Seitdem Donald Trump US-Präsident ist, hat sich in den USA vieles verändert. Barbara Colpi, seit vier Jahren USA-Korrespondentin von Radio SRF, schildert die tiefgreifenden Veränderungen in Washington D.C. und den Vereinigten Staaten.
Wie hat sich die Berichterstattung über die USA seit der aktuellen Präsidentschaft verändert?
Die Berichterstattung ist unberechenbarer geworden. Man weiss morgens nicht, worüber man abends berichten wird, da der Präsident ständig Nachrichten über soziale Medien verschickt. Es erfordert eine ständige Einschätzung, ob diese Nachrichten wichtig sind oder nicht.
Gibt es Unterschiede in der Wahrnehmung der US-Politik zwischen der Schweiz und den USA?
Ja, in der Schweiz erfährt man durch Push-Nachrichten der Medien viel über die US-Politik. In den USA ist man oft gelassener. Dort gibt es neben dem Präsidenten viele andere Themen, und die Menschen verfolgen nicht jeden Schritt und jede Aussage so aufmerksam. Lokalpolitische Themen, wie die Verschmutzung durch Abwasser im Fluss Potomac in Washington D.C., dominieren oft die Gespräche.
Welche Veränderungen sind in Washington D.C. am auffälligsten?
Die grösste Veränderung ist die Präsenz der Nationalgarde, die seit dem letzten Sommer dauerhaft in Washington ist und voraussichtlich bis zum Ende der Amtszeit des Präsidenten bleiben wird. Washington ist der einzige Ort, an dem die Nationalgardisten bewaffnet sind, was die Atmosphäre in der Stadt verändert hat.
Welche Auswirkungen hat die Präsenz der Einwanderungsbehörde ICE?
Die Präsenz der ICE-Beamten führt zu Angst bei vielen lateinamerikanischen Einwohnerinnen und Einwohnern, selbst wenn sie legal im Land sind. Der Essenslieferdienst, der oft von Latinos betrieben wird, ist zusammengebrochen, da viele aus Angst zu Hause bleiben.
Wie ist die Stimmung in republikanischen Bundesstaaten wie Missouri?
Dort herrscht eine gewisse Müdigkeit gegenüber dem Hass und der Polarisierung. Die Menschen in Kansas City zum Beispiel sind sehr freundlich und empfinden den aktuellen Zustand als «nicht sehr amerikanisch». Sie wünschen sich mehr Freundlichkeit und weniger Hass, selbst bei politischen Meinungsverschiedenheiten.
Haben sich die Lebenshaltungskosten in den USA wie versprochen gesenkt?
Nein, die Lebenshaltungskosten sind nicht günstiger geworden, sondern werden immer noch teurer. Insbesondere Lebensmittel und Freizeitaktivitäten sind sehr teuer. Die steigenden Benzin- und Dieselpreise machen die Menschen wütend und verzweifelt.
Wie wirkt sich der Krieg auf die Gesellschaft und die Bevölkerung aus?
Der Krieg hat in der Bevölkerung, selbst bei den Anhängern des Präsidenten, zu Enttäuschung geführt. Viele fühlen sich verraten, da der Präsident sein Versprechen gebrochen hat, Kriege zu beenden. Die Mehrheit der Amerikanerinnen und Amerikaner missbilligt den Krieg, insbesondere wenn amerikanische Soldaten sterben müssen.