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Iran-Krieg Trumps Drohung: Starten USA nun einen Bodeneinsatz im Iran?

Nach fünf Wochen Krieg zwischen den USA und Israel und dem Iran dauern die gegenseitigen Angriffe an. Nun droht US-Präsident Donald Trump dem Iran sogar mit einer Bodenoffensive. Ziel könnte sein, Uran aus dem Land zu holen, das der Iran für den Bau von Atomwaffen verwenden könnte. Das melden Medien. Das Pentagon hat demnach die Entsendung von rund 10'000 Soldaten angeordnet, die für die Eroberung und Sicherung von Land ausgebildet sind.

Andrea Christen

USA-Korrespondent

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Andrea Christen ist USA-Korrespondent für Schweizer Radio SRF. Zuvor war er stellvertretender Redaktionsleiter von SRF 4 News und Auslandredaktor. Er arbeitet seit 2010 für SRF.

Hier finden Sie weitere Artikel von Andrea Christen und Informationen zu seiner Person.

Ist Trumps Aussage mehr als eine Drohgebärde?

Von Trump kommen die Ansagen in rascher Folge. Er scheint sich mit dem Iran einigen zu wollen: Er werde Kraftwerke, Ölquellen, vielleicht auch Entsalzungsanlagen zerstören, falls es nicht bald zu einer Einigung komme. Gestern sagte er, er wolle sich das iranische Öl holen. Heute dann: Länder wie Grossbritannien sollten jetzt die Strasse von Hormus sichern, die USA würden nicht mehr helfen. Das suggeriert, dass Trump die Strasse von Hormus nicht als sein Problem ansieht. Ich kann fast nicht überbetonen, wie stark die Botschaften von Trump hin- und herschwingen, wie wirr er derzeit – sogar für seine Verhältnisse – wirkt. Es ist einfacher zu sagen, was nicht passieren wird: eine ausgewachsene Invasion, eine Besetzung des Irans. Dafür sind bei weitem nicht genügend US-Truppen in der Region.

Verteidigungsminister schliesst keine Option aus

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Verteidigungsminister, oder wie er jetzt genannt wird, Kriegsminister Pete Hegseth, hat gesagt, man schliesse derzeit keinerlei Optionen aus – auch den Einsatz von Bodentruppen nicht. Diese bewusst gehaltene Unklarheit sei Teil der Strategie, betont er. «Wir operieren nach der Maxime, dass du deinem Gegner nie sagst, was du als Nächstes tun wirst.» Beendet sei der Einsatz erst, wenn «unsere Ziele und Interessen erreicht sind.» Die endgültige Entscheidung liege weiterhin beim US-Präsidenten. Die nächsten Tage würden entscheidend sein.

Welche Szenarien sind denkbar?

Die USA haben zwei Einheiten der Marines in Marsch gesetzt, sogenannte Expeditionseinheiten mit tausenden Marineinfanteristen. Eine, die von Japan aus losgeschickt wurde, ist in der Region angekommen. Eine weitere von der US-Pazifikküste ist unterwegs. Auch in Marsch gesetzt wurden Fallschirmjäger. Damit stehen Elite-Einheiten zur Verfügung, die auf Landeoperationen spezialisiert sind. Sie könnten zum Beispiel die Insel Charg vor der iranischen Küste erobern, um dort das iranische Öl abzuklemmen, das zu 90 Prozent dort auf Tanker geladen wird. Auch andere kleine Inseln könnten das Ziel sein, um diese Wasserstrasse wieder zu öffnen.

Diese Szenarien werden in US-Medien diskutiert

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In US-Medien wird auch diskutiert, die US-Streitkräfte könnten die Atomanlage in Isfahan weit im Landesinneren erobern, rundherum einen Verteidigungsperimeter aufbauen und dann versuchen, an das angereicherte Uran zu kommen, das dort, nach den Luftangriffen vom letzten Jahr, mutmasslich noch begraben liegt. Die «Washington Post» berichtete, das Pentagon bereite Pläne für wochenlange Bodenoperationen vor. Das «Wall Street Journal» berichtete, es werde erwogen, weitere 10'000 Truppen zu schicken.

Wie werden die Risiken einer Bodenoffensive für die USA beurteilt?

US-Truppen müssten zum Beispiel die Insel Charg, die sich nur gut 30 Kilometer vor dem iranischen Festland befindet, halten und wären dort ein Ziel. US-Opfer wären fast garantiert. Als besonders riskant wird ein tiefes Eindringen in den Iran angesehen, um dort an das Uran zu kommen. Ein Einsatz von Bodentruppen wäre also riskant und er hätte auch einen unklaren Ausgang.

Wird Trump zugetraut, den Iran oder Teile des Irans zu besetzen?

Es scheint, dass Trump ein Ende des Krieges will. Seine Umfragewerte in den USA sind sehr schlecht und der Krieg bringt ihn zusätzlich unter Druck. Der hohe Benzinpreis trifft die USA – auch wenn in Washington behauptet wird, man sei gar nicht auf das Öl aus dem Golf angewiesen. Trump hat aber gezeigt, dass er Gefallen gefunden hat an spektakulären Militäreinsätzen wie in Venezuela. Er hat zwei Mal den Iran angegriffen, während man mit den Iranern verhandelte. Er hat bis jetzt jedes Mal, wenn er eine militärische Drohkulisse aufbaute, dann auch zugeschlagen. Andererseits wäre ein Bodeneinsatz eine massive Eskalation, auf einem ganz anderen Niveau als alles bisherige. Er würde den Krieg wohl auch verlängern – etwas, was Trump anscheinend nicht will. Es bleibt der Eindruck eines Präsidenten, der sich in einen Krieg hineinmanövriert hat und jetzt nicht recht weiss, wie er wieder herauskommt.

Echo der Zeit, 31.3.26, 18 Uhr ; 

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