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US-Interventionen Die lange Geschichte der US-Einmischung in Lateinamerika

Die Vereinigten Staaten haben den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro und seine Frau in die USA entführt. Dieser Schritt reiht sich ein in eine lange Geschichte militärischer Interventionen und politischer Einflussnahme Washingtons in Lateinamerika. Das sind die wichtigsten US-Interventionen seit dem Zweiten Weltkrieg:

1954: Guatemala

Am 27. Juni 1954 wurde der guatemaltekische Präsident Jacobo Arbenz Guzmán durch vom US-Geheimdienst CIA finanzierte und ausgebildete Söldner gestürzt. Auslöser war eine Agrarreform, die die Interessen der US-Firma United Fruit Corporation bedrohte. Erst 2003 räumten die USA offiziell die Rolle der CIA in diesem Putsch ein.

Schwarzweiss-Porträt eines lachenden Mannes.
Legende: Der guatemaltekische Präsident Jacobo Arbenz Guzmán, aufgenommen am 20. Mai 1954 in Guatemala. Keystone/STR

1961: Kuba

Zwischen dem 15. und 19. April 1961 versuchten 1400 von der CIA unterstützte Exilkubaner in der Schweinebucht im Süden Kubas zu landen und Fidel Castro zu stürzen. Die Operation scheiterte, beide Seiten verzeichneten rund 100 Tote.

Drei Personen in Militärkleidung auf einem Panzer im Wald.
Legende: Der kubanische Führer Fidel Castro (unten rechts) in einem Panzer nahe der Schweinebucht während der Invasion im April 1961. Keystone/Raul CORRALES

1965: Dominikanische Republik

Unter dem Vorwand, einen «kommunistischen Aufstand» zu verhindern, entsandten die USA Marines und Fallschirmjäger nach Santo Domingo, um eine Bewegung zugunsten des gestürzten Präsidenten Juan Bosch niederzuschlagen.

Mann hält Rede mit Mikrofonen, umgeben von Menschen.
Legende: Der ehemalige dominikanische Präsident Juan Bosch spricht während einer Kundgebung in Santo Domingo, Dominikanische Republik, im September 1965 zu seinen Anhängern. Keystone/STR

1970er-Jahre: Unterstützung von Militärdiktaturen

Washington unterstützte mehrere Militärregimes als Bollwerk gegen linke Bewegungen. Besonders berüchtigt ist die Rolle der USA beim Putsch von Augusto Pinochet gegen Salvador Allende in Chile 1973. Auch die argentinische Militärjunta erhielt Rückendeckung – US-Aussenminister Henry Kissinger drängte sie laut später veröffentlichten Dokumenten, ihre «schmutzige Kriegführung» rasch zu beenden. In den 1970er- und 1980er-Jahren kooperierten sechs südamerikanische Diktaturen im Rahmen des «Plan Condor» zur systematischen Verfolgung von Oppositionellen – mit stillschweigender Billigung der USA.

Mann in Uniform liest Papier, anderer Mann sitzt daneben auf Stuhl.
Legende: Augusto Pinochet (links) hält eine Rede der chilenischen Militärregierung im Obersten Gerichtshof in Santiago de Chile (November 1973). Keystone/STR

1980er-Jahre: Bürgerkriege

Nach dem Sieg der linken Sandinisten in Nicaragua 1979 gegen Diktator Somoza finanzierte der US-Geheimdienst CIA die Contra-Rebellen mit Millionenbeträgen, teilweise aus illegalen Waffenverkäufen an den Iran. Der Bürgerkrieg endete 1990 und forderte rund 50'000 Tote. Auch in El Salvador unterstützte die USA die Regierung im Kampf gegen die linke Guerilla FMLN – ein Konflikt, der bis 1992 etwa 72'000 Menschenleben kostete.

Soldaten durchqueren Fluss im Dschungel.
Legende: Soldaten der sandinistischen Armee überqueren einen kleinen Fluss während einer Auseinandersetzung mit den «Contras», gut 300 Kilometer nordöstlich von Managua, Nicaragua (10. Mai 1989). Keystone/OSCAR NAVARRETE

1983: Grenada

Am 25. Oktober 1983 landeten US-Truppen auf Grenada, nachdem Premierminister Maurice Bishop von einer linken Junta ermordet worden war. Die Operation «Urgent Fury» endete nach wenigen Tagen, kostete aber über 100 Menschen das Leben und wurde von der UNO verurteilt.

Monroe-Doktrin mit neuem Namen: Was ist die «Donroe-Doktrin»?

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US-Präsident Donald Trump hat nach dem Angriff auf Venezuela und der Festnahme von Staatschef Nicolás Maduro den Anspruch auf die Vorherrschaft auf dem amerikanischen Doppelkontinent bekräftigt und auf die sogenannte Monroe-Doktrin verwiesen. Auch den Begriff der «Donroe-Doktrin» nutzt er. Doch was ist damit gemeint?

In Anlehnung an Trumps Vornamen setzt sich die Bezeichnung «Donroe» aus dem eigentlichen Namen der Doktrin «Monroe» und dem Namen des Präsidenten «Donald» zusammen. Die US-Zeitung «New York Post» hatte Anfang 2025 «Die Donroe-Doktrin» (The Donroe Doctrine) getitelt und schöpfte den neuen Begriff.

Zum Jahreswechsel griff die «Washington Post» dies auf und schrieb: «Die Boulevardzeitung spielte damit auf den Präzedenzfall von 1823 an, als Präsident James Monroe die Ablehnung der jungen amerikanischen Republik gegenüber künftigen europäischen Einmischungen und Kolonialisierungen in ihrer Hemisphäre verkündete – bekannt als Monroe-Doktrin.»

Zuletzt wurde der Begriff vielfach auch von anderen Medien verwendet. Auch in der Nationalen Sicherheitsstrategie der USA wird der Name Trump in Bezug auf die Monroe-Doktrin erwähnt. Demnach sieht die «Trump-Interpretation» dieser aussenpolitischen US-Prinzipien etwa die Verhinderung von Massenmigration in die USA sowie den gemeinsamen Kampf mit ausländischen Regierungen gegen Drogenschmuggler und Kartelle vor.

Zudem wollen sich die Vereinigten Staaten einen «fortgesetzten Zugang zu wichtigen strategischen Standorten» sichern. Mit der westlichen Hemisphäre ist meist der Doppelkontinent Amerika samt umliegender Inseln gemeint.

Die Monroe-Doktrin geht auf Präsident James Monroe (regierte 1817 bis 1825) zurück, wonach die USA in der Neuen Welt keinen Einfluss europäischer Mächte mehr dulden und den gesamten amerikanischen Doppelkontinent geopolitisch dominieren. Zugleich beschreibt sie die Neutralität und Politik des Nicht-Einmischens der USA in die europäischen Angelegenheiten.

Trump hatte bei einer Pressekonferenz nach dem Angriff auf Venezuela gesagt: «Die amerikanische Dominanz in der westlichen Hemisphäre wird niemals wieder infrage gestellt.» Washington habe die im 19. Jahrhundert geprägte Monroe-Doktrin über die US-Vorherrschaft in den Amerikas vernachlässigt. Er fügte hinzu: «Wir haben sie ein Stück weit vergessen. Sie war sehr wichtig, aber wir haben sie vergessen. Wir werden sie nicht mehr vergessen.» (sda)

1989: Panama

Im Dezember 1989 starteten die USA die Operation «Just Cause», um General Manuel Noriega festzunehmen. Offiziell starben 500 Menschen, NGOs sprechen von mehreren Tausend Opfern. Noriega, einst Verbündeter der USA, wurde später wegen Drogenhandels verurteilt.

Zwei Soldaten in Tarnkleidung auf städtischer Strasse.
Legende: Amerikanische Soldaten regeln den Verkehr in Panama-Stadt am 9. Januar 1990, während sie Wache vor einem Gebäude stehen, in dem sich General Manuel Noriega aufhalten soll. Keystone/JOHN GAPS

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Tagesschau, 4.1.2026, 12:45 Uhr ; 

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