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Mount Kenia Die Rückkehr der Bergbongos

Am Mount Kenia kämpfen Naturschützer um das Überleben der letzten Bergbongos. Ein Auswilderungsprojekt soll die seltene Antilope zurückbringen. Doch ohne die lokale Bevölkerung hat sie keine Chance.

Bergbongos gehören zu den seltensten Tieren Afrikas. Die grösste Waldantilope der Welt ist kastanienbraun, durchzogen von schmalen weissen Streifen, mit langen, spiralförmigen Hörnern. Weniger als hundert leben noch frei. Ihr letzter Rückzugsort sind die Wälder rund um den Mount Kenia.

Im Dorf Kanyoni am Fuss des Berges ist der Bongo mehr als ein Tier. «Wenn jemand hier einen Bongo sieht, sieht er oft zuerst Geld», sagt der Dorfälteste Gideon Ndirangu. Oder Fleisch. Viele leben von Gelegenheitsjobs, waschen Wäsche, jäten Felder oder putzen Häuser. Wer kein Einkommen hatte, ging früher in den Wald – zum Jagen.

Dorfältester Gideon Ndirangu blickt von der Veranda seines Hauses in die Kamera.
Legende: Der Dorfälteste Gideon Ndirangu kennt den Bongo noch aus seiner Kindheit. Damals habe es deutlich mehr gegeben, sagt er. Doch viele wurden gejagt. SRF/Sarah Fluck

Der Bergbongo war ein leichtes Ziel. Ein ausgewachsenes Männchen wiegt bis zu vierhundert Kilogramm, genug Fleisch für ein ganzes Dorf. Dazu kommen Fell und Hörner. Und ein weiterer Nachteil für sie: Bongos sind berechenbar. Sie nutzen oft dieselben Pfade. Wer sie kennt, kann sie finden.

Heute versucht ein Schutzprojekt, die Tiere zurückzubringen. Seit 2004 werden Bergbongos aus Zoos in den USA und in Europa eingeflogen, gezüchtet und schrittweise an die Wildnis gewöhnt. Allein im letzten Jahr wurden 17 Tiere aus Florida nach Kenia gebracht. Die Tiere sollen vor allem eines: den Genpool stärken.

DHL-Holzkisten mit Bongos werden auf dem Rollfeld des Jomo Kenyatta International Airport aus einem Flugzeug entladen.
Legende: 23. Februar 2025: Am Jomo Kenyatta International Airport werden Bergbongos in Holzkisten aus einem Flugzeug ausgeladen. Die Tiere kommen aus Florida und werden ins Hochland rund um den Mount Kenia gebracht, um die stark bedrohte Art dort wieder anzusiedeln. Reuters/Thomas Mukoya

Wer mit Tierarzt Robert Aruho unterwegs ist, lernt, den Wald zu lesen. Er leitet das Mount Kenya Wildlife Conservancy, wo Bergbongos gezüchtet und auf die Auswilderung vorbereitet werden.

Frische Bissspuren an Blättern zeigen: Ein Tier war hier. Tiefe Abdrücke im feuchten Boden verraten seine Spur.

Bergbongos am Mount Kenia

Während wir weitergehen, erklärt Aruho, wie die Rückkehr funktioniert. Bevor ein Bergbongo in die Wildnis darf, durchläuft er mehrere Phasen: Zuerst Quarantäne und medizinische Checks, dann die langsame Anpassung an Klima und Nahrung. Viele Tiere müssen erst lernen, ihre Feinde zu erkennen und sich zu behaupten. Oft sind es deshalb erst ihre Nachkommen, die robust genug sind für ein Leben im Wald.

Der Bergbongo ist das Einzige, was Kenia mit niemandem teilt. Wenn er verschwindet, ist er für immer weg.
Autor: Robert Aruho Leiter des Mount Kenya Wildlife Conservancy

Ein langer Prozess, sagt Aruho. Jahre, manchmal Generationen. Ziel ist es, bis 2050 wieder mehrere hundert Tiere in freier Wildbahn zu haben. Es stehe viel auf dem Spiel: «Der Bergbongo ist das Einzige, was Kenia mit niemandem teilt. Wenn er verschwindet, ist er für immer weg.»

Ein Projekt gegen die Zeit

Das Projekt kostet jedes Jahr rund 2.5 Millionen Dollar. Doch Geld allein reicht nicht. Entscheidend sind die Menschen vor Ort. Das Projekt schafft Jobs, bezahlt Aufforstung, bindet die Bevölkerung ein. Die Idee: Wer vom Bongo lebt, schützt ihn.

Der Dorfälteste Gideon Ndirangu kennt beide Seiten: Früher wurde hier gejagt. Heute soll er erklären, warum das aufhören muss. Doch im Dorf kommt immer wieder dieselbe Frage: «Was bringt uns dieses Tier überhaupt?»

Ein Bergbongo – braunes Fell mit Streifen – versteckt sich sitzend im Gebüsch.
Legende: Kaum sichtbar zwischen Blättern und Schatten: So lebt eine der seltensten Antilopenarten Afrikas tief in den Bergwäldern rund um den Mount Kenia. SRF/Sarah Fluck

Eine Frage, die bleibt, während wir mit Tierarzt Aruho weiter den Hang hinaufgehen. Zwischen den Bäumen, ein paar Meter entfernt, bewegt sich etwas. Braun. Mit weissen Streifen. Tatsächlich: ein Bergbongo. Für einen Moment steht er still. Dann verschwindet er wieder im Wald.

Rendez-vous, 12.5.2026, 12:30 Uhr

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