Ukrainische Soldaten stürmen durch den Wald. Einer geht verwundet zu Boden, zwei seiner Kameraden kommen ihm zu Hilfe. Eine Überreaktion, sagt der deutsche Ausbildner später bei der Nachbesprechung. «Der war nur leicht verletzt. Er hätte es auch allein irgendwie zurückgeschafft. Fokussiert eure Kräfte nicht unnötig.»
Infanterie-Übung in Deutschland
Für einmal schiessen die erfahrenen ukrainischen Soldaten mit Übungsmunition. In einem Wald in der Nähe von Berlin werden sie von der Bundeswehr weitergebildet. Über 75'000 ukrainische Soldaten haben im Rahmen der EUMAM, der EU-Ausbildungsmission, bereits Trainings durchlaufen.
Die Soldaten heute sind Infanteristen. «Für uns ist das hier vor allem taktische Erfahrung. Wir lernen, wie wir Informationen schneller an neue Rekruten weitergeben können», erklärt Vitali. Aus Sicherheitsgründen wurden die Namen der Ukrainer geändert.
Drohnen fehlen im Training
«Das Training hier ist gut. Aber verglichen mit der Front ist es auch etwas Urlaub. Eine gute Gelegenheit, sich von den Explosionen zu erholen», meint Michailo. «Wenn bei diesen Übungen eine Drohne über einem fliegen und versuchen würde, einen zu bombardieren, wäre es realistischer.»
Denn: Der Krieg in der Ukraine ist längst ein Krieg der Drohnen. «Drohnen behindern Soldaten bei der Arbeit. Ein Soldat kann nicht mehr einfach so Nachschub liefern, Minen legen, feindliches Gerät und Personal angreifen», erklärt Vasilij. Dafür ist das Schlachtfeld zu transparent und tödlich geworden. «Unsere Kampftaktiken sind ziemlich anders als das, was hier gelehrt wird. Drohnen und Roboter übernehmen jetzt viele Aufgaben von Soldaten.»
Ein Krieg wie noch nie
Das bestätigt auch der deutsche Hauptfeldwebel M., der selbst in Afghanistan gekämpft hat. «In Afghanistan gabs so etwas gar nicht mit Drohnen. Heute hat sich der Krieg extrem verändert, und so müssen auch wir unsere Kriegsführung anpassen.»
Darum sollen kriegserfahrene Ukrainer bald auch an den Truppenschulen der Bundeswehr unterrichten. Deutschland hat mit der Ukraine im Februar ein entsprechendes Abkommen unterzeichnet.
Doch wirklich erklären, wie Krieg ist, ist laut Vitali kaum möglich: «Das ist schwer in Worte zu fassen. Krieg ist schlimm. Krieg ist hart. Leute sterben, Kameraden fallen, Städte werden zerstört. Für Leute wie uns, die schon so lange in der Armee sind, ist es schwer, immer weiterzumachen. Ich persönlich bin tief erschöpft. Aber wir haben keine Wahl.»
Verluste, die bleiben
Am schlimmsten sei es, wenn Kameraden getötet werden. «Dein Herz fühlt sich etwas einsam an. Du verlierst eine Person, die dich unterstützt hat, dir Hoffnung gegeben hat, die deine Familie und Freunde ersetzt hat.»
Hauptfeldwebel M. versucht, Distanz zu den Ukrainern zu wahren, die er ausbildet. Das gelingt aber nicht immer. «Es ist nicht schön, zu wissen, dass die Jungs wieder an die Front müssen. Wir unterstützen die Jungs so gut wir können, damit sie so gut und so lang wie möglich kämpfen. Das rettet unsere Leben – sie halten im Endeffekt den Krieg von uns fern.»