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Syrien – findet der IS zu alter Stärke zurück?
Aus Echo der Zeit vom 23.10.2019.
abspielen. Laufzeit 04:21 Minuten.
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Türkische Aktion in Syrien «Der IS profitiert von der aktuellen Lage»

Die türkische Invasion in Nordsyrien setzt die kurdischen Kämpfer unter Druck, die bislang gegen die Terrormiliz IS gekämpft hatten. Dadurch könnte der IS wieder erstarken, sagt der Journalist und Kenner der Region, Yassin Musharbash.

Yassin Musharbash

Yassin Musharbash

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Yassin Musharbash arbeitet bei der Wochenzeitung «Die Zeit» als Journalist. Er ist Arabist, Autor und IS- und Dschihadismus-Experte.

SRF News: Was weiss man über die von den Kurden festgehaltenen IS-Kämpfer und Angehörigen?

Yassin Musharbash: Es gibt rund ein Dutzend Gefängnisse und Camps, in denen IS-Kämpfer und deren Angehörige in Nordsyrien festgehalten werden. Insgesamt geht es um mehrere Zehntausend festgehaltene Personen. Rund 2000 inhaftierte IS-Kämpfer und ihre Angehörigen stammen aus westlichen Ländern. Diese waren in drei Camps untergebracht, wovon eines inzwischen von den Kurden aufgegeben wurde. Rund 800 Frauen sind daraus geflohen.

Wir gehen davon aus, dass der IS einige Gefängnisse angreifen wird.

Berichte über massenhafte Ausbrüche oder Befreiungen von früheren IS-Kämpfern gibt es bislang keine. Wir gehen aber davon aus, dass der IS das vorhat und einige der Gefängnisse angreifen wird. Es ist dies eine altbewährte Taktik des IS. Das muss aber nicht sofort passieren. Der IS hat Zeit.

Zeltlager in der Wüste.
Legende: Allein im Lager Al-Hol in der nordsyrischen Provinz Hasaka sind mehr als 70'000 IS-Anhänger inhaftiert. Reuters

Würden sich die befreiten IS-Kämpfer alle wieder von der Terrormiliz rekrutieren lassen?

Wahrscheinlich nicht alle. Auch unter den Angehörigen aus dem Westen haben sich manche glaubhaft vom IS losgesagt. Doch die Erfahrung lehrt, dass sowohl der IS als auch Al-Kaida nach Befreiungen einen Grossteil der Leute wiedereingliedern konnte. Tatsächlich wurde ein Teil der IS-Führung vor Jahren im Irak selber aus Gefängnissen befreit. Deshalb bahnt sich hier womöglich eine gefährliche Entwicklung an.

Die Inhaftierten befürchten, von Assad-Kräften vergewaltigt und ermordet zu werden.

Werden die Camps und Gefängnisse derzeit noch ausreichend bewacht?

Ja. Doch ein mögliches Szenario besteht darin, dass entweder die heranrückenden türkischen Truppen oder Assad-Kräfte die Camps übernehmen könnten. Davor haben die Insassen wahnsinnige Angst. Entsprechend angsterfüllt, nervös und hysterisch ist die Stimmung in diesen Lagern. Die Inhaftierten befürchten, etwa durch Assad-Kräfte vergewaltigt und ermordet zu werden.

Frauen im Tschador, eine blickt zum Fotografen.
Legende: In Al-Hol leben Zehntausende Frauen von IS-Kämpfern mit ihren Kindern. Reuters

Bestehen unter den syrischen Kämpfern, die für die Türkei gegen die Kurden kämpfen, Sympathien für den IS?

Dazu gibt es hartnäckige Gerüchte, doch ich kann das nicht aus eigener Recherche bestätigen. Ich halte diese Gerüchte jedoch für übertrieben, es ist wohl auch Propaganda der Gegenseite mit im Spiel. Man kann das jedoch auch nicht ganz ausschliessen, denn einige der mit den Türken assoziierten Rebellentruppen sind arg islamistisch-dschihadistisch geprägt. Sie haben sicher zumindest ideologische Sympathien für den IS. Manche von ihnen haben auch Kriegsverbrechen an kurdischen Kämpfern verübt. Da sind einige sehr unappetitliche Figuren dabei, denen ich so etwas durchaus zutraue.

Es tritt genau jenes Szenario ein, vor dem Experten seit Monaten gewarnt haben.

Profitiert der IS also von der aktuellen Situation in Nordsyrien?

Die letzten Wochen brachten für den IS gute Nachrichten – das muss aber nicht so bleiben, denn die Situation ist sehr schwierig einzuschätzen und sehr beweglich. Aber im Moment ist der IS sicher Profiteur der Lage. Es tritt genau jenes Szenario ein, vor dem Experten seit Monaten gewarnt haben.

Das Gespräch führte Simone Hulliger.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Drago Stanic  (drago stanic)
    Es ist immer wieder zu sehen, wie wenig Leser hier Syrienkrieg verfolgt haben. Oelfelder waren immer auf Gebiet von Stämmen welche treue zu IS geschworen haben,IS ist nicht aus nicht entstanden und halbe Nahosten erobert. Ganze Provinz ist Kampflos zu IS Gebiet geworden. USA hat immer Dialog mit diesen Stämmen gehalten und erst wenn SAA Euphrat überquert hat, hat die USA diese Stämme unter SDF Fahne gestellt. Kurden haben kein Zugang zu Oelfelder bekommen. Das hat immer USA und IS (SDF) gehabt.
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  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Ex Richterin Frau Carla Del Ponto hat vollkommen Recht mit der Aussage, dass Erdogan ein "Kriegs Verbrecher" ist und vor dem Hager Tribunal angeklagt werden sollte
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  • Kommentar von Christian Szabo  (C. Szabo)
    Es wäre nicht überrachend, wenn der IS von syrischen Öl profitiert, dass die USA dem syrischen Staat rauben und es in diese Söldner investiert. Genau so perfide ist Krieg und die USA sind Meister darin. Das Primärziel eines Regime-Changes in Syrien ist noch nicht erreicht. Gott schütze die USA in ihrer Weisheit.
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    1. Antwort von Ben Dover  (2preCent)
      Waas? Also, die bösen USA, welche (ohne Truppen) kein Ölfeld in Syrien kontrollieren investieren damit verbundene Gelder in „Söldner“ (damit können ja wohl kaum die lokalen Kurden gemeint sein?) und davon profitiert dann der IS???
      Bin ein grosser Fan von Verschwörungstheorien, aber da komm ich beim besten Willen nicht mit. Bitte um Erklärung!
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    2. Antwort von Hans Peter Auer  (Ural620)
      Und als was deklarieren Sie die russischen PMC Wagner privates Sicherheits- und Militärunternehmen, welche ebenfalls verdeckt bei der Krim Annexion, in Syrien, der Ostukraine und in Zentralafrika Zugange sind/war? Vermutlich hat jede Grossmacht so ihre versteckten Soeldner und Truppen, wenn es sein muss!
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