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Übergangsregierung in Syrien Khalil: «Syrien braucht eine Verfassung mit Rechten für Kurden»

In mehreren Schweizer Städten sind diese Wochen Kurdinnen und Kurden auf die Strasse gegangen und haben gegen das Vorgehen der syrischen Regierung in den kurdisch kontrollierten Gebieten in Nordsyrien demonstriert. In Nordsyrien haben die Kurdinnen und Kurden in den letzten Jahren faktisch eine autonome Verwaltung aufgebaut. Nun wollen die syrischen Regierungstruppen die kurdischen Kämpfer in die syrische Armee eingliedern und einen Zentralstaat errichten. Mano Khalil ist syrischer Kurde und erklärt, wieso es überhaupt zu den Kämpfen gekommen ist und was eine Lösung sein könnte.

Mano Khalil

Schweizerisch-kurdischer Drehbuchautor und Regisseur

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Khalil lebt seit 1996 in der Schweiz und dreht Filme. Für seine Filme wurde er mehrfach ausgezeichnet. Bevor er in die Schweiz kam, studierte er in Syrien Recht und Geschichte und absolvierte einen Studiengang für Regie an der Film- und Fernsehfakultät der Akademischen Musischen Künste in der Tschechoslowakei. Seit 2012 führt er die Firma Frame Film GmbH.

SRF News: Wieso kam es in mehreren Schweizer Städten zu Solidaritätskundgebungen mit den Kurden in Syrien?

Mano Khalil: Die Kurden demonstrierten, weil sie von der Welt gehört werden wollen. Wir haben 22'000 junge Menschen im Kampf gegen den IS verloren und nun werden wir im Stich gelassen.

Nachtdemonstration mit Fahnen und Leuchtfackeln auf Strasse.
Legende: Am 21. Januar fand in Bern eine Solidaritätsdemonstration mit den syrischen Kurdinnen und Kurden statt. SRF

Was erfahren Sie aktuell von den Menschen in Nordsyrien?

Sie haben Angst, dass sie, wie die Alawiten vor drei und die Drusen vor zwei Monaten, ebenfalls massakriert werden. 14 Jahre lang herrschte so etwas wie Frieden in dem Gebiet, das von den Kurden kontrolliert wurde.

Nun kommen die ehemaligen IS-Milizen offiziell als Polizisten und Soldaten und werden ihre Werte und ihre Gesetze in kurdischen Gebieten praktizieren.

Was steht für die Kurdinnen und Kurden auf dem Spiel, wenn Damaskus als Hauptstadt wieder vollständig die Kontrolle übernimmt?

Die Kurden praktizieren zum Beispiel den Islam nicht fundamentalistisch. Rojava war eine kleine Oase von Demokratie, Menschlichkeit und Respekt im Nahen Osten. Die Kinder konnten die kurdische Sprache lernen und die Frauen hatten ihre Rechte.

Eine Karte mit schraffierten Gebieten.
Legende: Das von den Kurden selbstverwaltete Gebiet wird auch Rojava genannt. SRF

Und nun kommen die ehemaligen IS-Milizen offiziell als Polizisten und Soldaten. Sie werden ihre Werte und ihre Gesetze in kurdischen Gebieten praktizieren. Das geht nicht. Wir wollen keinen IS, keinen Fundamentalismus. Die Kurden möchten das nicht.

Wir brauchen in Syrien eine Verfassung, in der die kurdischen Rechte festgehalten sind.

Die Übergangsregierung verspricht, dass sie die kurdische Sprache und kulturelle Rechte respektieren will – warum fällt es vielen schwer, das zu glauben?

Wir brauchen in Syrien eine Verfassung, in der die kurdischen Rechte festgehalten sind. Es geht um Künstlerrechte, Frauenrechte, Kinderrechte, um kulturelle, politische und ökonomische Rechte, das sollte alles in einer Verfassung stehen. Und das gibt es nicht. Stattdessen kommt Übergangspräsident Al-Scharaa und sagt: «Seht ihr, wie ich gut bin? Ich habe euren Newroz zum staatlichen Feiertag erklärt.» Aber das bringt mir nichts. Ich brauche meine Rechte.

Was kann die Übergangsregierung tun, um das Vertrauen der kurdischen Bevölkerung zu gewinnen?

Wie gesagt, Syrien braucht eine Verfassung, in der steht: Es gibt ein kurdisches Volk. Dieses Volk hat seine Kultur, seine Sprache, seine Religion. Das muss als Teil dieses Landes anerkannt werden.

Das Gespräch führte Martina Koch.

SRF 4 News, 22.1.2026. 07:23 Uhr ; 

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