Zu Beginn des Iran-Krieges verhielt sich die chinesische Führung relativ ruhig. In offiziellen Verlautbarungen des Aussenministeriums wurden die Kriegsparteien zwar zur Zurückhaltung ermahnt, aber ansonsten blieb China eher still. Nun hat sich Präsident Xi Jinping erstmals öffentlich geäussert. Er betonte die Einhaltung des Völkerrechts. Dabei vermied es Xi jedoch, die USA oder Präsident Trump beim Namen zu nennen. Was hinter diesem Kurswechsel steckt, ordnet SRF-Ostasienkorrespondent Samuel Emch ein.
Warum äussert sich China jetzt deutlicher zum Konflikt?
China hat ein grosses Interesse daran, dass die Strasse von Hormus rasch wieder befahrbar ist. Peking arbeitet deshalb hinter den Kulissen auf einen Frieden hin. Der chinesische Aussenminister soll Dutzende Telefongespräche mit direkt und indirekt betroffenen Staaten geführt haben. Zudem hat Xi den Kronprinzen von Abu Dhabi empfangen und dabei vier Vorschläge für einen Friedensprozess im Nahen Osten präsentiert. Ziel Chinas ist es, wirtschaftlichen Schaden durch eine blockierte Meerenge zu verhindern.
Warum ist die Strasse von Hormus für China so entscheidend?
Die Strasse von Hormus ist ein zentraler Versorgungsweg: Rund 40 Prozent der chinesischen Erdölimporte liefen zuletzt durch sie. China hat zwar gut gefüllte Erdöl-Lager, Expertinnen und Experten gehen von vier bis sechs Monaten aus. Doch ein länger andauernder Konflikt würde sich auch auf China auswirken.
Welche wirtschaftlichen Folgen zeigen sich bereits?
Die Treibstoffpreise sind gestiegen, gleichzeitig hat sich der Exportüberschuss im März im Vergleich zum Vorjahr halbiert. Bleibt die Meerenge länger blockiert, droht der exportabhängigen Wirtschaft ein Rückschlag. Zwar könnten die Solarindustrie und die Elektroautohersteller in China von gestiegenen Treibstoffpreisen profitieren. Wenn aber die Ölpreise hoch bleiben, sinkt die Kaufkraft in wichtigen Absatzmärkten. Folglich können die Menschen weniger Geld für chinesische Güter ausgeben.
Wie gross ist der Einfluss Chinas auf den Iran?
China hat Einfluss, aber keine Kontrolle über den Iran. Peking und Teheran pflegen eine strategische Partnerschaft, vor allem im Handel. China ist der grösste Handelspartner Irans und kauft bis zu 90 Prozent des iranischen Erdöls. Gleichzeitig kommen viele angekündigte Investitionen im Iran kaum voran, auch wegen US-Sanktionen und der Zurückhaltung chinesischer Staatsunternehmen. Teheran ist ein Partner für Peking. Aber die Partnerschaft hat auch ihre Grenzen.
Wo liegen die roten Linien Chinas?
China will bestimmt nicht in den Konflikt gezogen werden. Militärische Unterstützung für den Iran gilt als sehr unwahrscheinlich. Berichte über mögliche Waffenlieferungen hat das Aussenministerium zurückgewiesen. US-Präsident Trump hat bereits gedroht, 50 Prozent Zölle einzuführen, sollte das passieren.
Wie wichtig ist das geplante Treffen mit den USA?
In vier Wochen soll Trump nach Peking reisen. Der US-Präsident hat die Reise bereits einmal verschoben wegen des Iran-Krieges. Dieses «G2-Treffen» ist sehr wichtig. Die USA sind die Macht, die China immer wieder vor Schwierigkeiten stellen. Handelshemmnisse sollen abgebaut werden.