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Mehrere Tote im Südlibanon Warum Blauhelmsoldaten zwischen die Fronten geraten

Im Süden des Libanons sind innerhalb von 24 Stunden drei UNO-Friedenssoldaten getötet worden. Mehrere «Blauhelme» wurden zudem verletzt. Die UNO hat eine Untersuchung angekündigt. SRF-Korrespondent Thomas Gutersohn erklärt, warum die Blauhelm-Mission Unifil im Libanon die gefährlichste überhaupt ist.

Thomas Gutersohn

Nahost-Korrespondent

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Thomas Gutersohn lebt seit 2023 in Amman und berichtet für SRF aus dem Nahen Osten. Von 2016 bis 2022 war er als Südasien-Korrespondent tätig, zuvor hat er aus der Westschweiz berichtet. Gutersohn arbeitet seit 2008 bei SRF und hat in Genf Internationale Beziehungen studiert.

Was ist über den Vorfall bekannt?

Bei einer Patrouille im Grenzgebiet im Süden des Libanons sind am Montag zwei Blauhelmsoldaten ums Leben gekommen. Ein weiterer ist am Sonntagabend bei einer Explosion verstorben, wie es in der offiziellen Mitteilung heisst. Unklar ist, wer für die Angriffe verantwortlich ist – also die Hisbollah oder die israelische Armee.

UNO-Generalsekretär verurteilt Angriffe auf Blauhelmsoldaten

Die israelische Armee rückt derzeit in den Südlibanon vor und will ihn besetzen. Schon in den vergangenen Jahren nahm sie wenig Rücksicht auf die Blauhelme und hat ihre Opfer eher als Kollateralschäden in Kauf genommen. Zudem wurden letzte Woche drei libanesische Journalisten und Sanitäter getötet. Zurzeit ist aber – wie gesagt – nicht klar, ob die Urheber der Angriffe aus dem Libanon oder aus Israel stammen.

Wie will die UNO ihre Friedenssoldaten im Libanon schützen?

Die Blauhelmsoldaten patrouillieren in gepanzerten Fahrzeugen. Sie sind auch bewaffnet – zum Selbstschutz. Das schützt sie allerdings nicht vor gezielten Angriffen, gerade durch Panzer oder Raketen. Die Unifil-Mission ist der gefährlichste Einsatz der UNO. Insgesamt kamen seit Beginn des Einsatzes 1978 über 335 Soldaten ums Leben. Das sind mehr als bei jeder anderen Blauhelm-Mission.

Was ist der Auftrag der UNO-Blauhelmtruppen?

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Sie sind seit Ende der 1970er-Jahre im Libanon stationiert. Ihr Kernauftrag ist es, eine Pufferzone zwischen der Hisbollah und Israel zu schaffen. Mit ihrem Einsatz sollen sie die Grenzziehung der beiden Länder aufrechterhalten, die durch eine UNO-Resolution geschaffen wurde. Libanon und Israel haben keine offizielle Grenze, sondern eine sogenannte «Blaue Linie», die von Blauhelmsoldaten bewacht wird.

Aus israelischer Sicht haben die Unifil-Soldaten ihre Mission klar verfehlt, eine solche Pufferzone aufrechtzuerhalten. Die Unifil ist nicht in der Lage, etwa militärisch gegen die Hisbollah vorzugehen. Sie kann lediglich Waffendepots oder Waffenlieferungen der Schiitenmiliz melden – und zwar an die libanesische Armee. Das reicht den Israelis nicht. Deshalb versuchen sie nun erneut, Fakten zu schaffen, indem sie selbst eine Pufferzone errichten. Diese soll weit ins Landesinnere bis zum Litani-Fluss vordringen. Diese Zone würde etwa einen Sechstel des Libanons umfassen.

Sind solche Vorfälle eine Ausnahme oder entsprechen sie einem Trend?

UNO-Blauhelmtruppen gelten als besonders geschützte Personen in bewaffneten Konflikten. Im Libanon mehren sich die Vorfälle allerdings mit der Zunahme an Gefechten in der Grenzregion. 2006 besetzten israelische Truppen weite Teile des Libanons, auch damals kam es zu Zwischenfällen. Ebenso mit Beginn des Krieges Ende 2023.

Zwei Soldaten in Tarnuniform vor zerstörtem Gebäude.
Legende: Auch im vergangenen Jahr mussten sich UNO-Truppen in ihren Bunkern verschanzen, als die israelische Armee vorrückte. Für einige Wochen mussten sie ihre Mission ganz auflösen. Keystone/EPA/Wael Hamzeh (Archiv)

Es macht den Eindruck, als würden gezielte Angriffe auf UNO-Soldaten eine Invasion der israelischen Armee im Südlibanon vorbereiten. Aus israelischer Sicht kommen die UNO-Truppen ihrem Mandat, für Sicherheit im Grenzgebiet zu sorgen, ohnehin nicht nach. Deswegen wollen Israel und auch die USA, dass die Unifil-Mission Ende des Jahres aufgelöst wird.

Wie hoch ist das Risiko für die Friedenstruppen im Kriegsgebiet?

Israel greift den Libanon aus der Luft an und will seine Bodenoffensive ausweiten. Das Risiko ist also hoch für die Blauhelme. Für die Zivilbevölkerung im Südlibanon ist es aber ungleich höher. Diese Menschen verfügen nicht über Bunker oder gepanzerte Fahrzeuge. Zurzeit hat Israel Warnungen für den ganzen Südlibanon und nicht wie im letzten Jahr gezielte Warnungen für einzelne Gebäude oder Gebiete ausgegeben.

Das heisst, dass die gesamte Bevölkerung im Südlibanon Gefahr läuft, Opfer israelischer Angriffe zu werden. Das hat zu einer neuen Fluchtbewegung in den Norden geführt. Derzeit campieren Menschen in der Hauptstadt Beirut, etwa in den Strassen und am Strand. Gleichzeitig sind vor allem ältere Personen nicht in der Lage oder nicht gewillt, zu flüchten. Ihre Hoffnung, wieder in ihre Häuser zurückkehren zu können, ist dieses Mal sehr viel kleiner als noch letztes Jahr.

SRF 4 News, 31.3.2026, 9:15 Uhr ; 

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