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Milliardenschwere Blockade des Suezkanals
Aus Tagesschau vom 26.03.2021.
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Schiffshavarie Frachter blockiert Suezkanal: Das müssen Sie wissen

Seit Tagen geht in der wichtigsten Seestrasse der Welt nichts mehr. Was bedeutet dies für den Ölpreis und lebensnotwendige Waren?

Was ist passiert? Seit Dienstag ist die «Ever Given» festgefahren. Das 400 Meter lange Containerschiff der taiwanischen Reederei Evergreen war auf Grund gelaufen, weil der Kapitän schlechte Sicht wegen eines Sandsturms hatte. Seither geht im Suezkanal nichts mehr, fast 300 Schiffe warten darauf, weiterfahren zu können.

Warum ist der Suezkanal so wichtig? Durch das 193 Kilometer lange Nadelöhr, das das Rote Meer mit dem Mittelmeer verbindet, werden etwa 30 Prozent des weltweiten Containervolumens und etwa zwölf Prozent aller Waren verschifft. 2020 durchfuhren laut Suezkanal-Behörde fast 19'000 Schiffe den Kanal, im Schnitt gut 50 am Tag. Laut Analysten transportieren sie täglich Güter im Wert von bis zu zehn Milliarden Dollar.

Für welche Güter ist die Strecke wichtig? Besonders für den Transport von Öl und Flüssiggas aus dem Mittleren Osten nach Europa. Bezogen auf den weltweiten Ölhandel sind das laut Experten allerdings nur 4.4 Prozent.

Was bedeutet die Blockade für den Welthandel? Laut einer Studie der Allianz kostet eine anhaltende Blockade des Kanals jede Woche sechs bis zehn Milliarden US-Dollar. Der deutsche Industrieverband BDI erklärt, dass die 6000 Kilometer lange Umleitung des Schiffsverkehrs über Südafrika und das Kap der Guten Hoffnung wegen der volatilen Ölpreise und der eine Woche längeren Transportzeit extrem teuer ist.

Werden Öl und Benzin in der Schweiz nun teurer? Auf die Versorgung mit Öl und Benzin in der Schweiz dürfte die Blockade nach Ansicht des Treibstoffverbands Avenergy keine Auswirkungen haben. Die Schweiz sei ein kleiner Verbraucher und werde vor allem aus Raffinerien entlang des Rheins sowie aus dem Raum Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen mit Heizöl und Treibstoffen versorgt. Die Lagerbestände seien gross genug.

Und andere wichtige Güter? Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) geht nicht von Engpässen bei der Versorgung mit lebenswichtigen Gütern aus.

Welche weiteren Waren für die Schweiz sind betroffen? Bei der Migros hiess es, sie importiere aus China ein sehr breites Produkteportfolio. Aus Thailand kämen zahlreiche Konserven wie etwa Ananas, während man aus Vietnam und Indien Möbel und Textilien beziehe. Migros- Sprecher Marcel Schlatter beruhigt aber: «Wir gehen derzeit nicht von Nachschubproblemen aus. Es hat genügend Ware in der Schweiz an Lager.»

Sind Schweizer Firmen direkt von der Blockade betroffen? Ja, etwa der weltgrösste Logistiker Kühne+Nagel mit Sitz in Schindellegi. Laut einem Unternehmenssprecher warten derzeit etwa 19'000 Standardcontainer (das entspricht etwa der Ladung eines grossen Containerschiffs) im Auftrag von Kühne+Nagel auf verschiedenen Frachtschiffen rund um den Suezkanal auf die Weiterreise.

Wie geht es weiter? Bislang versuchen zehn Schlepper, die «Ever Given», die zu den grössten Frachtschiffen der Welt gehört, zu befreien. Nach Angaben der Suezkanal-Behörde ist zudem ein Baggerschiff dabei, 15'000 bis 20'000 Kubikmeter Sand abzusaugen, um den Frachter freizulegen – ohne Fortschritte. Eventuell muss das Schiff entladen werden, um sein Gewicht zu verringern.

Wann ist der Suezkanal wieder frei? Die Experten sind sich uneinig: Die Bergung könnte Tage oder Wochen dauern. Ein Sprecher der Besitzer-Firma Shoei Kisen Kaisha sagte, man wolle versuchen, das Containerschiff am Samstag flottzubekommen. Ansonsten sei geplant, am Sonntag zwei weitere Schlepper einzusetzen.

Tagesschau vom 26.03.2021, 12.45 Uhr;

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25 Kommentare

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  • Kommentar von Manu Meier  (Manuel Meier)
    Auf dem Changchun-Shenzhen Expressway hat sich heute ein Lastwagen mit einem Evergreen Container quer auf der Autobahn verkeilt. Welch Ironie :)
  • Kommentar von Oskar Wagner  (wingman)
    Tja, wir brauchen gar keine Pandemie, um die Weltwirtschaft an die Wand zu fahren. Eine unfähige Schiffbesatzung reicht vollkommen...
    1. Antwort von Sam Meier  (tsam39947)
      Aus den Medienberichten hat man zu wenig Informationen, um der Schiffsbesatzung Schuld zu geben. Der Verdacht besteht aber natürlich.
    2. Antwort von Max Wyss  (Pdfguru)
      Es heisst, dass mehrere Lotsen und weitere mit dem Kanal vertraute Leute die Besatzung an Bord kommen und sehr weitgehende Kompetenzen haben.

      Offensichtlich ist das Befahren des Suez-Kanals gerade für grosse Schiffe schon nicht so trivial.
  • Kommentar von Roland Burkhardt  (Mikosch)
    @Andy Gasser: Ja, habe ich. Dies ändert aber nichts an meiner Bemerkung. So lange nur der Tiefgang der Schiffe massgebend ist, können solche Unglücke nicht ausgeschlossen werden. Zudem bin ich kein Schifffahrtsexperte. Ich versuche nur vernünftig zu denken.