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Krieg vor Eskalation? Serie von Angriffen auf Ölinsel und Verkehrswege im Iran

US-Präsident Donald Trump hat dem Iran mit der Zerstörung aller Brücken und Kraftwerke gedroht, sollte Teheran nicht auf seine Forderung zur Öffnung der Strasse von Hormus eingehen. Nun meldet der Iran landesweite Angriffe auf seine Infrastruktur.

Was wurde angegriffen? Neben der Bombardierung einer Eisenbahnbrücke waren auch mehrere Autobahnen Ziel von Luftangriffen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtete. In der Provinz Ost-Aserbaidschan etwa sei eine Autobahn nach Einschlägen von Geschossen gesperrt worden. In derselben Provinz sei ausserdem eine Autobahnbrücke auf der Strecke zwischen der Millionenstadt Tabris und der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz Sandschan attackiert worden, berichtete die iranische Zeitung «Etemad». Nahe der Pilgerstadt Ghom südlich von Teheran meldeten iranische Medien unterdessen einen Angriff auf eine Brücke an einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt. Die staatliche und englischsprachige Zeitung «Tehran Times» meldete Angriffe auf das Schienennetz in Karadsch, einer Millionenstadt westlich von Teheran.

Wie ist die Lage am Ölexportterminal auf der Insel Charg? Das US-Militär greift Medienberichten zufolge militärische Ziele auf der iranischen Insel an. Der Iran hat neue Explosionen auf der Insel gemeldet. Die iranische Nachrichtenagentur Mehr berichtete, die Insel werde angegriffen. Dort hatte das US-Militär bereits Mitte März Luftangriffe ausgeführt. Details zu den möglichen Zielen sind vorerst nicht bekannt.

Was macht Israel? Das israelische Militär zerstörte nach eigenen Angaben eine weitere strategisch wichtige Brücke über den Litani-Fluss im Süden des Libanons. Die israelische Armee warf der Hisbollah-Miliz vor, darüber Waffen in den Süden des Landes geschmuggelt zu haben. Nach israelischen Militärangaben wurden in den vergangenen Wochen sieben Brücken und Übergänge im Süden des Landes zerstört. Im Iran griff Israel nach Angaben des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu Eisenbahnstrecken und Brücken an.

Zerstörtes Gebäude mit Trümmern und eingebrochenen Fenstern.
Legende: Im Iran wurden Dutzende militärische und zivile Ziele angegriffen. Retuers / WANA (West Asia News Agency) / Majid Asgaripour

Wie ist die Stimmung bei der Bevölkerung im Iran? Trump hatte bereits vergangene Woche gedroht, die Iraner mit heftigen Angriffen zurück «in die Steinzeit» zu versetzen – «wo sie hingehören», wie er sagte. Bei vielen Menschen im Land, auch Regierungsgegnern, löste dies grosse Empörung aus. Heute überwiegen jedoch Sorgen und Fassungslosigkeit. Derzeit treffe es eher die Bevölkerung. Trump habe die Leute zu Flüchtlingen im eigenen Land gemacht, so der Grundtenor im Iran.

Sind die Angriffe Kriegsverbrechen?

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Das humanitäre Völkerrecht verpflichtet Konfliktparteien dazu, jederzeit zwischen zivilen und militärischen Zielen zu unterscheiden. «Selbst wenn bestimmte zivile Infrastruktur als militärisches Ziel eingestuft werden könnte, würde das humanitäre Völkerrecht Angriffe darauf dennoch verbieten», wenn «übermässige» Schäden für Zivilistinnen und Zivilisten zu erwarten seien, so der Sprecher von UNO-Generalsekretär António Guterres in New York. Nach dem humanitären Völkerrecht sind gezielte Angriffe auf zivile Infrastruktur verboten, es sei denn, dass diese auch militärisch genutzt wird.

Wie reagiert die internationale Gemeinschaft? Frankreichs Aussenminister Jean-Noël Barrot warnte vor den von US-Präsident Donald Trump angedrohten Angriffen auf zivile Infrastruktur im Iran. «Wenn wir uns alle gegen Angriffe auf zivile und energetische Infrastrukturen aussprechen, dann erstens, weil sie nach den Regeln der Kriegsführung und dem Völkerrecht ausgeschlossen sind, und zweitens, weil sie im Falle des Krieges im Iran zweifellos eine neue Phase der Eskalation und Vergeltungsmassnahmen einleiten würden», sagte Barrot dem Sender France Info.

Welche Ziele könnte der Iran seinerseits ins Visier nehmen?

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In den Golfstaaten könnten etwa Entsalzungsanlagen angegriffen werden. Die Wasserversorgung von Millionen Menschen wäre gefährdet, denn die Länder sind auf diese Anlagen angewiesen. Gemeinsam haben die Länder etwa 3400 solche Anlagen, in Staaten wie Katar und Bahrain sorgen diese für mehr als 90 Prozent der Trinkwasserversorgung. Viele Anlagen befinden sich an der Küste des Persischen Golfs und nur Hunderte Kilometer vom Iran entfernt. Technologiezentren und Rechenzentren könnten ebenfalls zum Ziel werden.

Trump: «Zivilisation wird sterben.» Der US-Präsident droht mit der «völligen Zerstörung» aller Brücken und Kraftwerke im Iran, falls Teheran nicht bis Mittwochnacht um 2 Uhr MESZ die Strasse von Hormus wieder öffnet. Sollte kein Abkommen zur Beendigung des Konflikts erzielt werden, werde «heute Nacht eine ganze Zivilisation sterben», sagt er. Sollte der US-Präsident seine Drohungen also tatsächlich so drastisch meinen, wie er sie formuliert, würde er damit offen Kriegsverbrechen androhen.

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Tagesschau kompakt, 7.4.2026, 12:45 Uhr ; 

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