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Amazonas: Abholzung geht ungebremst weiter
Aus Rendez-vous vom 01.06.2021.
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Regenwaldrodung in Brasilien Illegaler Holzhandel: Bolsonaros Umweltminister unter Verdacht

Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro hat den Regenwaldschutz systematisch geschwächt. Nun gerät sein Umweltminister ins Visier der Justiz.

Das meiste Tropenholz in Brasilien wird illegal gefällt und dann mit gefälschten Dokumenten exportiert. Mit Genehmigung eines Richters des Obersten Gerichtshofs untersuchte die Bundespolizei letzte Woche Konten, Büros und Wohnungen von Umweltminister Ricardo Salles. Er steht im Verdacht, in einen illegalen Holzhandel verwickelt zu sein.

Salles weist alle Vorwürfe zurück: «Ich möchte hier meine Überraschung kundtun. Diese Aktion finde ich übertrieben und unnötig – denn ich stand stets zur Verfügung, um über sämtliche Fragen Auskunft zu geben.»

Ich stand stets zur Verfügung, um über sämtliche Fragen Auskunft zu geben.
Autor: Ricardo SallesUmweltminister, Brasilien

Salles ist die Schlüsselfigur in Brasiliens umstrittener Umweltpolitik und einer der wichtigsten Minister in der Regierung von Präsident Bolsonaro. In den letzten zweieinhalb Jahren hat der Umweltminister durch Budget- und Personalkürzungen alle Kontroll- und Überwachungsinstitutionen im Regenwald reduziert oder geschlossen. Unter Salles wurden die Aktionen gegen Holzfäller gestoppt und kaum noch Strafen verhängt.

Leere Versprechungen am US-Klimagipfel

Genau das Gegenteil hat Präsident Jair Bolsonaro vor einem Monat am US-Klimagipfel versprochen: «Ich betone hier unser Versprechen, die illegale Abholzung bis 2030 abzuschaffen. Obwohl unsere Regierung knapp bei Kasse ist, habe ich die Stärkung der Umweltbehörden angeordnet. Das Budget für die Kontrollen wird verdoppelt.»

Obwohl unsere Regierung knapp bei Kasse ist, habe ich die Stärkung der Umweltbehörden angeordnet.
Autor: Jair BolsonaroPräsident von Brasilien in seiner Ansprache am US-Umweltgipfel

Weniger als 24 Stunden nach dieser Rede auf dem Klimagipfel kürzte Bolsonaro das Budget für das Umweltministerium um 24 Prozent. Nach jahrelangen Einsparungen droht nun eine komplette Lähmung der Umweltbehörden.

n Minister of the Environment, Ricardo Salles (L), and President of Brazil, Jair Bolsonaro (R), participate in the March of the Christian Family for Freedom, in Brasilia, Brazil, 15 May 2021. Supporters of Bolsonaro promoted rallies throughout Brazil as the head of stateâÄ™s popularity is at its lowest level since he took office. EPA/Joedson Alves
Legende: Umweltminister Ricardo Salles (L) und Präsident Jair Bolsonaro (R) am «March of the Christian Family for Freedom» am 15. Mai 2021 in Brasilia. Bolsonaros Umfragewerte sind wegen der Verharmlosung der Pandemie auf einen Tiefststand. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss prüft aktuell die Leistungsbilanz des Staatschefs während der Pandemie. Keystone/Archiv

Auf dem Klimagipfel hatte Bolsonaro zudem versprochen, das Amazonasgebiet besser zu schützen. Satellitenbilder aber zeigen: Es wird mehr und mehr gerodet. Im Amazonas waren es im April rund 500 Quadratkilometer Regenwald. Das entspricht 81'000 Fussballfeldern. Laut dem brasilianischen Weltraumforschungsinstitut INPE wurde 43 Prozent mehr gerodet als im April vor einem Jahr.

Mit Bolsonaro stieg der Druck auf den Regenwald

Marcio Astrini, Direktor der brasilianischen Umwelt-Denkfabrik «Observatório do Clima», stellt fest: «In Wahrheit gibt es keinen Zusammenhang zwischen dem, was Bolsonaro im Ausland redet und dem, was er hier in Brasilien sagt und tut.»

Sieben Minuten lang Lügen auf dem Klimagipfel stünden zwei Jahren mit täglichen Aktionen gegen die Umwelt gegenüber, so Astrini: «Die Regierung ist nicht auf der Seite des Waldes oder der Indigenen – sie ist auf der Seite der Umweltverbrecher.»

Die Regierung ist nicht auf der Seite des Waldes oder der Indigenen – sie ist auf der Seite der Umweltverbrecher.
Autor: Marcio AstriniDirektor der Umwelt-Denkfabrik «Observatório do Clima»

Seit Beginn seiner Amtszeit stellt sich Bolsonaro stets an die Seite der Holz- und Fleischindustrie. Diese benötigt immer wieder neue Weideflächen für die Aufzucht immer grösserer Herden von Masttieren wie vor allem Rindern. Aber nicht nur diese Industrie ist einflussreich.

Gut möglich, dass Umweltminister Ricardo Salles die Untersuchungen der Justiz politisch überstehen wird. Der für den Fall zuständige Generalstaatsanwalt gilt als Bolsonaro-Vertrauter.

Rendez-vous, 01.06.2021, 12:30 Uhr

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48 Kommentare

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  • Kommentar von Martin Hofer  (MartinSurfeu)
    Das Unheil im Amazonas begann in der 1960ern mit den brasil. Militärregierungen als die Transamazonica Strasse gebaut wurde. 100'000 von Menschen wurden seither mit Gratisland in den Amazonas gelockt, ebenso wurden tausende von Strassen entlang der Transamazonicea in alle Himmelsrichtungen geschlagen und neue Siedlungen sind entstanden. Korrupte Politiker verdienen Millionen. Der Wald wird auch von Innen nach Aussen zerstört. Die Frage ist nicht ob, sondern wie und wann der Amazonas kollabiert.
  • Kommentar von Willi Meier  (wm)
    Wir selbst haben seinerzeit fast alle unsere Wälder radikal abgeholzt. Schon vergessen?
    1. Antwort von Claudia Beutler  (Claudia)
      Wir haben aber die Folgen gesehen und gelernt das es keine gute Idee war. Zumal vom Amazonas das ökologische Gleichgewicht stärker abhängt als von Schweizer Wäldern.
  • Kommentar von Norbert Zeiner  (ZeN)
    Wieso ist nicht einfach der Brasilianische Umweltminister unter Verdacht, sondern Bolosonaro's Umweltminister. Ein Schelm der da Bewirtschaftung eines medialen Narrativs zu sehen glaubt.
    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Weil Bolsonaro der Staatschef ist und er meistens seine Minister selber bestimmt.
    2. Antwort von Claudia Beutler  (Claudia)
      Weil Bolsonaro diesen Umwelt Inkster nur aus einem Grund ernannt hat. Weil es ein gleichgesinnte Kumpel ist, der sich ganz sicher nicht für Umweltschutz und den Amazonas interessiert.