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Journalistin in Tel Aviv «Wohl keine grosse Zahl an Raketen auf einmal abgeschossen»

Nach den Angriffen Israels und der USA reagiert der Iran mit Gegenschlägen. Die israelische Armee hat die Luftabwehr aktiviert und die Bevölkerung dazu angewiesen, Schutzräume aufzusuchen. Immer wieder fliegen iranische Raketen über Israel. Die freischaffende Journalistin Vera Weidenbach berichtet aus der Küstenmetropole Tel Aviv.

Vera Weidenbach

Journalistin

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Vera Weidenbach (1990) studierte Philosophie, Biologie und Politikwissenschaften und besuchte die Deutsche Journalistenschule. Sie war im ARD-Hauptstadtstudio tätig und macht eigene Podcasts und berichtet als freie Journalistin für die israelische Zeitung «Haaretz» aus Tel Aviv.

SRF News: Wie haben Sie den Tag heute erlebt?

Vera Weidenbach: Ich wurde gegen 8:30 Uhr von einer Sirene und einem Alarm übers Handy geweckt. Das war noch kein Raketenalarm. Es handelte sich um eine Mitteilung der israelischen Armee, dass der Angriff auf den Iran gestartet wurde und dass die Bevölkerung aufgerufen ist, in der Nähe von Schutzräumen zu bleiben.

Die Menschen sind sich solche Situationen gewohnt.

Der Raketenalarm kam dann etwa zwei Stunden später. Seither vergeht keine Stunde ohne mindestens einen Alarm. Ich bin nicht sicher, was mich in der Nacht erwartet. Wenn es so weitergeht, dann sollte ich die Nacht im Bunker verbringen.

Menschen sitzen auf Boden in einem Kellerraum.
Legende: Israelis suchen im Untergrund Schutz vor möglichen iranischen Raketenangriffen. Die Menschen müssen auf nicht notwendige Aktivitäten verzichten. REUTERS/Itai Ron

Wie haben die Menschen in Israel auf den Angriff auf den Iran reagiert?

Die Menschen sind sich solche Situationen gewohnt. Viele Menschen haben die Städte verlassen und sind zu Freunden oder zur Familie ausserhalb gefahren [Sirenenalarm erklingt im Hintergrund].

Es ist wohl so, dass der Iran keine grosse Anzahl Raketen auf einmal abgefeuert hat.

Was ist über Schäden in Israel durch iranische Raketen bekannt?

Bislang gibt es noch keine offiziellen Meldungen zu Schäden oder Toten [ca. 16:10 Uhr, Schweizer Zeit, Anm. d. Red.]. Es ist wohl so, dass der Iran keine grosse Anzahl Raketen auf einmal abgefeuert hat. Das im Gegensatz zur Eskalation im vergangenen Juni, als 50 bis 100 Raketen auf einmal kamen und das Abwehrsystem überfordert war. Das ist bislang nicht der Fall, weil der Iran seine Kapazitäten, vor allem die Abschussanlagen, seit vergangenem Jahr nicht wieder komplett aufgebaut hat.

Das israelische Militär hat Reservisten einberufen. Mit welchem Ziel?

Es wurden Reservisten von allen Einheiten einberufen. Dies wohl mit der Absicht, sie an den Grenzen zum Libanon und zu Syrien einzusetzen. Es gibt die Befürchtungen, dass die Verbündeten des Iran sich auch am Konflikt beteiligen könnten, also die Hisbollah im Libanon und die Huthis im Jemen. Bislang ist das nicht passiert, was man auch als Schwäche des Iran interpretieren könnte.

Die Menschen sind auf jeden Fall kriegsmüde.

Wie gross war der Einfluss Israels auf die USA, die öfters angedrohten Angriffe auf den Iran jetzt in die Tat umzusetzen?

Sowohl Israel als auch die USA haben diese Angriffe als gemeinsamen Schlag bezeichnet, der anscheinend auch lange geplant war. Die Angriffe haben kurz danach begonnen, als der zweite US-Flugzeugträger in der Region angekommen war. Das spricht sehr für eine gemeinsame Handlung. Zumal die Interessen der USA und Israels im Iran nicht allzu weit auseinanderliegen.

Steht die israelische Bevölkerung hinter diesem Militärschlag?

Die Menschen sind auf jeden Fall kriegsmüde. Kommentare wie «Bitte nicht noch einen Krieg» habe ich in den letzten Tagen häufig gehört. Aber in einer Umfrage vom Februar haben 60 Prozent der Israelis einen Schlag befürwortet, weil die Bedrohung durch das iranische Regime als sehr ernst wahrgenommen wird. Eine Mehrheit befürwortet auch einen Regimewechsel im Iran.

Das Gespräch führte Iwan Lieberherr.

SRF News Spezial, 28.02.2026, 13:00 Uhr ; 

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