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Legende: Audio Mugabes langer Schatten über Simbabwe abspielen. Laufzeit 04:43 Minuten.
Aus Echo der Zeit vom 06.09.2019.
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Tod eines Langzeitdiktators «Mugabe war eigentlich eine schwache Person»

Vom Hoffnungsträger zum Symbol einer repressiven Maschinerie: Ein früherer Weggefährte des Diktators blickt zurück.

Robert Mugabe war die Blaupause für viele Despoten Afrikas. Und ein sehr netter Mensch, erzählt Ibbo Mandaza: Doch die Macht verändere Menschen, Mugabe sei von einem liebenswürdigen Mann zu einem Symbol für alles Negative in Simbabwe geworden.

Politikwissenschaftler Mandaza lernte Mugabe in den 1970er-Jahren kennen, arbeitete für dessen Regierung und sagte sich später von ihm los. Das spürt man im Gespräch, da gibt’s keine Lobhudelei.

Ibbo Mandaza
Legende: Ibbo Mandaza: Der frühere Weggefährte und spätere Mugabe-Kritiker schreibt zurzeit an einer Biografie über den Diktator. Youtube

Mit dem Präsidentenamt kam der Wechsel

Mugabe sei ein durchschnittlicher afrikanischer Nationalist gewesen, der wie viele Aktivisten aus der Mittelschicht stammte. Er war Lehrer. Gebildete, unzufriedene Männer wie er trieben den Wandel voran.

Nach der Unabhängigkeit im Jahr 1980 amtete Mugabe als Premierminister und galt als Hoffnungsträger. Als Landesvater, der Schwarze und Weisse Simbabwer in eine gemeinsame Zukunft führen kann. Die Landwirtschaft erzeugte Überschüsse, Schulen und Gesundheitswesen standen besser da als in anderen afrikanischen Staaten.

Die enorme Macht des Präsidenten war die Wurzel allen Übels.
Autor: Ibbo MandazaPolitologe

Doch bereits Mitte der 1980er-Jahre veränderte sich das Bild Simbabwes, als Mugabe einen regionalen Aufstand blutig niederschlagen liess. Und mit der Ernennung zum Präsidenten 1987 sei der Mann zum Problem geworden, erzählt Mandaza: «Die enorme Macht des Präsidenten war die Wurzel allen Übels. Er wurde zum Symbol einer repressiven Maschinerie.

Mugabe war eine unsichere Persönlichkeit, aber durchaus auch machiavellistisch.
Autor: Ibbo MandazaPolitologe

Diese Maschinerie lief wie geschmiert. Mugabe verschärfte die Gesetze, die Sicherheitskräfte gingen gegen Oppositionelle, Protestierende und Streikende vor. Der Präsident sei eigentlich eine schwache Person gewesen, ist Mandaza überzeugt: eine unsichere Persönlichkeit, doch durchaus auch machiavellistisch.

Böses Erwachen mit Mangagwa

In seinem Umfeld wechselte Mugabe ständig die Personen aus, damit ihm niemand gefährlich wurde. Bis 2017, als er seinen Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa feuerte. Dieser schlug mit Hilfe der Armee zurück und erzwang den Abgang des Präsidenten.

Robert Mugabe an der jährlichen Peoples Conference vom 17. Dezember 2016 in Masvingo.
Legende: Robert Mugabe an der jährlichen Peoples Conference vom 17. Dezember 2016 in Masvingo. Keystone/Archiv

Jubel brandete auf, Leute feierten auf der Strasse. Heute sind sie ernüchterter denn je. Mit dem neuen Präsidenten Mangagwa hat sich wenig geändert. Die Leute hätten realisiert, dass Mugabe nur ein Teil der Staatsmaschinerie gewesen sei, so Mandaza: «Die Grausamkeiten des Staates sind gar noch schlimmer geworden.»

Davon berichten auch Oppositionelle im heutigen Simbabwe: Sicherheitskräfte in zivil verschleppen und foltern missliebige Personen. Demonstrationen sind untersagt. Die Angst regiert. Und die Wirtschaft liegt am Boden. Auch das ist ein Erbe der Ära Mugabe. Von der Enteignung der weissen Bauern um die Jahrtausendwende hat sich Simbabwe nie ganz erholt.

Neubeginn ausgeblieben

Heute ist die Inflation wieder hoch, der Strom r rationiert, Benzin und Bargeld knapp. Das Land ist hochverschuldet. Der versprochene Neubeginn von Mugabes Nachfolger Mnangagwa ist in den Startblöcken steckengeblieben. Es sind noch immer dieselben korrupten Machtmenschen am Ruder.

Mandaza gibt der Regierung nicht viel Kredit: «Sie ist unfähig, Simbabwe politisch oder wirtschaftlich zu reformieren. Darum bin ich pessimistisch. Doch ich bin auch optimistisch. Es wird nicht mehr lange so weitergehen und die Simbabwer werden wieder aufstehen.» Anzeichen dafür gibt es jedoch noch nicht. Mugabe ist tot, doch sein System lebt weiter.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von A. Keller  (eyko)
    In vielen Staaten Afrikas ist es leider so, dass einmal als Regierungschef gewählt und trotz vielen Versprechungen Wohl für das Volk die meisten dieser Herrscher zu Diktatoren werden und das Volk jahrelang unterdrücken. Die Macht, die Gier nach Geld aus Gold, Edelsteinen usw. arbeiten sie mit ihren Gehilfen in ihre eigene Tasche. Die Grausamkeiten vieler dieser Staaten sind noch schlimmer geworden, das Volk darbt, keine Entfaltungsmöglichkeiten und Bildung für junge Leute.
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Das trifft auf alle skrupellosen, Gewalt-Herrscher zu! "Menschen" haben physische Gewalt nicht nötig! Natürlich gibt es auch psychische und geistige Gewalt, wo es Menschen gibt.
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  • Kommentar von Alexander Ognjenovic  (Alex)
    Robert Mugabe hat Simbabwe (Rhodesien) in die Unabhängigkeit und in die Freiheit geführt! Er und seine Freiheitskämpfer beendeten die Herrschaft der USA, Grossbritanniens und Frankreichs über Simbabwe (Rhodesien)! Die Völker Simbabwes (Rhodesiens) werden ihm ewig dankbar sein! Dass zuletzt die Lebensmittelpreise in Simbabwe so stark angestiegen sind und auch die Landeswährung so stark an Wert verloren hat, ist der Manipulation durch die ehemaligen Kolonialisten zu verdanken und nicht Mugabe!
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    1. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      In welche Freiheit?
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    2. Antwort von David Kummer  (Philidor)
      Was ist denn das für eine unreflektierte Lobhudelei? Artikel gelesen? Macht korrumpiert! Es gibt viele Beispiele von an sich netten, guten Freiheitsführern oder Präsidentschaftskandidaten, die, einmal an der Macht, zu schlimmsten Despoten wurden. Ihre hehren Ansichten wichen Machterhalt um jeden Preis & mit allen (grausamen) Mitteln. Mugabe ist eines der ganz schlimmen Beispiele.
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    3. Antwort von Alexander Ognjenovic  (Alex)
      Freiheit (lateinisch libertas) wird in der Regel als die Möglichkeit verstanden, ohne Zwang zwischen unterschiedlichen Möglichkeiten auswählen und entscheiden zu können. Der Begriff benennt in Philosophie, Theologie und Recht der Moderne allgemein einen Zustand der Autonomie eines Subjekts. Quelle Wikipedia! :)
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    4. Antwort von Reto Camenisch  (Horatio)
      Alex. Verwirrender Kommentar über einen Despoten. Freiheit für das Volk in Simbabwe? Bitte ja! So schnell als möglich!
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    5. Antwort von Alexander Ognjenovic  (Alex)
      Reto Camenisch // Für Sie ist jeder ein Despot oder Diktator der nichtislamischen Glaubens ist! Komisch dass sie noch nie Leute wie Erdogan, Rama, Kitarovic, Thaci, Haradinaj usw... kritisiert haben? Warum nicht? Vielleicht liegt das daran dass es sich um Freunde der USA handelt!
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    6. Antwort von kurt trionfini  (kt)
      Herr Ogjenovic: Die Leistung Mugabes zur Befreiung von der Kolonisation ist unbestritten. Der Wandel Mugabes vom Befreier zum Unterdrücker ebenso. Ihr Kommentar zu Herrn Camenisch wirkt auf mich a) wirr b) deplaziert und somit c) noch wirrer.
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