Die Falklandinseln sind ein britisches Überseegebiet. Sie verwalten sich zu grossen Teilen selbst, stehen aber unter der Hoheit des Vereinigten Königreichs. Doch auch Argentinien erhebt seit Jahrzehnten Anspruch auf das Gebiet. Nun prüft die US-Regierung gemäss einem publik gewordenen Memo einen Kurswechsel: Sie überlegt sich, ihren neutralen Standpunkt zu den Falklandinseln zu ändern. Das wird in Argentinien als potenzielle Unterstützung für die Ansprüche interpretiert. Auslandredaktorin Fiona Endres ordnet ein.
Wie reagiert Grossbritannien auf die Diskussion?
Im Vereinigten Königreich hat die Diskussion für Aufregung gesorgt, vor allem in den Medien. Ein Regierungssprecher reagierte rasch und bekräftigte, dass die Falklandinseln britisches Überseegebiet bleiben würden. Für die Regierung bot das Thema zudem die Möglichkeit, innenpolitisch einen sicheren Punkt zu erzielen. Denn mit den Falklandinseln will die USA Druck aufsetzen auf den britischen Premierminister, weil dieser beim Iran-Krieg nicht mitmachen wollte. Der Krieg kommt bei der britischen Bevölkerung laut Umfragen nicht gut an. Wenn sich die britische Regierung also aktuell vom Krieg distanziert und sich für die Souveränität der Falklandinseln einsetzt, punktet man bei der eigenen Bevölkerung.
Warum ist das Thema für viele Britinnen und Briten so sensibel?
Das Thema reisst alte Wunden auf. Der Falklandkrieg von 1982 ist vielen Britinnen und Briten noch schmerzhaft in Erinnerung. Damals besetzte Argentinien die Inseln überraschend, im Krieg wurden auf beiden Seiten Hunderte Menschen getötet oder verletzt. Zudem kritisieren viele Sicherheitsexpertinnen und -experten, dass das Vereinigte Königreich heute wohl kaum mehr in der Lage wäre, ohne Hilfe der USA eine so grosse Militäraktion durchzuführen.
Wie stehen die Bewohnerinnen und Bewohner selbst zu den Ansprüchen Argentiniens?
Es leben etwa 3000 Menschen auf den Falklandinseln. 2013 stimmten die Inselbewohnerinnen und -bewohner in einem Referendum ab, ob sie ein britisches Überseegebiet bleiben wollen. Über 99 Prozent wollten das – gerade mal drei Bewohner stimmten Nein. Für die britische Regierung ist das ein wichtiges Argument: Man betont, dass es der Wille der Inselbevölkerung sei, zum Vereinigten Königreich zu gehören.
Was würde ein Kurswechsel der USA bedeuten?
Die aktuelle Diskussion um die Falklandinseln ist sehr hypothetisch. In dem bekannt gewordenen Memo wurden keine konkreten Schritte oder Massnahmen genannt. Selbst bei einem Kurswechsel der USA hätte das vor allem symbolische Bedeutung. Relevant würde es erst, falls Argentinien erneut versuchen sollte, die Inseln militärisch zu besetzen. Und es ist fraglich, ob die Mittel dazu vorhanden wären und ob Argentinien das wirklich riskieren würde.
Wie belastet ist das Verhältnis zwischen Washington und London?
Die Beziehungen zwischen den USA und dem Vereinigten Königreich sind bereits angespannt. Trump bezeichnete Keir Starmer früher als sehr nett, «very nice», weil sich dieser um eine gute Beziehung bemühte. Doch seit Starmer Distanz zu einem möglichen Iran-Einsatz Seite an Seite mit den USA signalisiert hat, hat Trump keine guten Worte mehr übrig für Starmer. Der Besuch von König Charles in den USA könnte vielleicht ein bisschen Ruhe in diese angespannte Beziehung bringen.