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Der Familiennachzug und die Afghanistan-Krise
Aus HeuteMorgen vom 30.08.2021.
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Nachzug aus Afghanistan Der Bund zieht Lehren aus der Syrien-Krise

Wegen des Syrienkriegs weitete der Bund einst den Familiennachzug aus. Für Afghanistan möchte er dies nicht tun.

Angesichts der Lage in Afghanistan soll der Bundesrat jetzt handeln und grosszügig Menschen aus dem Land aufnehmen. Das haben Flüchtlings- und Asylorganisationen sowie die SP und die Grünen gefordert. Während der Syrienkrise habe die Schweiz ebenfalls tausende Menschen aufgenommen.

Tatsächlich weitete der Bundesrat im Herbst 2013 die Regeln für den Familiennachzug aus Syrien aus, um den dortigen Menschen zu helfen. Auch die Eltern und Geschwister von Geflüchteten, die bereits in der Schweiz waren, konnten ein Gesuch um ein Visum stellen.

Unsere Auslandvertretungen waren damals innert kürzester Zeit vollkommen überlastet.
Autor: Daniel Bach Staatssekretariat für Migration

Für die Afghanistan-Krise sei das allerdings kein Vorbild, sagt Daniel Bach vom Staatssekretariat für Migration. «Wir haben damals gemerkt, dass sehr viele Leute in sehr kurzer Zeit einen Antrag auf ein Visum gestellt haben. Unsere Auslandsvertretungen waren innert kürzester Zeit vollkommen überlastet.» Deshalb habe man den Familiennachzug nach einiger Zeit wieder eingestellt.

Abruptes Ende des Familiennachzuges

Dessen abruptes Ende führte damals zum Teil zu dramatischen Situationen. Manche Menschen hatten ihr Haus in Syrien bereits verkauft, waren dann aber zu spät für ein Visum. Am Schluss habe man gleichwohl praktisch allen helfen können, so Bach.

Wir rechnen damit, dass wir in kürzester Zeit 40'000- 50'000 Gesuche hätten.
Autor: Daniel Bach

Insgesamt kamen damals circa 5000 Menschen in die Schweiz. Im Fall von Afghanistan wären es allerdings bedeutend mehr, sagt Bach. «Wir rechnen damit, dass wir in kürzester Zeit 40'000- 50'000 Gesuche hätten, wenn alle Berechtigten einen solchen Antrag stellen würden.» Das wäre für die Auslandsvertretungen schlicht nicht zu verarbeiten.

Wir sind in der Schweiz durchaus in der Lage, eine grössere Anzahl Menschen aufzunehmen.
Autor: Lea Hungerbühler AsyLex

Für Lea Hungerbühler von der Asylberatungsstelle AsylLex ist das kein Argument gegen die Anwendung der Syrien-Regelung in der Afghanistan-Krise. Besondere Situationen erforderten besondere Lösungen. «Meines Erachtens sind wir in der Schweiz durchaus in der Lage, eine grössere Anzahl Menschen aufzunehmen.» Diese seien im Moment in Afghanistan wirklich an Leib und Leben bedroht.

Visaerleichterungen würden viele Personen betreffen, die sich in Nachbarländern von Afghanistan aufhalten.»
Autor: Carolin Krauss Schweizerisches Rotes Kreuz

Doch nicht alle Flüchtlingsorganisationen fordern die Anwendung der Syrien-Regelung auch für Afghanistan. Carolin Krauss vom Schweizerischen Roten Kreuz etwa ist skeptisch. «Würde man Visaerleichterungen einsetzen, würde dies viele Personen betreffen, die sich bereits in den Nachbarländern von Afghanistan aufhalten.»

Frage des politischen Willens

Natürlich müsse man auch diesen Menschen helfen, betont Krauss. Doch viele, die für einen grosszügigeren Familiennachzug infrage kämen, lebten bereits seit Jahren im Iran oder auch in Pakistan.

So bleibt die Frage, wie man den Menschen in Afghanistan am besten helfen kann. Ob die Schweiz grosszügig Menschen aufnehmen will, sollten sie Afghanistan dereinst verlassen können, ist indessen auch eine Frage des politischen Willens.

Video
Afghanen in der Schweiz: «Wir müssen Afghanistan helfen»
Aus SRF News vom 17.08.2021.
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SRF 4 News, HeuteMorgen, 30.08.2021, 06:00 Uhr

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78 Kommentare

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  • Kommentar von Bruno Hochuli  (Bruno Hochuli)
    Der Bund hat bedenken, dass mit den Flüchtlingen viele Extremisten ins Land kommen und später hier Terrorzellen gründen könnten. So verwerflich ist es nicht, weil der IS schon in ganz Europa seine Ableger hat. Darum ist Hilfe vor Ort besser, als viele Flüchtlinge unbesehen aufzunehmen. Flüchten kann sowieso nur die Oberschicht, weil den Armen das Geld fehlt.
  • Kommentar von Stefan Pfister  (Stefan Pfister)
    «Wir rechnen damit, dass wir in kürzester Zeit 40'000- 50'000 Gesuche hätten, wenn alle Berechtigten einen solchen Antrag stellen würden.»

    Das entspricht 0.5% unserer Bevölkerung. Und wie reagieren wir? Hilfe, die 0.5% überfremden uns! Auf keinen Fall helfen! Mami, die Ausländer kommen!

    Meine Güte, an solchen Tagen verstehe ich die Schweiz einfach nicht.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Stefan Pfister: Es kommen noch Tausende anderer aus anderen Ländern dazu; und dies jedes Jahr; nicht einmalig.
    2. Antwort von Ueli Lang  (Wochenaufenthalter)
      @S.Pfiste
      Wie in vielen anderen Fällen gilt es auch hier, effektiv und effizient zu bleiben. Es macht wenig Sinn Menschen zu uns zu holen, deren Integrationskosten mit dem Wort gigantisch umschrieben werden müssen, wenn die Möglichkeit besteht, diesen Menschen und zudem vielen anderen effizient und effektiv zu helfen, ausserhalb CHE! Auch die Ausgabe eines Steuerfrankens sollte nach seinem Return on Investment beurteilt werden und der sollte beim Geholfenen liegen und nicht bei der Asylmafia!
    3. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Sie müssen es ja auch nicht verstehen, Hr. Pfister. Ich verstehe auch vieles nicht.
    4. Antwort von Markus Schenk  (05)
      @SP: sage es immer wieder, Sie können gerne bei sich jemanden aufnehmen, Sie übernehmen die Kosten, Verantwortung in den nächsten Jahrzehnten und werden Glücklich.Sonst verstehe ich Sie einfach nicht. Ich habe leider kein Platz für Aufnahme und auch kein Interesse zum zahlen.
    5. Antwort von Andreas Hug  (AndiHug)
      naja kleinvieh macht auch mist, bereits jetzt sind über eun viertel ausländer und noch ein viertel eingebürgerte. also die hälfte hat bereits ausländische wurzeln.
    6. Antwort von Pascal Odermatt  (PDOdermatt)
      Herr Schenk, dann soll auch Kampfflieger selber zahlen wer sie will, ich habe keine Lust dafür aufzukommen. Wer kein RA möchte mit der EU soll sich persönlich bitte schön abkoppeln von der EU. Sollen doch Eltern für die Schule der Kinder selber zahlen. uswusf.
  • Kommentar von Stefan Pfister  (Stefan Pfister)
    Am lautesten "Hilfe vor Ort" ruft die SVP. Wenn man im Parlament über die Hilfe vor Ort debattiert, will die SVP diese Hilfe kürzen oder ganz streichen. Ich bin sicher, dass zahlreiche KommentarschreiberInnen hier genauso ticken. Sobald hier ein Artikel über Entwicklungszusammenarbeit erscheint, werden wir Kommentare lesen, das sei "herausgeworfenes Geld". Von denselben Leuten, die jetzt die "Hilfe vor Ort" als Alternative zur Flüchtlingsaufnahme propagieren.
    1. Antwort von Thomas Leu  (tleu)
      @ Stefan Pfister: Die Mehrheit der Menschen sieht die Schweiz und die Welt differenzierter, als auf einem einfachen Links-Rechts-Muster. Die meisten Menschen liegen nämlich politisch irgendwo in der Mitte. Die Politiker, deshalb sind sie ja Politiker, sind meist extremer als ihre eigenen Wähler.
    2. Antwort von Beat Reuteler  (br)
      Die SVP ist nicht die Schweiz.