Pakistan will in den kommenden Tagen Gespräche zwischen Israel, den USA und dem Iran ausrichten. Mit dem Ziel einer umfassenden und dauerhaften Beilegung des Konflikts, wie das pakistanische Aussenministerium verlauten liess. SRF-Korrespondentin Maren Peters über Islamabads Motive – und die Chancen des Unterfangens.
Was qualifiziert Pakistan, im Iran-Krieg als Vermittler aufzutreten?
Im Vergleich zu anderen Mächten ist Pakistan relativ neutral. Die Atommacht hat gute, historisch gewachsene Beziehungen mit dem Nachbarn Iran. Gleichzeitig unterhält es auch gute Beziehungen zu Irans Feinden Saudi-Arabien und den USA. Das haben andere potenzielle Mediatoren nicht.
Pakistan hat – nach eigener Aussage – in den letzten Wochen eine intensive Geheimdiplomatie gepflegt, um den Iran-Krieg beizulegen. Dabei hilft sicher auch, dass in Pakistan die Wege zwischen Regierung und Militär besonders kurz sind. Auch das kann helfen, in diesem militärischen Konflikt zu vermitteln.
Ist Pakistan in dem Konflikt wirklich neutral?
Pakistan und Saudi-Arabien haben im vergangenen Herbst einen Verteidigungspakt geschlossen. Beide Länder verpflichten sich darin, jeden Angriff gegen ein Land als Angriff gegen beide zu behandeln. Iran hat Stellungen in Saudi-Arabien angegriffen. Pakistan versucht jedoch zu verhindern, selbst zur Kriegspartei zu werden. Das Land hat kein Interesse daran, in den Iran-Krieg einzutreten.
Das haben hochrangige pakistanische Diplomaten sehr deutlich gemacht. Insbesondere, weil Pakistan bereits in einen sehr ernsten militärischen Konflikt mit dem Nachbarn Afghanistan verwickelt ist. Auch deshalb versucht Pakistan, durch Hinterzimmerdiplomatie zu verhindern, dass der Ernstfall eintritt und es seinen Bündnispartner Saudi-Arabien militärisch unterstützen muss.
Welche Interessen verfolgt Pakistan mit seinen Vermittlungsbemühungen?
Pakistan ist direkt vom Iran-Krieg betroffen. Es leidet – wie viele Länder in Südasien – unter den Folgen des Konflikts. Das Öl ist knapp und teuer geworden, was wiederum die Inflation anheizt. Das schadet der pakistanischen Wirtschaft, die ohnehin in der Krise steckt. Und es schwächt das Vertrauen der pakistanischen Bevölkerung in die Regierung.
Der Krieg gefährdet aber auch das Einkommen von Millionen pakistanischer Arbeitsmigranten, die in den Golfstaaten arbeiten. Mit ihren Rücksendungen unterstützen sie ihre Familien in Pakistan und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Wirtschaft. Durch den Krieg sind Leben und Einkommen dieser Arbeitsmigranten gefährdet. Sie kommen vorzeitig aus den Golfstaaten zurück oder reisen gar nicht erst hin.
Was steht für Pakistan auf dem Spiel, wenn die Vermittlungsversuche scheitern?
Nicht nur für Pakistan steht viel auf dem Spiel, sondern für die gesamte Welt. Die globale Energieversorgung ist gefährdet. Falls der Krieg länger andauert, könnte es zu einer weltweiten Wirtschaftskrise kommen. Jeden Tag wächst auch die Sorge, dass die Düngemittelknappheit eine globale Ernährungskrise auslösen könnte.
Auch Trump selbst steht unter Druck: Die Benzinpreise in den USA steigen, landesweit wird gegen ihn und den Krieg demonstriert – und die Midterm-Wahlen nahen. Wenn es Pakistan gelingen sollte, den Iran-Krieg durch seine Vermittlung zu beenden, könnte das krisengeplagte Land sehr viel Renommee auf der diplomatischen Bühne gewinnen. Ob das gelingt, ist im Moment aber sehr schwer vorauszusagen.