Worum geht es? Das israelische Sicherheitskabinett hat laut israelischen Medien mehrere Massnahmen gebilligt, die gemäss Beobachtern zu einer Ausweitung des israelischen Siedlungsbaus führen werden. Konkret geht es darum, dass frühere Regelungen, die den Landkauf von israelischen Siedlern verhindert haben, abgeschafft werden. Zudem sollen laut Angaben Grundbucheinträge im Westjordanland erstmals öffentlich zugänglich gemacht werden. Weiter sollen israelische Behörden künftig bestimmte religiöse Stätten verwalten dürfen.
Was ist das Ziel dieses Schritts? Das Ziel hinter diesem Vorgehen sei kein Geheimnis, sagt Vera Weidenbach, freie Journalistin in Tel Aviv. Sie erwähnt ein Statement von Finanzminister Bezalel Smotrich, in dem er unverhohlen schreibt, dass die israelischen Regierung damit fortfahre, die Idee eines palästinensischen Staates auszulöschen.
Was sagen arabische Staaten und die EU dazu? Saudi-Arabien, die Türkei und andere muslimisch geprägte Länder teilten in einer gemeinsamen Stellungnahme mit, die Entscheidungen verhinderten eine Zweistaatenlösung. Die EU verurteilte die «Entscheidungen des israelischen Sicherheitskabinetts, die israelische Kontrolle im Westjordanland auszuweiten», wie ein Sprecher der EU-Aussenbeauftragten Kaja Kallas sagte.
Was ist Trumps Haltung? US-Präsident Donald Trump hat sich in der Vergangenheit gegen eine israelische Annexion des Westjordanlandes ausgesprochen. Nun ist am Mittwoch ein Besuch des israelischen Staatschefs Benjamin Netanjahu geplant. Deshalb sei der Zeitpunkt dieser Beschlüsse politisch gesehen sehr spannend, sagt die freie Journalistin: «Die Beschlüsse widersprechen nicht nur den Osloer Abkommen, sondern auch der Position von US-Präsident Donald Trump.» Trump habe den arabischen Staaten quasi versprochen, dass Israel die Westbank nicht annektieren werde. Dies gelte als Voraussetzung für die Normalisierung der Beziehungen mit Israel und auch für Trumps Friedensplan. Mit diesen Verfügungen bezogen auf den Landkauf im Westjordanland wolle Netanjahu vermutlich zeigen, dass er sich von den USA die Politik nicht vorschreiben lassen will.