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«Auf Malta herrscht eine Kultur des Schweigens»
Aus Rendez-vous vom 20.11.2019.
abspielen. Laufzeit 04:08 Minuten.
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Mord an Journalistin Galizia Führt die Spur des Geldes zu den Drahtziehern?

Der Sohn der ermordeten Reporterin bezweifelt, dass es der maltesischen Regierung mit der Aufklärung ernst ist.

Die Reporterin Daphne Caruana Galizia wurde weltweit erst durch ihren Tod bekannt. In ihrer Heimat Malta jedoch war sie schon lange gefürchtet, zumal in den Kreisen der Mächtigen.

Auch sie recherchierte für die «Panama Papers», die in korrupte Geschäfte und trübe Finanzströme Licht brachten. Weil sie das auf der Mittelmeerinsel fast im Alleingang tat, wurde sie zur Zielscheibe, ist ihr Sohn, Matthew Caruana Galizia, überzeugt.

Malta ist eine Republik der Omerta.
Autor: Matthew Caruana GaliziaJournalist, Sohn der ermordeten Reporterin Daphne Caruana Galizia

Nach dem Mord an seiner Mutter 2017 passierte zunächst monatelang nichts. In der maltesischen Gesellschaft herrsche bis heute eine Kultur des Schweigens, eine «Republik der Omerta», so Caruana Galizia.

Maltas Mächtige

Auf Druck von aussen reagierte die Bevölkerung ablehnend. Dieser kam von der EU, vor allem aber vom Europarat, der mit den Konventionen zur Geldwäscherei und zur Korruptionsbekämpfung Instrumente besitzt, um zu handeln. In Malta war die Rede von unfairen Angriffen auf das Land.

Erst recht und bis heute fehle in den höheren Sphären der Macht ein echter Wille, dem Mord auf den Grund zu gehen, sagt Caruana Galizia. Zumal die Recherchen seiner Mutter genau jene Mächtigen ins Visier genommen hätten.

Die Spur des Geldes

Der Sohn der Ermordeten attestiert der Polizei guten Willen. Dank dem sind jetzt etliche mutmassliche Ausführende in Haft. Festgenommen wurde am frühen Mittwoch auch ein prominenter Geschäftsmann auf seiner Jacht. Unklar ist, ob es sich bloss um einen Mittelsmann handelt oder ob die Polizei ihn für einen Strippenzieher hält.

Das Problem sei, von den angeheuerten Mördern zu den Auftraggebern ganz oben zu gelangen. Am erfolgversprechendsten wäre es nach den Worten von Caruana Galizia, dem Weg des Geldes zu folgen: Wer profitierte von der grassierenden Korruption auf Malta – und wer bezahlte die Mörder?

Matthew Caruana Galizia
Legende: Matthew Caruana Galizia am 16. Mai 2019 an einer Kundgebung für Pressefreiheit und gegen Korruption in der Haupstadt La Valletta. Seine Mutter wurde 19 Monate zuvor durch eine Autobombe getötet. Imago/Archiv

Sämtliche diplomatischen Kanäle müssten genutzt werden und Ermittler im gesamten europäischen Ausland müssten mitfahnden. Eigentlich, so Caruana Galizia, hätten die EU-Staaten alles Interesse, den maltesischen Sumpf auszutrocknen. Denn als Drehscheibe für illegale Geldflüsse und Korruption sei Malta für sie eine Bedrohung.

Das Geld, das die Korruption auf der Insel schmiert, stamme ja nicht aus Malta selber. Enorme Ausmasse habe die Korruption in seinem Land erst angenommen, als Malta der EU beitrat.

Erst mit dem EU-Beitritt nahm die Korruption enorme Ausmasse an.
Autor: Matthew Caruana GaliziaJournalist, Sohn der ermordeten Reporterin Daphne Caruana Galizia

Auf einmal wurde Malta zur idealen Plattform: Stabil als Teil der Eurozone, doch völlig ungenügend ausgestattet mit Kontrollmechanismen gegen Geldwäscherei. Das Land wurde so zum Einfallstor nach Europa für kriminelle Geldflüsse von Aserbaidschan bis Venezuela.

Ich bin äusserst motiviert, die Schuldigen zu finden.
Autor: Matthew Caruana GaliziaJournalist, Sohn der ermordeten Reporterin Daphne Caruana Galizia

Caruana Galizia mag nicht spekulieren, ob es gelingt, den maltesischen Sumpf auszutrocknen und genügend Druck auf die Führungsfiguren zu machen, damit am Ende die Drahtzieher des Mordes an seiner Mutter verurteilt werden. Er drückt es anders aus: Er sei extrem motiviert, die Verantwortlichen des Auftragsmords an seiner Mutter zu finden. Dass das auch für ihn gefährlich ist, ist ihm klar.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Lothar Drack  (samSok)
    Mit ‚Mafia‘ verwenden Sie einen Sammelbegriff, je nach Ort und Situation gibts für dieses ‚Geschwür‘ andere Begriffe. Grundbedingung dafür ist aber überall die ‚Omertà‘ (so genannt im Ursprungsland): Gesetz des Schweigens, oder einfach das Nicht-darüber-reden! In welchem Ausmass man dies innerhalb unserer Landesgrenzen antreffen kann, hat mich ehrlich gesagt umgehauen. In Anlehnung an die Worte von Matthew Caruana Galizia könnte man von einer „Republik der Omertà“ sprechen (ja, auch Republik)!
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  • Kommentar von Lothar Drack  (samSok)
    Für mich ist‘s als wärs gestern gewesen, diese Autobombe auf Malta. Es hat mich extrem berührt, die Kunde vom Tod dieser rührigen Archäologin, die ihr Forschungsgebiet in die Gegenwart verlegt hat - wohlwissend wie gefährlich das war! Malta sei so klein, da „kenne jeder jeden“ war heut auch zu lesen! Und von der ‚omertà’... Genau das erleb ich just da, wo ich jetzt lebe. Hier werden investigative Journalisten nicht ermordet, von den Gegnern „nur“ vor Gericht gezerrt und so finanziell zermürbt.
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  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Die Mafia ist allgegenwärtig und gut vernetzt!
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