Zum Inhalt springen

Header

Audio
Kampanien nicht in höchster Gefahrenzone
Aus SRF 4 News aktuell vom 11.11.2020.
abspielen. Laufzeit 04:52 Minuten.
Inhalt

Umstrittene Gefahrenzonen Politisches Hickhack auf Kosten der Patienten in Neapel

Die Region Kampanien ist noch immer der niedrigsten Gefahrenstufe zugeteilt – trotz überfüllter Spitäler.

Seit Freitag versucht die Regierung Italiens, die steigenden Corona-Infektionswerte mit neuen Massnahmen einzudämmen. Unter anderem wurden die Regionen in unterschiedliche Gefahrenzonen eingeteilt und mit Farben gekennzeichnet. Was auffällt: Kampanien, die Region um Neapel, welche stark von der Pandemie betroffen ist, und wo die Spitäler überfüllt sind, ist noch immer der niedrigsten Gefahrenstufe zugeteilt – der gelben.

SRF-Italien-Korrespondent Franco Battel weiss, wieso dort nicht härtere Massnahmen getroffen werden: «Weil seit Wochen über genau diese härteren Massnahmen gestritten wird.» Und es streiten offenbar alle mit allen.

Landes-, Regional- und Stadtregierung im Clinch

«Da hat zuerst einmal die Regierung in Rom ihre eigene Meinung, dann hat die Regionalregierung von Kampanien wieder ihre Meinung, und auch die Stadt Neapel hat nochmals eine andere Meinung», sagt Battel. Die Entscheidung sei noch immer nicht gefallen, während die Coronazahlen weiter ansteigen.

Das Problem: «Schliesst man Kampanien wie im Frühjahr wieder ganz, weil die Spitäler eben Anschlag sind, nimmt man damit auch in Kauf, dass viele Leute in der Region wirtschaftlich noch grössere Opfer bringen müssen.»

Vieles erinnert an das Frühjahr, als Italien Höchstwerte bei den Coronainfektionen verzeichnete. «Mailand und Turin sind wieder rote Zonen, dort steht fast alles still wie im Frühjahr», weiss der Korrespondent. «Die Notfallstationen der Spitäler sind überlastet. Jeden Tag zählt man erneut hunderte Tote.» Alleine am Dienstag waren es 580.

«Im Frühjahr wütete das Virus allerdings vor allem im Norden. Jetzt aber ist auch der strukturschwache Süden des Landes betroffen.» Die Medien spekulieren deshalb über einen weiteren landesweiten Lockdown in Italien.

Die Zustände in den Spitälern werden jeden Tag schlimmer.
Autor: Franco BattelSRF-Korrespondent in Rom

Ob dieser tatsächlich verhängt wird, hänge davon ab, wie sich die Zahlen nun in den nächsten Tagen weiterentwickeln, so Battel. «Wenn die geltenden Massnahmen die Zahl der Ansteckungen in den nächsten Tagen bereits nach unten drücken, so gibt es wohl keinen landesweiten Lockdown. Wenn die Zahlen aber weiter steigen, wird wohl kein Weg daran vorbeiführen.»

Das einzige, was heute schon sicher sei, sagt er, sei, dass Italien nicht viel Zeit bleibe. «Denn die Zustände in den Spitälern werden jeden Tag schlimmer.»

SRF 4 News, 11.11.2020, 10:25 Uhr;

Jederzeit top informiert!
Erhalten Sie alle News-Highlights direkt per Browser-Push und bleiben Sie immer auf dem Laufenden.

Meistgelesene Artikel

Nach links scrollen Nach rechts scrollen

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von René Baron  (René Baron)
    Krass ist dass in der CH-Berichtserstattung so getan wird, als hätte das nichts mit uns zu tun. Dabei liegen die Fallzahlen pro Kopf bei uns höher. Wir haben die besseren Spitäler und eine bessere Verteilung. Aber es gibt kein besser "voll". Und "voll" ist nur eine Frage der Zeit.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Adrian Weber  (Pöbel)
    580 Tote an einem einzigen Tag, das kann man eine humanitäre Katastrophe nennen. Normalerweise würden andere Länder bei solchen Katastrophen Unterstützung anbieten, aber der Fachkräftemangel beim Gesundheitspersonal ist ein globales Problem. Auch in der Schweiz, die bereits eine hohe Abhängigkeit von ausländischem Personal hat.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Andrea Esslinger  (weiterdenken)
    Es darf sich jeder der möchte auch in Italien selber schützen und muss nicht auf einen Befehl der Regierung warten.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen