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Irans Waffenarsenal «Irans Raketenarsenal ist in deutlich schlechterem Zustand»

Noch vor einigen Tagen verkündeten US-Präsident Trump und der israelische Ministerpräsident Netanjahu, das iranische Raketenprogramm sei grösstenteils vernichtet worden. Dennoch schiesst der Iran nach wie vor Raketen auf Ziele in Israel und den Golfstaaten. Am Wochenende haben die iranischen Streitkräfte gar zwei Raketen auf den US-britischen Militärstützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean abgefeuert. Der Militärexperte Fabian Hoffmann sagt, was der Iran damit bezweckt.

Fabian Hoffmann

Militärexperte

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Fabian Hoffmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Oslo Nuclear Project (ONP). Seine Forschungsschwerpunkte sind Raketentechnologie, Nuklearstrategie und Verteidigungspolitik. Vor seiner Tätigkeit an der Universität Oslo arbeitete Hoffmann als wissenschaftlicher Mitarbeiter am International Institute for Strategic Studies (IISS).

SRF News: Waren Sie überrascht über die zwei Raketen, die der Iran auf Diego Garcia abgefeuert hat?

Fabian Hoffmann: Wirklich überrascht war ich nicht. Das liegt daran, dass der Iran seit Jahrzehnten an ballistischen Raketen baut und ballistische Raketen mit einer Reichweite von bis zu 2000 Kilometern operativ einsetzt. Eine Reichweitenerhöhung, auch auf bis zu 4000 Kilometer, ist mehr Evolution als Revolution. 

Der Iran möchte den europäischen Staaten zeigen, dass er die Eskalationshoheit in manchen Bereichen beibehält.

Warum hat der Iran diese zwei Raketen abgefeuert, das Ziel haben sie ja verfehlt?

Es ging um die Signalwirkung. Der Iran möchte den europäischen Staaten, vor allem dem Vereinigten Königreich, zeigen, dass er in der Lage ist, nicht nur zu reagieren, sondern dass er die Eskalationshoheit in manchen Bereichen beibehält. 

In Europa wird darüber diskutiert, dass der Iran damit auch europäische Städte angreifen könnte, zum Beispiel auch eine Schweizer Stadt. Unter welchen Bedingungen wäre das realistisch?

Es gibt zwei Möglichkeiten. Zum einen könnte der Iran mehrstufige ballistische Raketen bauen. Zum jetzigen Zeitpunkt werden nur einstufige eingesetzt. Der Iran arbeitet aber auch an mehrstufigen Systemen. Damit könnte man problemlos in das Herz Europas, auch in die Schweiz kommen. Zum andern könnte man die Nutzlast einer einstufigen Rakete verringern, von ungefähr 1500 Kilogramm auf wenige 100 Kilogramm. Auch so kann man die Reichweite deutlich erhöhen und somit bis tief ins Innere Europas kommen.

Der Iran bleibt weiterhin in der Lage, wenige ballistische Raketen und Langstreckendrohnen zu starten.

Vor einigen Tagen haben Trump und Netanjahu davon gesprochen, das iranische Raketenprogramm sei weitgehend zerstört. In welchem Zustand ist es tatsächlich?

Das Raketenarsenal ist in deutlich schlechterem Zustand als noch vor Anfang des Krieges. Viele Raketen, vor allem sehr viele Startrampen und wahrscheinlich auch viele Produktionsanlagen wurden zerstört. Trotzdem: Der Iran bleibt weiterhin in der Lage, wenige ballistische Raketen und Langstreckendrohnen zu starten. 

Wenn es den USA und Israel tatsächlich gelingen sollte, sämtliche iranische Abschussrampen und die Produktion von neuen Raketen auszuschalten, welches Zerstörungspotenzial hätte der Iran noch?

Dann wäre ein grosses Druckmittel des Irans weg. 

Wenn Produktionsstätten zerstört werden, ist das schmerzhaft für den Iran, aber sie könnten theoretisch wieder aufgebaut werden.

Wie realistisch ist es, dass es den USA und Israel gelingt, das gesamte Raketenprogramm auszuschalten?

Das Programm komplett auf null zurückzudrehen, ist faktisch unmöglich. Man muss klar festhalten: Es geht auch um Wissen. Der Iran hat mittlerweile viele fähige Raketeningenieure. Wenn nun Produktionsstätten zerstört werden, ist das schmerzhaft für den Iran, aber sie könnten theoretisch wieder aufgebaut werden. Deswegen ist es auch ein Ziel, zumindest der Israelis, einen umfassenden Regimewechsel herbeizuführen. Damit will man vermeiden, dass eine zukünftige Regierung dieses Raketenprogramm einfach neu aufbauen würde.

Das Gespräch führte Matthias Kündig.

Grelle gelbe Wolke in der Nacht
Legende: Die iranische Revolutionsgarde feuert eine Rakete ab. Reuters/WANA

 

Echo der Zeit, 24.3.2026, 18 Uhr ; 

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