Unter der US-Drohgebärde einer grossen Militärstreitmacht in der Region finden in Oman Gespräche zwischen einer iranischen und einer US-Delegation statt. SRF-Auslandredaktor Philipp Scholkmann erklärt, worum es dabei womöglich geht.
Wer ist am USA-Iran-Treffen in Oman dabei?
Bereits in Maskat, der Hauptstadt Omans eingetroffen ist Irans Aussenminister Abbas Araghtschi – mit grosser Entourage. Von US-Seite wird Donald Trumps Sondergesandter Steve Witkoff die Delegation leiten. Er und Trumps Schwiegersohn Jared Kushner sind bereits in der Region. Auch Kushner dürfte bei den Gesprächen in Maskat dabei sein.
Welche Themen sollen in Maskat besprochen werden?
Der Iran betont, es gehe «nur» um sein Atomprogramm und die harten westlichen Wirtschaftssanktionen. Teheran erhofft sich eine Lockerung dieser Sanktionen. Teheran möchte wohl die Gespräche dort fortsetzen, wo sie abgebrochen wurden, als Israel im Juni mit US-Unterstützung seinen zwölftägigen Krieg gegen das Land führte. Doch die Forderungen der USA an das iranische Regime sind viel weitreichender: Teheran soll nicht nur sein Atomprogramm herunterfahren, sondern auch das Raketenprogramm stoppen und aufhören, verbündete Milizen in der Region zu unterstützen. US-Aussenminister Marco Rubio nannte auch die Repression des iranischen Regimes gegen die eigene Bevölkerung als wichtiges Thema. Die Vorstellungen beider Seiten liegen also weit auseinander. Aus dem Weissen Haus hiess es zuletzt, man wolle in Oman eine Vorstellung davon zu bekommen, ob mit dem iranischen Regime ein Abkommen überhaupt denkbar sei.
Ist angesichts des US-Aufmarsches in der Region ein neuer Krieg möglich?
Es ist unklar, wie weit Trump gehen will. Derzeit geht es den USA offenbar darum, maximalen Druck aufzubauen. Laut Rubio wollen die USA aber durchaus versuchen, mit dem Iran zu einer Verständigung zu kommen. Auch Teheran hat bekräftigt, an einem Abkommen interessiert zu sein. Gleichzeitig droht der Iran für den Fall eines US-Angriffs mit Eskalation. US-Militärbasen in der Golfregion oder israelische Städte könnten ins Visier von iranischen Mittelstreckenraketen geraten.
Wie sieht man die Drohkulisse in der Region?
Israel zeigt sich unbeeindruckt. Man könne diesem iranischen Regime nicht trauen, betonte Premier Benjamin Netanjahu erneut. Die arabischen Nachbarn dagegen sind aufgeschreckt. Sie warnen vor unkalkulierbaren Risiken einer Eskalation. Umso mehr, wenn das iranische Regime implodieren sollte. Das Szenario eines Bürgerkriegs in diesem Vielvölkerstaat Iran und entsprechende Instabilität erfüllt die arabischen Staatschefs mit grosser Sorge. Die Golf-Anrainer und auch die Türkei haben in den letzten Wochen versucht, auf Entspannung hinzuwirken. Und sie haben offenbar auch eigene Vorschläge entwickelt, wie eine Verständigung mit dem Iran im Nukleardossier aussehen könnte. Entsprechend hoch sind die Erwartungen auch von dieser Seite an das heutige Treffen in Oman.