug um Geld bringen.

Todesstrafe für Betrug: In China und in vielen anderen asiatischen Ländern sind diese Cyber-Scams schon seit Jahren ein grosses Thema und für viele ein Ärgernis. Offenbar wolle China im Kampf gegen die weitverbreiteten Online-Betrügereien nun zeigen, dass es auch vor drakonischen Strafen nicht zurückschrecke, erklärt Südostasien-Korrespondent Martin Aldrovandi. Eine öffentlichkeitswirksame Botschaft, dass die Bosse dieser Banden für all das zur Rechenschaft gezogen werden.

Die Clans: Im aktuellen Fall handelt es sich um verschiedene chinesische Familienclans, die im Nordosten Myanmars an der chinesischen Grenze über Jahre hinweg ihren kriminellen Machenschaften mit Scam-Zentren nachgegangen sind. Von Drogenhandel und Glücksspiel bis hin zu diesen Online-Betrügereien. Auch mit Erlaubnis beziehungsweise Duldung der zuständigen Behörden und guten Beziehungen auch auf der chinesischen Seite.

Soldaten inspizieren Raum voller Kisten und Ausrüstung.
Legende: Im Oktober 2025 stürmten Soldaten das Online-Betrugszentrum KK-Park in Myanmar. Keystone/ The Myanmar Military True News Information Team

Der Zeitpunkt: Die Praktiken der Betrüger seien der chinesischen Regierung offenbar zu viel geworden, so Aldrovandi. Dazu komme die zunehmende Frustration über die Regierung in Myanmar, weil sie zu wenig gegen die Betrugsfabriken unternommen haben soll. Dies sei wohl auch ein Grund gewesen, dass Rebellengruppen im Herbst 2023 das Gebiet zurückeroberten, mit stiller Zustimmung Chinas. Denn diese Gruppen hätten die Zentren geschlossen und die Drahtzieher später an China ausgeliefert. Grossangelegte Razzien gab es aber auch in Grenzorten zu Thailand, wo die Spuren ebenfalls zu chinesischen Drahtziehern führten, wie Aldrovandi erklärt.

Die Betrugsfabriken: Bei den Betrugsfabriken handelt es sich oft um ganze Anlagen oder kleine Städte mit verschiedenen Gebäuden und auf verschiedene Märkte spezialisierten Abteilungen. In den Fabriken arbeiten nicht nur chinesische Staatsangehörige, sondern auch Leute aus anderen Ländern. Es gibt Unterkünfte, Kantinen und IT-Support. Von normalen Fabriken unterscheiden sie sich allerdings, weil sie meist umzäunt und bewacht sind und von den Angestellten in der Regel nicht verlassen werden dürfen.

Die Wirkung: 2025 wurden in Myanmar tausende Menschen aus solchen Fabriken befreit. Mehrere bekannte und besonders berüchtigte Anlagen wurden geschlossen. In Myanmar etwa teilte die Militärjunta Fotos von der Stürmung einer solchen Anlage. Es gab auch Bilder von Starlink-Empfangsgeräten, die man sichergestellt haben will. Aber wirklich aufgehört hätten die Online-Betrügereien deshalb nicht, so Korrespondent Aldrovandi. Es entstehe eher der Eindruck, als hätten sich diese agilen und gut vernetzten Organisationen einfach in andere Gebiete verschoben. Neben Myanmar sind Onlinebetrugsbanden vor allem auch in Ländern wie Laos und Kambodscha seit Jahren aktiv.

Echo der Zeit, 02.02.2026, 18:00 Uhr ; 

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