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US-Regierung in der Kritik Debatte um Boykott der Fussball-WM eröffnet

Auch in Grossbritannien, den Niederlanden und Deutschland wird die Idee diskutiert. Eine Umsetzung dürfte aber vorerst Theorie bleiben.

Eigentlich können sich Fussballfans freuen: Im Juni ist wieder WM. Allerdings findet diese Weltmeisterschaft hauptsächlich in einem Land statt, dessen Präsident den Rest der Welt beschimpft, bedroht und mit Zöllen nötigt. Und dessen Regierung gegenüber den Menschen dort und anderswo immer fordernder und autoritärer auftritt. Darum wird nun auch hierzulande diskutiert: Sollte die Schweiz die Fussball-WM 2026 boykottieren?

Auch der Schweizerische Fussballverband hat vergangene Woche im Zentralvorstand darüber diskutiert. Mediensprecher Adrian Arnold: «Wir sind der Meinung, dass ein Boykott die Falschen treffen würde, nämlich die Spieler, die sich rein sportlich, unabhängig von allem, was politisch auf der Welt passiert, für die WM qualifiziert haben. Und wir sind auch der Meinung, dass ein Boykott einer Schweizer Nati oder einem Fussballteam keinen Einfluss auf die Weltpolitik hat.»

Politik und Sport sind stark verwoben

Seit dem Zweiten Weltkrieg haben qualifizierte Teams noch nie aus politischen Gründen eine WM abgesagt. Dabei hätte es bei mehreren Turnieren Gründe gegeben. Argentinien wurde während der WM 1978 von einer brutalen Militärjunta regiert. Russlands Präsident Wladimir Putin nahm vier Jahre vor der WM 2018 die ukrainische Halbinsel Krim ein. In Katar gab es vor der WM 2022 schwerwiegende Menschenrechts­verletzungen. Nichts von alledem führte zu einem Boykott.

Spielball
Legende: Der offizielle Spielball der Fussball-WM in den USA, Kanada und Mexiko. imago images/Udo Hermann

Aktuell zeigt sich, wie stark Politik und Sport miteinander verwoben sind – etwa mit der umstrittenen Vergabe eines Friedenspreises der Fifa an US-Präsident Donald Trump.

Ex-Fifa-Präsident Blatter unterstützt Boykott

Arnold: «Der Friedenspreis war tatsächlich eine Vermischung von Politik und Sport, die wir auch nicht gerne gesehen haben. Aber ich glaube, letztendlich ist das auf einer politischen Ebene während einer Auslosung passiert. Und das hat gar nichts mit dem zu tun, was nachher die Mannschaft auf dem Fussballfeld macht.»

Zusätzliche Brisanz bringt ein Re-Post des früheren Fifa-Präsidenten Sepp Blatter auf X. Er bezieht sich auf den Antikorruptionsexperten Mark Pieth. «Für die Fans gibt es nur einen Ratschlag: Bleibt den USA fern! Ich finde, Mark Pieth hat recht, diese Weltmeisterschaft in Frage zu stellen.»

Fans frönen ihrer Leidenschaft

Nati-Fan Marcel Rohner hat den Post gelesen. Er war Fanleader in Katar und lehnt die Reisewarnung klar ab. Wenn die Nati reist – reist er auch. «Dieser politischen Lage kann man sich nicht komplett entziehen. Das ist natürlich im Hinterkopf, wenn man eine solche Reise angeht, aber wir probieren immer, Sport und Politik zu trennen. Das ist manchmal nicht ganz einfach. Aber ich glaube, es geht bei uns um den Fussball und um unsere Nati, um unsere Leidenschaft. Und dann schiebt man vielleicht die Politik, die aktuell gerade läuft, eher in den Hintergrund.»

Schweizer Fans
Legende: Die Politik steht nicht im Vordergrund: Schweizer Fans. Keystone/ANDREAS GORA/Symbolbild

Auch in anderen Ländern wird über einen Boykott diskutiert. In den Niederlanden unterschrieben in kurzer Zeit über 150'000 Personen eine entsprechende Petition. Und in Grossbritannien sowie in Deutschland rumort das Thema ebenfalls.

SRF-Korrespondent: Geld und Moral sprechen gegen Boykott

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SRF-Deutschlandkorrespondent Stefan Reinhart: «Gegen einen Boykott spricht das Geld – viele Millionen gingen dem Deutschen Fussballverband verloren. Und auch mit der Moral haben die Deutschen schlechte Erfahrungen gemacht: Die One-Love-Regenbogen-Binde musste die Deutsche Elf an der WM in Katar auf Druck der Fifa wieder ausziehen. Heute will man die Boykott-Frage nicht einmal mehr diskutieren. Auch keine namhaften Politikerinnen oder Politiker steigen in die Debatte ein. Der Chef des Hamburger Fussball-Klubs St. Pauli ist der einzige in der ersten Reihe, der zumindest diskutieren will. Kein Wunder – St. Pauli versteht sich von jeher als rebellischer, politischer Verein.»

Ein Boykott bleibt vorerst Theorie – die Debatte aber ist lanciert.

Diskutieren Sie mit:

10vor10, 27.01.2026, 21.50 Uhr ; 

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