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«In Afghanistan lässt sich Sprengstoff einfach finden»
Aus Rendez-vous vom 27.08.2021.
abspielen. Laufzeit 04:48 Minuten.
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Nach dem Doppelanschlag «Die Leute in Kabul sind sich solche Gräueltaten gewöhnt»

Die grössten Befürchtungen sind Realität geworden. Bei Attentaten rund um den Flughafen Kabul sind über 100 Menschen getötet worden, afghanische Zivilistinnen und Zivilisten ebenso wie US-Soldaten. Viele weitere wurden verletzt. Zu den Anschlägen hat sich die Terrormiliz IS bekannt. International ist die Bestürzung gross, die USA drohen mit Vergeltung. Der Schweizer Journalist Franz Marty lebt seit knapp sieben Jahren in Kabul – und berichtet davon, wie die Menschen erneut zum Ort drängen, wo die Bomben explodierten.

Franz Marty

Franz Marty

Freier Journalist in Kabul

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Der Schweizer Journalist Franz Marty arbeitet von Kabul aus unter anderem für das «Swiss Institute for Global Affairs» sowie für verschiedene internationale Medien.

SRF News: Wie ist die Lage in Kabul am Tag nach den Anschlägen?

Franz Marty: Die Lage in Kabul ist eigentlich wie immer. Die Leute sind sich solche Gräueltaten gewöhnt. Das muss man leider sagen. Das Leben geht ziemlich schnell weiter. Man räumt den Platz auf, an dem die Explosion geschehen ist. Andere Leute öffnen normal ihre Geschäfte. Man geht zur Arbeit oder einfach raus. Für den Grossteil der Bevölkerung sieht der Tag nach so einem Anschlag nicht gross anders aus als der Tag zuvor.

Legende: Der IS operiere in Afghanistan aus dem Untergrund und habe in den letzten Jahren regelmässig Anschläge wie denjenigen vom Donnerstag in Kabul verübt, sagt Marty. Keystone

Seit Tagen schon werden die Menschen in Kabul gewarnt, sie sollen nicht mehr zum Flughafen gehen – dort sei es zu gefährlich. Zudem wollen die USA und die Alliierten ihre Evakuierungsflüge bald einstellen. Wie ist die Situation – meiden die Leute den Flughafen – oder versuchen sie trotzdem noch, möglichst aus Afghanistan wegzukommen?

Ich glaube, der Anschlag hat weder in die eine noch in die andere Richtung grossen Einfluss. Die Leute meiden den Flughafen nicht. Selbst kurz nach der Explosion waren dort wieder Leute auf Platz und versuchten, zu den Toren des Flughafens zu gelangen.

Legende: Am Tag nach dem Anschlag stehen bewaffnete Taliban-Kämpfer ausserhalb des Flughafens. Laut Marty drängen auch Ausreisewillige wieder zum Ort, wo die Anschläge stattfanden. Keystone

Heute erreichten mich Aufnahmen die zeigen, dass wieder Hunderte Menschen dort sind. Der Kanal, in dem die Bombe detonierte, ist wieder voller Menschen. Es hat wahrscheinlich weder mehr noch weniger Leute dort als noch vor dem Anschlag.

 Das Gespräch führte Brigitte Kramer.

Rendez-vous, 27.08.2021, 12:30 Uhr;

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Matzler  (wmatz)
    Es gab eine Zeit wo Hexen öffentlich verbrannt wurden und das Volk lustvoll zugeschaut hat. Ein Stück weit habe ich den Eindruck, dass diese Zeit in vielen islamischen Ländern immer noch - zumindest teilweise - vorhanden ist.
  • Kommentar von Patrik Müller  (P.Müller)
    Ja was bleibt den den Bewohnern Kabuls anderes übrig, als ihre Läden wieder zu öffnen und von Glück zu reden, dass es sie nicht erwischt hat und zur Tagesordnung überzugehen.
    Bei uns werden ja auch einfach Kränze hingelegt und salbungsvolle Worte gesprochen und weiter ur Tagesordnung. Keiner verzichtet bei uns auf das Befahren einer Autobahn, auch wenn dort gestern gerade ein grauenhafter Unfall passierte... Alltag eben.
  • Kommentar von Franziska Stäheli  (Franziska Stäheli)
    Ich finde den Titel wirklich krass. Kann man sich wirklich an dieses Ausmass von Gewalt und Zerstörung gewöhnen, oder stirbt man einfach irgendwann innerlich ab? Die Menschen tun mir fürchterlich leid und ich muss immer wieder an die Worte meines Primarschul Lehrers denken. Er sagte eigentlich täglich zu uns: seit froh das ihr in der Schweiz leben dürft, danach wandte er sich an uns Mädchen und wiederholte den Satz eindringlich nochmals( war während des Balkan Krieges).