Seit über einem Monat tobt der Krieg, doch ein Ausweg ist nicht in Sicht. Während die USA und Israel auf einen schnellen Schlagabtausch setzten, verfolgt der Iran die Strategie eines langwierigen und teuren Zermürbungskrieges. Eine Strategie, die aufgehen könnte.
Zwar konnten die USA und Israel zahlreiche taktische Erfolge wie die Zerstörung zahlreicher iranischer Raketenstellungen vorweisen, doch ihre strategischen Ziele mussten sie deutlich nach unten korrigieren.
Vom Regimewechsel zur Schadensbegrenzung
«Noch vor einem Monat stand ein Regimewechsel im Fokus der US-Strategie», sagt Dalia Dassa Kaye, Sicherheits- und Nahost-Expertin an der Berkeley Universität. Zwar wurden diverse Kader der Revolutionsgarden sowie der oberste Führer Ali Chamenei bei Angriffen getötet, doch der erhoffte Zusammenbruch des Regimes sei ausgeblieben. Die Führungsposten wurden rasch neu besetzt. Der Iran hielt dem Druck stand und übte gleichzeitig Gegendruck aus.
Mittlerweile sei das Hauptziel der USA nur noch, die Seestrasse von Hormus wieder befahrbar zu machen – eine Handelsroute, die vorher frei passierbar war. Das zeige die strategische Verschiebung: «Die USA müssen nun um Ziele kämpfen, die vor dem Krieg gar nicht zur Debatte standen», so Kaye.
Irans Lehren aus vergangenen Niederlagen
Der Iran wiederum habe sich auf einen langen Krieg vorbereitet, erklärt Hamidreza Azizi von der deutschen Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP). Der entscheidende Weckruf für Teheran sei der «Zwölftagekrieg» im letzten Sommer gewesen.
«Seither hat die iranische Führung ihre Befehlsstrukturen dezentralisiert, sodass die Einheiten der Revolutionsgarden eigenständiger agieren können.»
Zudem habe man den Druck schrittweise erhöht. «Statt wie noch letzten Sommer massive Raketen- und Drohnensalven auf Israel abzufeuern, konzentrierte sich der Iran diesmal darauf, zuerst die Frühwarn- und Radarsysteme der USA auszuschalten», so Azizi.
Dafür konnte der Iran offenbar auf Geheimdienstinformationen aus Russland und China zurückgreifen.
Auf eine Waffenruhe wird sich der Iran kaum wieder einlassen
Eine weitere Lehre: Auf Waffenruhen sei kein Verlass. Aus iranischer Sicht seien diese lediglich ein Mittel für die USA und Israel, um Zeit zu gewinnen. «Teherans Ziel ist deshalb kein blosser Waffenstillstand, sondern eine grundlegende Änderung der strategischen Kräfteverhältnisse in der Region», sagt Azizi.
Dafür nutzt das Regime den Kriegszustand und die Kontrolle über die Strasse von Hormus als Druckmittel, um Sanktionserleichterungen und den Erhalt seines Atom- und Raketenprogramms zu erzwingen. «Ein Ende des Krieges ohne diese Erfolge würde im Iran als Niederlage gewertet», so der Analyst.
Der Krieg hat die Hardliner im Innern gestärkt, was einerseits die Resilienz des Regimes stärkt. Andererseits sind politische Zugeständnisse, die vor dem Krieg vielleicht noch möglich gewesen wären, heute verunmöglicht.
Irans Strategie basiert auf drei Pfeilern: internem politischem Druck, wirtschaftlichem Druck im Golf und militärischem Druck auf Israel und die USA.
Der Vorteil Irans liegt darin, dass das Land den Krieg nicht schnell gewinnen muss. Der Iran muss den Krieg für die Gegenseite lediglich unkalkulierbar und teuer machen.