Manchmal sagt der Tonfall einer Stimme mehr, als die Worte, welche diese Stimme spricht. Vor allem bei einer Stimme, die man gut kennt.
Aus dem Tonfall des palästinensischen Schriftstellers Akram Surani aus Gaza-Stadt war in den letzten zwei Jahren vieles herauszuhören: Angst und Verzweiflung, dann wieder Zuversicht. Manchmal hörte man Surani an, dass er Durst hatte, oder krank war.
Doch egal, wie schlecht es ihm gerade ging: In seiner Stimme schwang immer auch Humor mit, wie in seinen sarkastischen Texten, mit denen er die Absurdität des Lebens im Gazastreifen – zwischen israelischer Militärmacht und dem islamistischen Regime der Hamas – stets auf den Punkt brachte.
Wir leiden in unseren Zelten, oder was nach den Stürmen von ihnen übrig geblieben ist.
Jetzt sucht man in seiner Stimme vergeblich eine humorvolle Note: Man hört nur seine grosse Not.
Kaum Hilfe in den noch funktionierenden Spitälern
«Die Lebensbedingungen sind unerträglich, besonders bei diesem Wetter. Wir leiden in unseren Zelten, oder was nach den Stürmen von ihnen übrig geblieben ist, in den Ruinen unserer Häuser», sagt Surani etwa. Und weiter: «Wir können uns nicht einmal das Nötigste leisten, weil die Preise so hoch sind. Die Stadt, die Strassen, die Spitäler: Alles ist zerstört.»
Es gebe viele Menschen mit Krebs, Nierenleiden, Verbrennungen, Hautkrankheiten, und psychischen Leiden. Doch die Spitäler seien nicht annähernd in der Lage, allen zu helfen, erzählt Akram Surani in einer Sprachnachricht vom 13. Januar.
Beschäftigt mit der Suche nach Essen
«Wir sind ständig beschäftigt mit der Suche nach Wasser, nach Lebensmitteln, Winterkleidung und Medikamenten. Es gibt keine Transportmöglichkeiten, weil wir kaum Benzin haben. Und noch immer beschiessen uns Flugzeuge. Unser Leben ist unmenschlich und wir haben unsere Würde verloren», sagt der verheiratete Vater von zwei schulpflichtigen Kindern.
Seit mehr als zwei Jahren sind die Kinder im Gazastreifen nicht mehr zur Schule gegangen. Es gebe zwar noch die eine oder andere Privatschule, sagt Surani. Doch die seien unerschwinglich für die meisten Familien. Darum lernten die Kinder, wenn möglich, in Zelten, die mehr schlecht als recht als Schulen dienten. Oder online auf dem Handy, wenn das Internet funktioniere. «Oder gar nicht.»
Die Welt erlebt gerade so viele Tragödien, dass sie die zwei Millionen Palästinenser im Gazastreifen nicht hört und sieht.
Der Gazastreifen war bereits vor dem Krieg einer der weltweit am dichtesten besiedelten Orte. Inzwischen ist der grösste Teil der rund zwei Millionen Menschen von der israelischen Armee auf noch vierzig Prozent der Landfläche zusammengedrängt worden.
Die Hoffnung ist erloschen
«Wir warten auf diesen Friedensrat, den US-Präsident Trump einsetzen will. Und auf das, was als nächstes passiert», sagt Surani.
Akram Suranis Wohnung in Gaza-Stadt wurde kurz vor Inkrafttreten der Waffenruhe im Oktober 2025 noch von israelischen Bomben schwer beschädigt. Langsam wird auch dem sonst so hoffnungsvollen Schriftsteller bewusst: Ein einigermassen normales Leben wird es im Gazastreifen auf Jahre hinaus nicht geben.
«Die Welt erlebt gerade so viele Tragödien, dass sie die zwei Millionen Palästinenserinnen und Palästinenser im Gazastreifen nicht hört und sieht», stellt er desillusioniert fest.
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