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USA drohen mit Militär Welche Optionen hat Trump im Iran?

«Hilfe ist unterwegs.» Mit diesen Worten bekräftigte Donald Trump am Dienstag seine Unterstützung für die iranische Protestbewegung, in einem Interview mit dem Fernsehsender CBS. Wie diese Hilfe aussehen könnte? Das liess der US-Präsident demonstrativ offen.

Iran dementiert Hinrichtungen – aus Angst vor einem US-Angriff?

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Menschenmenge bei Nachtprotest mit brennendem Feuer im Hintergrund.
Legende: Weil das Internet weitestgehend blockiert ist, erreichen uns bisher nur spärlich Bilder aus dem Iran. Dieses Foto wurde auf einer Demonstration am 9. Januar 2026 aufgenommen. Keystone / AP UGC

Angefangen haben die Proteste unter den Händlern auf dem Basar von Teheran, sie entzündeten sich an der hohen Inflation der Landeswährung. Daraus entwickelte sich eine breite Protestbewegung. Das Regime geht gegen die Demonstranten mit extremer Gewalt vor. Die Rede ist von Tausenden, teilweise sogar mehr als Zehntausend Toten. Bereits gestern sollten die ersten Hinrichtungen stattfinden.

Der US-Präsident hat hier eine rote Linie gezogen – und im Fall von Hinrichtungen mit einem US-Angriff gedroht. Am Mittwoch sagte Trump, dass laut seiner Quellen bislang keine gross angelegten Hinrichtungen stattgefunden hätten. Auch das iranische Regime streitet Exekutionen im Zusammenhang mit den jüngsten Protesten ab.

Ob in den letzten Tagen tatsächlich Hinrichtungen stattgefunden haben, ist aktuell schwer zu beurteilen. Noch immer ist im Iran das Internet fast komplett abgeschaltet. Im Jahr 2025 wurden im Iran mehr als Tausend Menschen hingerichtet, unter ihnen auch Aktivistinnen und Dissidenten, wie Amnesty International berichtet.

Planen die USA nach dem Angriff auf Venezuela bereits den nächsten Militärschlag, diesmal gegen den Iran? Oder sieht Trump doch noch von einer militärischen Intervention ab? Die Optionen des US-Präsidenten im Überblick.

Ein Militärschlag

Dass die USA eigene Truppen in den Iran schicken – wie im Jahr 2001 nach Afghanistan oder 2003 in den Irak –, ist aktuell unwahrscheinlich. Realistischer wären Luftschläge mit Drohnen oder Raketen. «Man würde versuchen, wichtige Einrichtungen zu zerstören, einzelne Personen zu töten, die wesentlich sind für das iranische Regime», sagt Sebastian Ramspeck, internationaler Korrespondent für SRF.

Schon einmal hat Trump einen iranischen General töten lassen

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Am 3. Januar 2020 wurde der iranische General Ghassem Soleimani gezielt von einer US-amerikanischen Drohne im Irak getötet – auf Befehl des damaligen US-Präsidenten Donald Trump.

Soleimani war Kommandant der Al-Kuds-Brigaden, einer auf Auslandseinsätze spezialisierten Elitetruppe der iranischen Revolutionsgarden. Für die USA galt er als Drahtzieher hinter mehreren Anschlägen – unter anderem auf die US-Botschaft in Bagdad. Soleimanis Stellung innerhalb der iranischen Revolutionsgarde übernahm damals umgehend ein neuer General.

Gegen ein solches Szenario spricht zur Zeit noch, dass aktuell kein US-Flugzeugträger in der Region liegt, was die militärischen Spielräume der USA einschränkt. Sebastian Ramspeck hält es deshalb für möglich, dass die USA mit einem Militärschlag abwarten – auch wenn die Absichten des US-Präsidenten gerade äusserst undurchsichtig scheinen.

Geheimdienstoperationen

Abgesehen von einem direkten Angriff könnten die USA ihre Geheimdienstaktivitäten im Iran ausbauen und auf diesem Weg versuchen, das iranische Regime zu destabilisieren. Es liegt in der Natur der Sache, dass über solche Aktionen wenig bekannt ist.

Anti-USA-Wandbild an Gebäude, Strasse im Vordergrund.
Legende: Antiamerikanisches Wandbild in Teheran. Ein US-Militärschlag könnte es dem Regime erlauben, die Proteste als vom Ausland gesteuert darzustellen – zumindest fürchten das einige Beobachterinnen und Beobachter. Keystone / Abedin Taherkenareh

Für Geheimdienstoperationen gäbe es viele historische Vorbilder, im Nahen Osten wie auch in Lateinamerika. Die Geschichte zeigt aber auch: Weder ist es leicht, eine Regierung zu stürzen, noch lässt sich vorhersehen, was auf einen Regimesturz folgt.

Weitere Sanktionen

Schon jetzt wird der Iran von den USA – wie auch von zahlreichen anderen westlichen Staaten – massiv sanktioniert. Möglich wären aber, wie Sebastian Ramspeck festhält, härtere Sekundärsanktionen. So werden Staaten oder Unternehmen sanktioniert, die Geschäfte mit dem Iran machen.

Damit könnte man den Druck auf das Regime weiter erhöhen. Ob auf eine schlechtere Wirtschaftslage aber automatisch politische Veränderung folge, ist alles andere als gegeben, so Ramspeck.

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Abwarten

Das Ziel der USA dürfte sein, das Regime zu Fall bringen und eine proamerikanische Regierung zu installieren. Dass dies auf eine militärische Intervention folgt, hält Sebastian Ramspeck aber nur für eines von vielen Szenarien. Der Grund: Die Proteste bringen aktuell viele Menschen mit unterschiedlichen Anliegen auf die Strasse. Die Zukunft des Irans stellen diese sich sehr unterschiedlich vor. Auf eine US-Intervention könnte deshalb Chaos folgen – und womöglich ein langer Konflikt: «Die Rede ist von syrischen Zuständen, dass es auch zu einem Bürgerkrieg kommen könnte», so Sebastian Ramspeck.

Als letzte Möglichkeit bleibt, dass die US-Regierung die Lage im Iran weiter beobachtet – und nicht stärker interveniert. Das hängt zuletzt auch von innenpolitischen Gründen ab, so SRF-Korrespondent Sebastian Ramspeck – also davon, wie der US-Präsident den Rückhalt für einen Militärschlag im eigenen Land einschätzt.

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SRF 4 News, 15.1.2026, 16:10 Uhr;liea

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