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Lage im Libanon Israel schiesst weiter, Hisbollah nicht

Ob das Abkommen auch für den Libanon gilt, wird unterschiedlich ausgelegt. Klar ist: Israel setzt seine Angriffe fort.

Das israelische Militär hat seine Angriffe auf den Iran eingestellt: Man werde sich an die Anweisung der Politik zur zweiwöchigen Waffenruhe halten, teilte die Armee mit. Doch der Kampfeinsatz gegen die vom Iran alimentierte Hisbollah-Miliz im Libanon werde fortgeführt, hiess es aus Israel.

Israel: Feuerpause gilt nicht für den Libanon

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Zur Frage, ob die Feuerpause zwischen dem Iran und den USA sowie Israel auch für den Libanon gilt, gibt es widersprüchliche Interpretationen. Während die Feuerpause nach iranischen Angaben an allen Fronten greifen soll, hat Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu angekündigt, dass dies für den Libanon nicht der Fall sein werde.

Israel war an den Verhandlungen nicht beteiligt, unterstützt Trumps Entscheidung, die Angriffe auf den Iran für zwei Wochen einzustellen, nach Angaben von Netanjahu aber. (dpa)

Und so präsentiert sich die Lage im Libanon derzeit gegenüber den vergangenen Tagen denn auch unverändert: Das israelische Militär greift im Südlibanon weiter an. «Noch heute Vormittag wurden neue Attacken gemeldet», stellt SRF-Nahostkorrespondent Thomas Gutersohn am Mittwochmittag fest.

Israel schiesst weiter, Hisbollah nicht

Einmal mehr wurden von israelischer Seite auch Evakuierungswarnungen für weite Teile des Südlibanons ausgesprochen.

Israel meldet grössten Angriff auf Hisbollah-Ziele im Libanon

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Israel hat nach eigenen Angaben seinen bislang grössten Angriff seit Kriegsbeginn auf Einrichtungen der radikal-islamischen Hisbollah-Miliz im Libanon vollzogen. Dabei seien auch Kommandozentren der Miliz in der Hauptstadt Beirut getroffen worden, teilte das Militär mit. Die meisten Ziele hätten sich in zivilen Gebieten im ganzen Land befunden.

Die vom Iran alimentierte Hisbollah-Miliz hingegen – ihr gilt die seit mehreren Wochen anhaltende israelische Militäraktion im Süden des Libanons – hat sich bisher an die Waffenruhe gehalten.

Kuwait und Emirate melden Beschuss aus Iran

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Trotz Waffenruhe haben die Golfstaaten Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate Beschuss aus dem Iran gemeldet. Man sei seit dem Morgen mit einer Welle iranischer Angriffe konfrontiert, teilte die kuwaitische Armee mit und habe 28 iranische Drohnen abgefangen. 

Einige der Drohnen hätten auf Ölanlagen und Kraftwerke im Süden des Landes gezielt und Sachschaden an der Infrastruktur und Entsalzungsanlagen verursacht. 

Das Verteidigungsministerium der Emirate teilte auf X mit, die Luftverteidigung sei gegen Raketen- und Drohnenangriffe aus dem Iran im Einsatz. Ballistische Raketen und Drohnen seien abgefangen worden. 

Im iranischen Staatsfernsehen wurden die Angriffe mit Raketen und Drohnen bestätigt. Sie erfolgten in Reaktion auf Bombardierungen iranischer Ölanlagen am Persischen Golf kurz zuvor, hiess es in einer Nachrichtensendung.

«Es wurden von Seite der Hisbollah keine Angriffe auf den Norden Israels oder israelische Soldaten im Libanon registriert», so der Korrespondent. Noch aber gebe es keine offizielle Stellungnahme der Hisbollah, ob sie sich längerfristig an diese Feuerpause halten will.

Die libanesische Regierung kann nur wenig tun.
Autor: Thomas Gutersohn SRF-Korrespondent im Nahen Osten

Wenig Konkretes liess einmal mehr die libanesische Regierung verlauten: «Wie so oft steht sie im Abseits», sagt Gutersohn. Die Regierung begrüsst das Abkommen zwischen dem Iran und den USA sowie Israel – und verurteilt die fortgesetzten Militäraktionen Israels auf dem libanesischen Territorium. «Doch sie kann nur wenig tun.»

Das Einzige, was ihr bleibe, sei die Bevölkerung zu warnen, nicht sofort in ihre Häuser im Süden zurückzukehren. «Es ist deutlich zu spüren, dass im Libanon momentan niemand dieser Waffenruhe traut, zumindest was das eigene Land betrifft», stellt der SRF-Korrespondent fest.

Pfeift Trump Netanjahu zurück?

Ob es sich Israel leisten könne, entgegen dem von Pakistan vermittelten Abkommen weiterhin im Libanon militärisch zu intervenieren, hänge wohl von den USA ab: «Bei der letzten Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA im Sommer 2025 hat sich Israel anfangs auch nicht daran gehalten – und wurde dann von der Trump-Administration zurückgepfiffen», so Gutersohn.

Bei der letzten Waffenruhe im Sommer 2025 wurde Israel von der Trump-Administration zurückgepfiffen.
Autor: Thomas Gutersohn SRF-Korrespondent im Nahen Osten

Für die USA scheinen primär wirtschaftliche Interessen im Vordergrund zu stehen. Und deshalb hat die Strasse von Hormus für Washington eine viel höhere Priorität als die Interessen Israels. Da sei der Krieg im Libanon für die USA eher ein Nebenschauplatz, sagt der Korrespondent.

Deshalb sei es durchaus möglich, dass Trump die Fortsetzung des Krieges im Libanon dulde, solange sich Israel an die Waffenruhe mit dem Iran hält.

Transparenz-Hinweis

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In einer ersten Version dieses Artikels stand im Lead: «Eigentlich sieht das Abkommen mit dem Iran vor, dass die Waffen auch im Libanon schweigen. Doch Israel hält sich nicht daran.» Weil es aber verschiedene Interpretationen darüber gibt, ob das Feuerpause-Abkommen auch für den Libanon gilt, ist der Lead entsprechend geändert worden. Zudem ist die Box «Israel: Feuerpause gilt nicht für den Libanon» eingefügt worden. (Redaktion SRF News)

Rendez-vous, 8.4.2026, 12:30 Uhr ; 

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