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Syrische Flüchtlinge und die Präsidentschaftswahlen
Aus Echo der Zeit vom 25.05.2021.
abspielen. Laufzeit 07:45 Minuten.
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Syrische Teenager in Libanon Die Furcht vor dem 15. Geburtstag im Flüchtlingslager

In libanesischen Camps wachsen viele junge Syrerinnen und Syrer ohne Zukunft auf. Eine von ihnen die 14-jährige Sham.

Ein schmaler Weg führt an den Zelten des syrischen Flüchtlingslagers am Dorfrand von Ketermaya vorbei. In diesem inoffiziellen Lager im Choufgebirge südöstlich der libanesischen Hauptstadt Beirut lebt Sham, seitdem sie sechs Jahre alt ist. Nun ist sie 14 und hat Angst vor ihrem 15. Geburtstag. «Hier verheiraten Eltern ihre Kinder jung», sagt Sham, die ursprünglich aus Ost-Ghouta stammt, einer der am brutalsten umkämpften Städte in Syrien.

Jede Nacht schaue ich mich an und habe Angst, 15 oder gar 16 zu werden.
Autor: Sham14-jähriges Mädchen aus Syrien

«Wenn ich auch noch mit 15 hier bin, werden mich meine Eltern loswerden», sagt Sham, und fordert ihre nur wenig ältere Freundin auf, zu sagen, wie es bei ihr ist. «Ich bin verheiratet und habe zwei Buben», sagt diese. Dank ihrer Heirat entkam sie dem Flüchtlingslager. Allerdings nur kurz: Ohne Arbeit konnte ihr Mann die Wohnungsmiete nicht bezahlen, nun leben sie wieder in einem Zelt. Bevor ihre Freundin weiterreden kann, sagt Sham: «Siehst du?»

Lager von aussen
Legende: Improvisierte Zelte im Lager südöstlich von Beirut, in dem auch Sham lebt, seit sie klein ist. SRF

«Meine Mutter kam als junge Frau hierher, und schau, wie alt sie jetzt ist.» Sham meint damit die acht Jahre, die vergangen sind, seitdem ihre Eltern aus Syrien ins Nachbarland Libanon geflohen sind. «Jede Nacht schaue ich mich an und habe Angst, 15 oder gar 16 zu werden, und noch immer hier zu sein.»

Traum vom Leben in Grossbritannien

Der Weg führt an Zelten vorbei, in denen junge Frauen mit ihren Kindern sitzen. Gleichaltrige, unverheiratete Freundinnen hat Sham hier keine, und auch keine Privatsphäre. Sie öffnet eine Holztüre, die zum Vorraum ihres Zeltes führt. Über die Jahre hat es die Familie zu einer etwas stabileren Behausung gemacht. Dass sie überhaupt hier sein darf, verdankt sie einem Unternehmer, der den Flüchtlingen ein Grundstück zur Verfügung stellt.

Töff im Lager
Legende: Ein Unternehmer hat Shams Familie und anderen Flüchtlingen das Gelände zur Verfügung gestellt. SRF

Shams Mutter sitzt im kleinen Raum am Boden. Sie lässt ihre Tochter reden. «Es ist ein kleiner Raum, in dem wir zu sechst leben und schlafen», sagt die Jugendliche, und erzählt, dass einige ihrer Freundinnen mehr Glück hatten als sie. Sie hätten es nach Grossbritannien geschafft, schickten ihr Bilder von Wohnungen mit fliessendem Wasser und von schönen Schulen.

Es ist furchtbar, dass ich keine Schulbildung habe.
Autor: Sham14-jähriges Mädchen aus Syrien

Sie selbst ging in den letzten Jahren fast nie zur Schule: wegen des Krieges, der Flucht – und mangels Zugang zu den öffentlichen Schulen in Libanon. «Ich rede Arabisch, aber lesen kann ich nicht, weder Arabisch noch Englisch», sagt die 14-Jährige. «Es ist furchtbar, dass ich keine Schulbildung habe.» Aber noch schlimmer als die fehlende Schulbildung sei, dass sie nach all den Jahren noch immer hier in diesem Flüchtlingslager sei. Das lasse sie verzweifeln.

«Ich habe keine Zukunft», sagt die 14-jährige Sham. Nach Syrien zurückkehren wollen ihre Eltern nicht, weil sie dort alles verloren haben. Libanon möchte aber, dass die syrischen Flüchtlinge zurückkehren, und kümmert sich nicht um sie. Für Jugendliche wie Sham ist es eine Sackgasse.

Präsidentenwahl in Syrien: Sieger steht fest

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Wahlplakat Assads
Legende: Keystone

Am Mittwoch wählt Syrien einen neuen Präsidenten. Das Wahlresultat steht jetzt schon fest. Der Sieger heisst – wie schon seit mehr als 20 Jahren – Bashar al Assad. Ernstzunehmende Gegner Assads wurden als Kandidaten gar nicht erst zugelassen. Ein grosser Teil der Wahlberechtigten kann oder will zudem gar nicht wählen: Über 6.5 Millionen Menschen flohen seit 2011 vor dem Krieg. Viele von ihnen leben in Lagern in Libanon. Etwa gleich viele sind innerhalb Syriens vertrieben worden – teilweise in Gebiete, die noch nicht wieder unter Assads Kontrolle sind.

Echo der Zeit, 25.05.2021, 18:00 Uhr

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Annemarie Engler-Jakober  (wöma)
    Habe schon lange so 1 Beitrag gewünscht.Danke Frau Brunner,eine der Tragödie i.nahen Osten die sich seit 10 Jahren vor unseren Augen abspielt,kein
    Aufschrei v NGO’S,keine Resolutionen der UN gegen Syrien,keine Demonstration i Westen,still u leise werden die Syrer generell u i Libanon sich selber überlassen,keine Millionen Hilfe,keine Besserwisser Kommentare, eigentlich kein Interesse am nahen Osten,wo noch vor 1 Woche die Kommentarspalten überquollen, bezüglich Gaza Israel. Einfach nur traurig.
  • Kommentar von Jeanôt Cohen  (Jeanot)
    Schrecklich und ungerecht. Frage nur noch staunend wo dann jetzt die Demonstrationen von gewissen Kreise in Europas Städter bleiben!?
  • Kommentar von Jack Hauser  (apache64)
    Da trifft Elend auf mittelalterliche Wertvorstellungen, sprich Religion. Eine schlechte Kombination.