Was ist passiert? Melania Trump, Ehefrau von US-Präsident Donald Trump, hat eine überraschende Medienkonferenz abgehalten. Vor dem Weissen Haus in Washington sprach die First Lady über ihre Beziehung zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Ihr Auftritt dauerte knapp sechs Minuten. Laut Medienberichten war der US-Präsident in den Auftritt nicht eingeweiht.
Was hat Melania Trump konkret gesagt? Lügen über ihre Beziehung zu Epstein müssten aufhören, forderte die First Lady vor den Medien. «Ich hatte nie eine Beziehung zu Epstein oder seiner Komplizin Maxwell.» Sie sei mit Epstein nie befreundet und auch nie auf seiner Privatinsel oder in seinem Flugzeug gewesen. Sie und ihr Ehemann seien lediglich zu den gleichen Partys eingeladen worden. Ihren E-Mail-Verkehr mit der Epstein-Vertrauten Ghislaine Maxwell bezeichnete sie als «beiläufige Korrespondenz». Sie sei auch «kein Opfer von Epstein», sagte die US-First-Lady – Epstein hätte Donald Trump und sie nicht miteinander bekannt gemacht.
Warum sorgt der Auftritt für Spekulationen? An der Medienkonferenz irritiert nicht zuletzt der Zeitpunkt. Es ist unklar, warum sich die First Lady ausgerechnet jetzt zu Epstein äussert. Bislang hatte das Weisse Haus stets versucht, Fragen nach der Beziehung des US-Präsidenten zu dem Sexualstraftäter beiseitezuwischen. Die First Lady scheint nun proaktiv handeln zu wollen. Das nährt den Boden für Spekulationen.
Was sagen die Medien konkret? Fragen durften die anwesenden Medienvertreterinnen nicht stellen. Umso mehr kocht jetzt die Gerüchteküche. «Okay, also wer bringt jetzt die Melania/Epstein-Story raus, der sie gerade zuvorkommen wollte?», fragt etwa der Podcaster Jon Favreau, ein ehemaliger Redenschreiber von Barack Obama, auf X. In ein ähnliches Horn blies die Korrespondentin des US-Fernsehsenders CNN. Sie sprach über Gerüchte, dass sich Melania Trump vorsorglich schützen wolle. Nach Ansicht solcher Kommentare reagiert die First Lady auf Behauptungen, die vor der Konferenz so kaum jemand prominent geäussert hat.
Was sagt die Politik? Fraglich ist, ob nun auch auf dem politischen Parkett neuer Wind in die Epstein-Affäre kommt. Das erhofft sich etwa der Abgeordnete Robert Garcia. Der ranghohe Demokrat beschäftigt sich im Kontrollausschuss des Repräsentantenhauses mit den Epstein-Akten. Er sagte in einem Interview, man sei in dem Gremium ebenfalls überrascht über den Auftritt der First Lady gewesen. Ihr Statement werfe die Frage auf, ob sie mehr wisse als der Kongress. Andere Medien wie der konservative Sender Fox News oder die Republikanerin Nancy Mace betonen, dass sich Melania Trump mit ihrem Statement für die Opfer von Epstein einsetze. Die First Lady selbst sagte zum Schluss ihrer Rede: «Jede einzelne Frau sollte auf Wunsch die Gelegenheit bekommen, ihre Geschichte öffentlich zu erzählen» – unter Eid, vor dem Kongress.
Das sagen die Opfer von Epstein: 15 Opfer von Jeffrey Epstein haben in einem gemeinsamen Brief reagiert. Sie kritisieren die First Lady. Melania Trump werfe die Last auf die Opfer zurück. Sie hätten ihre Erlebnisse, ihre Geschichten bereits geschildert. Nun müsse die Politik aktiv werden. Und: Die Opfer appellierten an die Regierung, alle Epstein-Akten zu veröffentlichen.