Darum geht es: Myanmar hat zum ersten Mal seit dem Militärputsch vor fünf Jahren Parlamentswahlen abgehalten. In einer dritten und letzten Runde gaben am Sonntag Menschen in 63 Bezirken ihre Stimme ab. Ein Sieg der Partei USDP (Union Solidarity and Development Party), die den Generälen nahesteht, gilt als sicher. Die wichtigste Oppositionspartei von Aung San Suu Kyi war bereits nach dem Putsch aufgelöst worden und dem Militär steht per Verfassung ohnehin ein Viertel der Sitze zu. Kritik an Junta und Wahlen wurde im Vorfeld hart bestraft. Grosse Teile von Myanmar werden von verschiedenen Widerstandsgruppen kontrolliert. Dort gab es keine Wahlen, und auch in den umkämpften Gebieten waren Wahlen schwierig bis unmöglich. Die Wahlen werden von der UNO als Scheinveranstaltung kritisiert.
Die ersten Resultate: Gemäss bereits vorliegenden Resultaten aus den ersten beiden Wahlrunden liegt die Partei der Militärjunta USDP mit ihrem 69-jährigen Anführer General Min Aung Hlaing wie erwartet weit vorn. Laut Insidern will er künftig eine rein politische Rolle übernehmen. Die offiziellen Resultate der dritten Wahlrunde vom Sonntag stehen noch aus, doch auch da werde es wohl keine Überraschungen geben, berichtet SRF-Südostasien-Korrespondent Martin Aldrovandi. Es fehle jegliche Transparenz und eine unabhängige Wahlkommission gebe es nicht.
Das Ziel der Junta: Dass die Junta unter diesen Bedingungen überhaupt Wahlen abhält, hat verschiedene Gründe. Nach dem Putsch waren diese Wahlen mehrmals versprochen worden. Der Ausnahmezustand wurde jedoch immer wieder verlängert. Offenbar drängte auch China als wichtiger Unterstützer des Regimes auf diese Wahlen. Die Junta wolle nun den Anschein einer zivilen Regierung erwecken und erhoffe sich dadurch wohl auch international mehr Legitimität, so Korrespondent Aldrovandi. Bislang sehe es aber nicht so aus. UNO, EU und auch Asean haben die Wahlen stark kritisiert und erkennen diese nicht an.
Das neue Parlament: Das neue Parlament von Myanmar soll im März erstmals zusammentreten. Im April soll die neue Regierung gebildet werden. Um die Fassade eines demokratischen Verfahrens aufrechtzuerhalten, betonte Machthaber Min Aung Hlaing, dass künftig alles vom Parlament bestimmt werde. Erwartet wird laut Aldrovandi, dass die Junta-Generäle die zivile Regierung anführen werden und die Macht beim Militär bleibt. Die Uniformen würden nun mit Anzügen getauscht, heisse es verschiedentlich, berichtet Aldrovandi.
Die Prognosen: Die Perspektiven im Bürgerkriegsland Myanmar sind entsprechend schlecht für jene, die sich vom Übergang zu einer zivilen Regierung mehr Stabilität erhofften. Weite Teile des Landes versinken immer noch im Bürgerkrieg. Die Junta kämpft an mehrere Fronten gegen verschiedene Gruppen. Millionen von Menschen wurden im Land selbst vertrieben oder sind ins Ausland geflohen, viele davon ins Nachbarland Thailand.